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Serie

Georg Hoanzl: "Die erste Sekretärin war die Oma"

Ein Erfolgsmensch, der aus dem Nichts kam. Vom Dorf Kukmirn katapultierte sich Georg Hoanzl ins Zentrum der österreichischen Medienszene.

Georg Hoanzl (links) mit Kabarettist Thomas Stipsits © Wache/Lichtstark
 

Wie hat Ihre Karriere begonnen?

GEORG HOANZL: Im Grunde schon an der HAK in Mattersburg. Weil mir oft zu fad war, wurde ich Schulsprecher und setzte mich für das "Gemeinwohl" ein. Auch organisierte ich Konzerte, damit "Kultur in die Gegend kommt".

Wann hatten Sie Ihre erste öffentliche Veranstaltung?

HOANZL: Nachdem ich mir nach der Matura im Jahr 1986 einen Gewerbeschein beschafft hatte, buchte ich in Fürstenfeld für meinen Freund Andreas Vitasek einen Saal. Immerhin kamen 800 Zuschauer. Und mit Vitasek hatte auch eine wichtige Begegnung zu tun. Ich mietete für einen Auftritt das Salzburger Landestheater an, die Plakate hatte ich selbst gedruckt. Zum Plakatekleben fuhr ich im Auto meiner Mutter nach Salzburg. In der Kantine des Theaters saß einer, der mich fragte, was ich da mache. "Plakate aufhängen!", habe ich gesagt. Er: "Ich bin der Josef Hader."

Und dann?

HOANZL: Dann bat er mich, ihn mit dem Auto nach Wien mitzunehmen. Nach dieser ersten Fahrt sind wir sieben Jahre miteinander im Auto gesessen - bis zum Zeitpunkt, wo es für ihn eine professionelle Tourbegleitung gab.

Ihr erstes Büro?

HOANZL: Das hatte ich in meinem Heimatort Kukmirn. Es war Wohnung und Büro zugleich. Meine erste Sekretärin war meine Großmutter. Wenn Geschäftspartner anklopften, musste meine Großmutter/Sekretärin oft ausrichten: "Der Bua schlaft noch, er is spät heimkommen." Mein nächstes Domizil, wieder waren Schlafzimmer und Büro ident, waren 28 Quadratmeter am Wiener Loquaiplatz.

Wie oft haben Sie die Büros gewechselt?

HOANZL: Insgesamt fünf Mal. Heute, in der Arbeitergasse, habe ich eine Bürofläche von 700 Quadratmetern. Ich beschäftige 50 Mitarbeiter, pro Jahr kommen rund 500.000 Besucher zu unseren Veranstaltungen, und von der Marke Hoanzl haben wir inzwischen zwei Millionen DVDs und CDs verkauft.

Mit welchem Produkt haben Sie offiziell Ihre Firma gegründet?

HOANZL: Mit der CD "Hader privat", die die legendäre Nummer H001 trug. Ich besorgte mir Adressen aus dem Handel, schickte die CD ungefragt in Fünfer-, Zehner- und Zwanziger-Packungen in die Läden mit dem Text: "Wenn ihr was verkauft, freue ich mich über Überweisungen. Wenn nicht, schickt mir die Sachen zurück, ich übernehme die Versandkosten!" Das Resultat: Mit über 70.000 verkauften Exemplaren wurde die CD ein Hit und die Basis für eine Vertriebsfirma.

Einer der Schlüsselmomente Ihrer Karriere war es, als Sie begannen, sich um den österreichischen Film zu kümmern.

HOANZL: Da haben mich viele Freunde, echt wohlmeinende, gefragt, ob ich deppert bin. Wie so oft in meinem Leben stand am Anfang eine Krise. Ich hatte den Vertrieb für die DVD des Films "Die Siebtelbauern" übernommen und mich stark dafür eingesetzt. Leider verkauften wir nur 300 Stück, ich war tieftraurig und begann zu grübeln.

Wohin führten die Grübeleien?

HOANZL: Zur Erkenntnis, dass man es so machen sollte, wie die mit den Reclam-Heftln oder die "Süddeutsche" mit ihrer Hollywood-Reihe. Nämlich mit einer gut erkennbaren Aufmachung. 2006, zu meinem Vierziger, kaufte ich, mit einem Kreditrahmen von einer Million Euro, die ersten 50 österreichischen Filme. Auch, wenn das schiefgegangen wäre, wäre es mir das wert gewesen. Gott sei Dank wurde das die Grundlage für eine unglaubliche Österreich-Kollektion. Es folgten eine Kabarett-Edition, Zyklen von Burgtheater und Josefstadt. In keinem anderen Land Europas, und darauf bin ich sehr stolz, finden Sie eine derart große, derart breit gefächerte Palette heimischer Produktionen.

Was kommt noch?

HOANZL: Ich möchte erweitern. Etwa um Dinge wie eine Burgenland-Edition, wofür ich aus dem ORF-Landesstudio Archivmaterial aus 60 Jahren bekam. Als Nächstes ist die Steiermark dran. Und dann möchte ich den gesamten Katalog nach und nach digital umsetzen.

Was bedeutet Ihnen diese geschäftliche Karriere?

HOANZL: Es gibt Menschen, die beruflich erfolgreich sind und dennoch keine richtige Karriere gemacht haben. Große Talente, die einseitig geblieben sind und eines Tages fühlen, dass ihr Leben nicht rund ist. Bei mir ist das anders. Da ging die Karriere Hand in Hand mit der menschlichen Entwicklung. Ich führe daher, denke ich, ein gelungenes Leben.

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