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St. Jakob im RosentalNeue Ausstellung behandelt dunkles Kapitel "Vermessungsamt"

Die neue Ausstellung „Vermessungsamt“ in St. Jakob thematisiert die „rassenkundliche“ Vermessung der Bevölkerung um 1938.

Die Ausstellung im Kino ist ab 28. September zu sehen
Die Ausstellung im Kino ist ab 28. September zu sehen © Schwinger
 

Im Zuge der Recherchen für sein Projekt „Im besten Einvernehmen“ (2014) über Antisemitismus und NS-Judenpolitik im Bezirk Villach ist der Villacher Historiker Werner Koroschitz auf die „rassenkundliche“ Vermessungen im Jahr 1938 in St. Jakob im Rosental gestoßen. „Nach ersten Nachforschungen sah es so aus, als würde es darüber gar kein Material geben“, erinnert sich Koroschitz. Bis man am Departement für Anthropologie an der Uni Wien dann doch fündig wurde. Ein Fund, der nicht nur großes Befremden auslöste, sondern auch eine mittlere Sensation darstellte. „Bis zu diesem Zeitpunkt war keine derart umfassende anthropologische Vermessungsaktion in Kärnten bekannt gewesen“, sagt Koroschitz, wundert sich aber nicht, dass man gerade St. Jakob zum „rassenkundlichen“ Studienobjekt auserkoren hat.

„Die ortsansässigen Nationalsozialisten waren ja hier bereits in den 1920er-Jahren in Erscheinung getreten.“ Mit der Aufgabe betraut wurde der Anthropologe Karl Tuppa, die Vermessungen wurden in Schulen oder umliegenden Gasthäusern durchgeführt, etwa in den Gasthöfen Matschnig (Rosenbach), Moser (Maria Elend) oder Primik in Mühlbach. Die ORF-Redakteurin und Mitarbeiterin beim St. Jakober Kulturverein „Roz“, Ajda Sticker, hat dazu mit Zeitzeugen gesprochen.

KK/Privat
Diese Tafel war in der Schule ausgehängt © KK/Privat

„Ja, ich erinnere mich, ich war selbst dabei. Im Gasthof, als sie uns vermessen haben. Nasen, Ohren, Augen, Füße, den ganzen Körper. Sie haben die ganze Familie vermessen“, erzählt etwa Franz Rassinger, der 1925 geboren wurde und Maria Jobst, damals 13 Jahre alt, erinnert sich: „Das weiß ich genau, dass sie beim Presan draußen einen Sessel hatten und meine Zöpfe gemessen haben.“

KK
Die Ausstellung zeigt etwa ein Porträt der jungen Josefine Gröblacher mitsamt ihres Messbogens © KK

Rund 3200 Menschen wurden in St. Jakob vermessen, denen dann ein „hoher nordischer Anteil“ attestiert wurde. „Der Grund dafür war, zu beweisen, dass hier einst urgermanischer Boden war“, sagt Koroschitz, der über dieses „rassenkundliche“ Projekt die Ausstellung „Vermessungsamt“ gestaltet hat. „Damit will ich diese Geschichte wieder in die Gemeinde zurückführen.“

Die Ausstellung

Vermessung. Im Sommer 1938 wurden rund 3200 Gemeindebürger in der Gemeinde St. Jakob im Rosental „rassenkundlich“ untersucht.
Ausstellung. Die Ausstellung „Vermessungsamt“ wird im Kino Janach in St. Jakob gezeigt. Die Eröffnung ist am Freitag, 28. September, 19 Uhr, im Kulturhaus/ Kulturni dom
Infos. www.roz.si

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