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Kärntner des TagesHeinz Müller: Hüter der erotischen Lieder

Heinz Müller (70) aus Bad Bleiberg zeichnete mehr als 100 nur mündlich überlieferte Lieder auf – auch erotische.

Sänger und Sammler: Heinz Müller singt beim MGV Morgensonne Kreuth
Sänger und Sammler: Heinz Müller singt beim MGV Morgensonne Kreuth © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Druckreifer als Annelies Wernitznig, die Obfrau des Kärntner Bildungswerkes im Bezirk Hermagor, kann man es nicht formulieren: „Die erotischen Lieder, die in den Gasthäusern des Bleiberger Tales gesungen worden sind, fallen in ihrer Einzigartigkeit auf und muten in ihrer Deftigkeit sehr ursprünglich an.“ Und damit diese ebenso heiteren wie heißen Weisen nicht in Vergessenheit geraten, wurde ihnen vom Bildungswerk mit dem MGV Morgensonne Kreuth nun eine Publikation gewidmet. Das Buch und die CD „Ållerhånd – Lieder aus dem Bleiberger Hochtal“ werden am Samstag präsentiert.

Basis der Publikation ist die umfangreiche Sammlung von Heinz Müller. Der heute 70-Jährige aus dem Ortsteil Kreuth zeichnet seit 1980 Lieder auf, die in Bleiberg bis dahin nur mündlich überliefert wurden. „Mehr als 100 sind im Lauf der Zeit zusammengekommen“, zieht der Versicherungsvermittler stolz Bilanz. Natürlich ist Müller selbst Sänger beim MGV Morgensonne Kreuth. Der Chor feiert mit der heutigen „Ållerhånd“-Vorstellung gleichzeitig sein 105-Jahr-Jubiläum.

Auf den musikalischen Geschmack kam Müller als Jugendlicher zuerst durch den Kirchenchor und dann durch die sogenannten Gasthaussänger, die sich nach der Sonntagsmesse trafen. „Von ihnen habe ich viele Lieder gelernt, mit Freude und Inbrunst. Bis wir dann – unserer Meinung nach jedes Mal viel zu früh – nach Hause zum Mittagessen gerufen wurden.“ Singen war damals noch ein Gemeinschaftserlebnis, erinnert sich Müller mit Wehmut. „Heute gibt es diese strikte Trennung: die Sänger aktiv auf der Bühne, das Publikum passiv im Zuschauerraum.“

Die Begeisterung für sein Hobby versucht der laut Eigendefinition „leidenschaftliche Opa“ auch an seine sechs Enkel weiterzugeben. „Das gefällt ihnen noch mehr, seit ich einen Jodelkurs besucht habe.“ Die erotischen Lieder aus seiner Sammlung kommen da natürlich nicht zur Sprache. „Als streng katholisch Erzogener habe ich um diese zweideutigen Sachen ganz lange einen großen Bogen gemacht“, gesteht Müller. Das änderte sich erst, als der Bleiberger mit seinen Aufzeichnungen begann. Mittlerweile scheint er sogar selbst gerne zwischen den Zeilen zu formulieren. So hofft Müller im Vorwort des Buches, dass die erotischen Lieder „mit Freude und Nutzen“ Verwendung finden.

Buch und CD

Beiträge von Historiker Peter Wiesflecker ergänzen die Liedersammlung aus der früheren Bergbauregion. Die dazugehörige CD hat der MGV Morgensonne Kreuth unter der Leitung von Christoph Glantschnig aufgenommen.

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