VölkermarktStraßensperre: Unternehmer bangen um ihre Existenz

Sperre der Klagenfurter Straße in Völkermarkt beschert den dortigen Firmen gewaltige Einbußen. Kurzfristige Umfahrung im Gespräch. Ein Lokalaugenschein.

Claudia Kollmann von der Bäckerei Srebre weiß nicht, ob sie ihr Geschäft schließen wird müssen
Claudia Kollmann von der Bäckerei Srebre weiß nicht, ob sie ihr Geschäft schließen wird müssen © Daniela Grössing
 

Muss der letzte Bäcker in der Stadt Völkermarkt jetzt schließen? Claudia Kollmann, die die Traditionsbäckerei Srebre im Jahr 2016 übernommen hat, weiß es nicht. Die Sorge steht ihr aber ins Gesicht geschrieben. Wenige Meter hinter ihrem Geschäft endet die Straße. Seit Mai ist die Klagenfurter Straße gesperrt. Gebaut werden am Postplatzl 43 Wohnungen. Wodurch sie wohl auch neue Kundschaft gewinnen wird. Doch bis dahin?

Die meisten Kunden erreichen das Geschäft über die Umfahrungsstraße. Da muss man allerdings über die schmale Volkerstraße. Doch auch hier sind diese Woche die Bagger aufgefahren. Die Häuser werden an das Fernwärmenetz angeschlossen. Rund einen Monat ist diese Straße daher nur einspurig zu befahren. Was den Weg zum Geschäft für potenzielle Kunden nicht gerade erleichtert.

Sperre in der Klagenfurter Straße
Sperre in der Klagenfurter Straße Foto © Daniela Grössing

100 Kunden am Tag weniger

„Ich weiß nicht, ob ich bis zum Herbst, bis die Klagenfurter Straße wieder geöffnet ist, überlebe. Wir haben 30 bis 40 Prozent Einbußen“, sagt Kollmann, die bereits ihre Öffnungszeiten gekürzt hat. „Jetzt gerade rettet uns ein zweiter Standort am Klopeiner See“, sagt die Geschäftsfrau, die nicht sicher ist, ob sie ihre Mitarbeiter halten kann. Sie appelliert an die Völkermarkter, die Bäckerei nicht zu vergessen.
Auch wenige Schritte weiter, in der Trafik von Max Ranzinger, ist die Stimmung gedrückt. „3300 Kunden sind uns seit der Sperre verloren gegangen. Jeden Tag kommen im Schnitt 100 Personen weniger in unsere Trafik“, rechnet Mitarbeiterin Marion Rebernig vor. Scharf bremst ein schwarzer Geländewagen direkt vor dem Geschäft. Auch der Fahrer ist von den Baustellen genervt. „Die spinnen ja“, sagt er und greift sich mit einer unverkennbaren Geste an den Kopf, um seinen Unmut zu verdeutlichen. 

Marion Rebernig mit Kundschaft in der Ranzinger-Trafik
Marion Rebernig mit Kundschaft in der Ranzinger-Trafik Foto © Daniela Grössing
Was, wenn jetzt auch noch der Bau von Hervis, dieser soll bekanntlich ab Herbst eine neue Filiale an der Umfahrungsstraße eröffnen, anfängt. Wie sieht es dann mit dem Verkehr aus? Das fragen sich nicht nur Mario Ouschan und Christian Slamanig vom IT-Geschäft „PC Doc OG“ gleich neben der Trafik. „Wir sind glücklicherweise nicht zur Gänze von der Laufkundschaft abhängig, aber wir spüren den Rückgang auch deutlich“, sagt Ouschan.
Christian Slamanig und Mario Ouschan im „PC Doc OG“
Christian Slamanig und Mario Ouschan im „PC Doc OG“ Foto © Daniela Grössing

Politisches Hickhack

Mittlerweile ist das Ganze zu einem Politikum geworden. Dringlichkeitsanträge brachten ÖVP und FPÖ ein. Der Wunsch nach einer Umfahrung über das Grundstück von Robert Tonitz, der direkt an der Baustelle sein Autohaus betreibt, wird immer lauter. Die Unternehmer wollen nicht mehr bis zur Öffnung der Straße, was wahrscheinlich im Oktober passieren wird, warten. Am 23. Juli wird darüber im kurzfristig einberufenen Gemeinderat diskutiert. „Ich habe natürlich Verständnis für die Unternehmer, aber ich bitte auch um Verständnis, dass es bei Bauvorhaben in dieser Größenordnung zu Behinderungen kommt. Die Wohnungen am Postplatz sind wichtig für unsere Stadt“, sagt der Völkermarkter Bürgermeister Valentin Blaschitz (SPÖ). Er möchte bis August abwarten und dann die Umfahrung erneut besprechen.

Robert Tonitz ist verärgert über die Einbußen
Robert Tonitz ist verärgert über die Einbußen Foto © Daniela Grössing

Wirtschaftskammer übt Kritik

Kritisiert wird auch die fehlende Information. „Wir sind viel zu kurz vor der Sperre informiert worden, die Unternehmer nur durch die Wirtschaftskammer. Auch über die Arbeiten in der Volkerstraße wussten wir nichts“, sagt Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Reinhold Janesch. Blaschitz dazu: „Wir haben die Bauarbeiten extra für den Sommer genehmigt, weil in den Schulferien weniger Verkehr ist. Die Häuser bekommen dadurch einen Fernwärme-Anschluss.“

Kommentare (1)

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eko
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Herzlichen Dank an den Herrn

(im Navi-Status stehenden ) Bürgermeister

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