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Letzte Rätsel in KärntenEndlich gibt es eine Spur zum Atlantis im Berg

Im Villacher Hausberg Dobratsch soll sich eine sagenumwobene Tropfsteinhöhle befinden. Ihre Entdeckung scheint nun zumindest möglich.

Ein echter Sensationsfund. Die neu entdeckte Tropfsteinhöhle ist die zweitgrößte im Dobratsch © Martin Friedl
 

Vielleicht hat es mit der ganzjährig frischen Umgebungstemperatur ihres Hobbys zu tun: Höhlenforscher sind eher coole Typen, die sich nur selten zu Gefühlsausbrüchen hinreißen lassen – in engen Gängen kann man eben keine Purzelbäume schlagen. Umso schwerer wiegt es, wenn in Fachkreisen dann doch einmal von einem echten Sensationsfund die Rede ist. Und genau so einen haben jetzt die Kärntner Höhlenforscher Martin Friedl und Günter Faul im Dobratsch gemacht.

Das Duo entdeckte eine 450 Meter lange Tropfsteinhöhle. Sie könnte – und das ist die zweite Sensation – Teil eines noch viel größeren unterirdischen Systems sein, nach dem seit Jahrzehnten gesucht wird. Die Rede ist von der sagenumwobenen Bamberger Höhle, die als Atlantis der Kärntner Höhlenforschung gilt. Denn ihr Entdecker Oskar Hossé hat das Wissen um den Zugang zu dieser Wunderwelt 1954 mit ins Grab genommen.

Dobratsch: Einblicke in die neue Tropfsteinhöhle

KK/Friedl
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Harald Krainer, Obmann des Vereins „Historisches Warmbad“, hat sich für seine Publikationen intensiv mit dem 1882 geborenen Hossé befasst und sagt: „Der hauptberufliche Eisenbahner war ein Pionier der heimischen Höhlenforschung, jedoch gleichzeitig auch ein sehr streitbarer Mensch.“ 1922 rief Hossé in Villach den ersten Kärntner Höhlenforscherverein ins Leben, dem er aber nicht lange angehörte. Auseinandersetzung mit anderen Mitgliedern rund um die Erschließung der Dobratsch-Naturschächte als Schauhöhle gipfelten in den 1930er-Jahren im Ausschluss des Gründers.

Anschließend widmete sich Hossé vor allem der weiteren Erforschung des Eggerlochs in Warmbad, der bis heute größten bekannten Höhle im Dobratsch-Massiv. Dabei geriet er mit den Grundbesitzern in Streit. „Hossé erhob Besitzansprüche auf die von ihm entdeckten neuen Höhlenteile. Es kam deshalb zu mehreren Gerichtsverhandlungen, die der Forscher am Ende alle verlor“, weiß Krainer.

Oskar Hossé (geboren 1882, verstorben 1954) gilt als Pionier der heimischen Höhlenforschung Foto © Stadtmuseum Villach

1943 tauchten dann die ersten Berichte über die Bamberger Höhle auf. Hossé hatte sie in Anlehnung an die Stadtgeschichte so genannt – Villach war ja lange Eigentum des Bistums Bamberg gewesen. 1,7 Kilometer sei die Grotte lang und voller wunderschöner Tropfsteine, schrieb der Forscher in diversen Artikeln. Zu Gesicht bekamen die Höhle jedoch nur Hossé selbst und sein Mitarbeiter Alois Unterkircher. Wegen der verwehrten Eigentumsrechte am Eggerloch gaben beide die Lage des Eingangs bis zu ihrem Tod nicht preis.

Ist dieses Rätsel mit der nun gefundenen Höhle gelöst? „Noch nicht. Aber es könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein“, sind sich Krainer und das Entdecker-Duo Friedl/Faul sicher. „Vieles deutet darauf hin, dass die Höhle eine Fortsetzung hat. Dafür müssen wir allerdings graben“, sagen die Forscher. Das ist im schwer zugänglichen Untergrund keine leichte Übung. Im Gegenteil. „Wir könnten in ein paar Wochen fündig werden, in ein paar Jahren oder nie.“

Jährlich werden in Kärnten bis zu 20 neue Höhlen entdeckt. „Sie sind alle eher klein. Der aktuelle Fund stellt einen Sonderfall dar“, schwärmt Andreas Langer, Leiter der Fachgruppe für Karst- und Höhlenkunde im Naturwissenschaftlichen Verein für Kärnten. Er freut sich über die neue Aufmerksamkeit für die interdisziplinäre Wissenschaft. „Wir arbeiten ja immer im wahrsten Sinn des Wortes im Dunkeln.“

Das Grab von Oskar Hossé am Friedhof St. Martin Foto © Helmuth Weichselbraun

Über die Szene hinaus ist nun auch Oskar Hossé wieder ein Begriff, dessen Grab am Friedhof Villach/St. Martin mangels Nachkommen vom Verein „Historisches Warmbad“ gepflegt wird. Den Grabstein mit der Nachbildung einer Tropfsteinformation aus dem Eggerloch ziert ein Satz, der ihm wohl gut gefallen hätte: „Tropfsteine waren seine Freude.“

Tiefgründig

Oskar Hossé und die Höhlen der Gegend sind auch Thema in Harald Krainers Buch „Warmbad Villach – Ein naturkundlich-historischer Führer“, das im vergangenen Jahr im Verlag des Kärntner Landesarchivs erschienen ist. Der Autor hat dafür jahrelang recherchiert.

Die Geschichte des von Hossé gegründeten „Vereins für Höhlenkunde“ und die Erschließung der Naturschächte als erste Schauhöhle in Kärnten beleuchtet Krainer in einem Beitrag für das heurige Jahrbuch des Stadtmuseums „Neues aus Alt-Villach“. Es ist um 14 Euro im Stadtmuseum (Widmanngasse 38) erhältlich.

Die Dobratsch-Naturschächte werden im Sachbuch-Bestseller "Verfallen & vergessen - Lost Places in der Alpen-Adria-Region" von Georg Lux und Helmuth Weichselbraun beschrieben (2017 im Styria-Verlag erschienen).

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