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CoronakriseHomeschooling kostet Wirtschaft Millionen produktive Arbeitsstunden

Bis zu 121 Millionen Arbeitsstunden der Eltern fielen in der Coronakrise der Betreuung der Kinder zum Opfer.

Alltag mit Kindern im Homeoffice © (c) Serhii - stock.adobe.com (SOBOLEVSKYI.COM)
 

In der Coronakrise mussten wegen der Schul- und Kindergartenschließungen von Mitte März bis Mitte Mai viele Eltern mehr Zeit für die Betreuung und Bildung ihrer Kinder frei schaufeln. Das kostete nicht nur Nerven, sondern auch Arbeitsstunden und damit auch Wirtschaftsleistung, wie die Agenda Austria in einer Studie errechnet.

Die Ökonomen kommen auf insgesamt 121 Millionen produktive Arbeitsstunden, die aufgrund der verstärkten Betreuungspflichten für rund 600.000 betroffene Erwerbstätige (pro Familie musste oft nur einer der Elternteile seine Arbeitszeit reduzieren oder einstellen) mit Kindern unter 15 Jahren - rund 1,3 Millionen - verloren gegangen sind.

15 Millionen Arbeitsstunden pro Woche

Das seien fast zwölf Prozent aller Arbeitsstunden, die im Zeitraum der Schulschließungen normalerweise angefallen wären, und entspreche einem Verlust in der heimischen Wertschöpfung von 7,2 Mrd. Euro oder einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,8 Prozent, so die Agenda Austria. Sollte es im weiteren Jahresverlauf noch einmal zu Schulschließungen kommen, würden pro Woche rund 15 Millionen Arbeitsstunden oder 900 Mio. Euro an Wertschöpfung verloren gehen, rechnen die Ökonomen vor.

Folgen für Kinder

Für die Kinder könnten sich langfristige Folgen ergeben, denn durch die Coronakrise könnte der Lernfortschritt rund eines Semesters verloren gegangen sein, so Agenda-Austria-Ökonom Hanno Lorenz.

Die Autoren nehmen daher auch die Politik in die Pflicht. Zwar könne man hoffen, dass es im Herbst nicht noch einmal zu Schulschließungen kommt, so Lorenz. "Es ist allerdings auch die Aufgabe der Regierung, für ein negatives Szenario gewappnet zu sein. Der Sommer hätte intensiv genutzt werden müssen, um zumindest einen Notfallbetrieb zu garantieren." Um den Unterricht auch im Ernstfall gewährleisten zu können, brauche es die entsprechende technische Ausstattung für die Schüler und Lehrer, technisches Know-how für die Lehrer und eine Einigung auf eine einheitliche Software.

Kommentare (4)

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Nixalsverdruss
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Ihr Kleingeister:

"Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf" sagt eine Afrikanische Weisheit.
Wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt auch noch die Eltern ihren Kindern etwas beibringen müssen? Wozu gibt es denn die Lehrer? Wie kommt denn die arme Wirtschaft (sprich die Unternehmer, Konzerne, Ämter, Behörden, etc.) dazu, ihre Angestellten und Arbeiter von den Kindern in Anspruch nehmen zu lassen? Die Kinder sollen die Klappe halten, die Eltern arbeiten bis zum Abwinken und die Unternehmer sind für die (spärlichen) Löhne, das Golfen und den Konsum zuständig! Wo kommen wir denn da hin, wenn sich nun auch noch die Unternehmer einschränken müssen?
- SATIRE off - !!!
Wir sollten unser Geld besser in die Zukunft unserer Kinder investieren - schade, dass nicht Eltern von Kindern besser bezahlte Teilzeitjobs bekommen, um das zu schaffen.
Aber es ist besser, wenn uns irgendwelche kinderlosen Analytiker - die vermutlich ein super Honorar bekommen haben - vorrechnen, was das Wirtschaftswachstum bremst!
Eines wäre wichtig: "Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen - und nicht (nur) umgekehrt!"

stierwascher
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was für eine Erkenntnis...

... wenn junge Mädchen und Buben zuhause sind, die sonst in die Schule gehen.
Bis zu 9. Schulstufe gibt es in Österreich Schulpflicht, deshalb die Institution Schule. Dort arbeiten akademisch ausgebildete Fachleute. Diese Leute unterrichten, weil es ihr Beruf ist. Deswegen gehen die Kinder auch dort hin. Weil es die Institution Schule ist. Ich gehe auch zum Installateur und nicht zu jemanden, der halt gut basteln kann...
Wenn diese Kinder nun zuhause lernen und alle paar Minuten nur die Eltern fragen können, weil es keine MitschülerInnen und LehrerInnen gibt, dann müssen die Eltern herhalten.
Kleinen Rechenbeispiel: 2 Kinder fragen drei Mal pro Stunde: Das halbiert automatisch jede Arbeitsstunde...
Homeschooling und gleichzeitig arbeiten geht einfach nicht ohne massive Abstriche!

carpe diem
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ABER...

... wenn die Kinder zu Hause sind und einen passenden Internet-Anschluss haben, werden sie
auch zu Hause von ihren Lehrerinnen und Lehrern betreut (MS-Teams, Skype u.ä.)
... wenn dieses Homeschooling auch Homelearning ist, können Kinder - mit Hilfe ihrer betreuenden Lehrerinnen - auch zu mehr Selbstständigkeit und selbstständigem Erarbeiten neuer Lerngebiete erzogen, angeleitet werden.
... wenn Schülerinnen und Schüler eine entsprechende Einstellung zum Lernen haben, gelingt das.
Also kann man vieles auch als Chance sehen. Wenn man will.

stierwascher
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will alles gelernt sein

... all das haben wir als Chance gesehen.
Nur muss Homeschooling auch zuvor gelernt und trainiert worden sein. Aus dem Nichts heraus kommt nicht wenig, sondern nichts heraus. Die Kinder wurden in meinem Umfeld defacto nirgends auf diese Herausforderungen vorbereitet.
Kinder sind damals am Freitag noch im Regelunterricht gewesen, am Montag darauf können alle so einfach, auf Fingerschnipp die digitalen Tools so behände? Da hilft auch keine noch so tolle Erziehung, keine besonderes Engagement, und keine entsprechende Einstellung.
Den Schulstoff lernen die Kinder im professionellen Unterricht und nicht aufgrund einer wie immer gearteten Einstellung!