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Villacher züchten Bienen am Balkon„Stadthonig ist nicht ungesund“

Immer mehr Menschen produzieren ihren Honig selbst. Rudolf Köchl vom Bienenzuchtverein Villach über moderne Stadtimkerei.

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Rudolf Köchl (ganz links) bei der Ausbildung seiner Jungimkergruppe im letzten Jahr
Rudolf Köchl (ganz links) bei der Ausbildung seiner Jungimkergruppe im letzten Jahr © privat/ kk
 

Früher war ein eigenes Grundstück Voraussetzung fürs Imkern, heute halten immer mehr Menschen ihre Bienen am Balkon. Eine gute Sache?
Rudolf Köchl: Grundsätzlich ja. Laut Bienenwirtschaftsgesetz muss aber ein bestimmter Abstand zum Nachbarn eingehalten werden. Das ist je nach Grundstück anders. Wenn Kinder in der Nähe spielen, muss ich meine Bienen im Griff haben. Ich sollte außerdem sichergehen, dass kein Allergiker in meiner Nähe wohnt. Jeder, der bei uns versichert ist, zahlt einen Versicherungsbeitrag und ist gegen Stichverletzungen abgesichert. Ich habe selbst zehn Bienenstöcke auf meinem Grundstück.

Warum ist die Teilnahme an einem Imkerkurs so wichtig?
Das Imkern ist eine komplexe Sache. Es dauert seine Zeit, bis man die Stimmung im Bienenstock richtig einschätzen kann. Prinzipiell ist die bei uns eingesetzte Carnica-Biene sanftmütig. Eine aggressive Königin gibt ihre Pheromone aber an die anderen Bienen im Stock weiter und muss getauscht werden.

So sieht der Gesundheitscheck im Bienenstock aus.
So sieht der Gesundheitscheck im Bienenstock aus. Foto © Markus Traussnig

Ich imkere seit sechs Jahren, und bin trotzdem permanent in Kontakt mit einem erfahrenen Züchter. Unregistrierte Imker sind seitens des Verbandes nicht erwünscht. Anfänger entdecken die Symptome von Bienenkrankheiten wie der Varoa-Milbe oft nicht rechtzeitig und stecken dadurch benachbarte Völker an. Das wird man nicht mehr los.

Wie gehen Sie gegen Parasiten vor?
Sobald der Flugbetrieb startet, wird eine Futterkranzprobe entnommen und ins Labor entsandt. Bis zum Mai setzen wir keine chemischen Mittel ein. Nach der Honigernte am 15. Juli behandeln wir die Bienen dann aber mit Ameisensäure, um das Fresswerkzeug der Milben zu verätzen. Wir testen außerdem auf die hoch ansteckende Faulbrut. Bei einem positiven Ergebnis müssen die Völker sofort vernichtet werden. Vor vier Jahren waren viele Bienenhalter in Villach betroffen.

Ist Landhonig gesünder als Stadthonig?
Nein. Im Stadthonig sind keine Rückstände von Abgasen zu finden. Die Bienen konsumieren Nektar aus frischen Blüten, die unbelastet sind. Die besten Plätze finden sich am Friedhof, wo viele Blumen wachsen.

Wie unterscheidet sich selbst gemachter Honig von jenen in den Supermärkten?
Honig, der in den Supermärkten erhältlich ist, ist oft mit Zucker gestreckt. Chinesischer Honig besteht bis zu 60 Prozent aus Maisstärke. Unser Honig ist teurer als diverse Billigprodukte, dafür handelt es sich aber um ein reines Naturprodukt, das auch nach zehn Jahren Lagerung noch nicht verdorben ist.

Fressen die Honigbienen den Wildbienen das Futter weg?
Nein, bei uns ist ausreichend Nahrung vorhanden.

Greenpeace startete vor Kurzem die Bienenschutz-Kampagne „Rettet die Menschen“. Ist es wirklich so ernst um uns bestellt?
Durchaus. Ohne Bienen gibt es keine Bestäubung. Die Biene ist das einzige blütentreue Insekt auf der Erde.

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