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VillachDie Rolle der Draustadt im März 1938

Beim „Anschluss“ vor 80 Jahren herrschte in Villach Jubelstimmung. Auf der Stadtpfarrkirche wurde die Hakenkreuz-Fahne gehisst.

Beim Anschluss wurde in Villach am damaligen „Adolf Hitler-Platz“ gefeiert © KK/Privat
 

Gut besucht war die Stadtführung „Villach zwischen Krieg und Frieden“ von Austria-Guide Gerlinde Klammer-Minichberger am vergangenen Mittwochnachmittag. Insgesamt 22 Interessierte, sowohl Einheimische als auch Urlauber und Kurgäste, waren gekommen, um mehr über die Zeitgeschichte der Stadt zu erfahren. Das Datum war nicht zufällig gewählt, schließlich war der 12. März vor achtzig Jahren jener Tag gewesen, an dem Österreich von der politischen Landkarte verschwand.

„Die ersten Entwicklungen waren aber bereits viel früher spürbar“, erklärte Klammer-Minichberger und zeigte auf den Dobratsch. Bereits im Jahr 1920 habe der Villacher Alpenverein den so genannten „Arierparagraphen“ eingeführt und bald darauf allen Juden den Eintritt ins Gipfelhaus am Dobratsch untersagt. Seit 2011 erinnert eine kleine Gedenktafel am Alpenvereinshaus an jenes düstere Kapitel. Vor dem Rathaus schilderte Klammer-Minichberger jenen Moment im März 1938, als die Hakenkreuz-Fahne auf der Stadtpfarrkirche gehisst wurde und sich dutzende Menschen als illegale Nazis entpuppten. Die Märztage 1938 in Villach waren geprägt von Aufmärschen, Kundgebungen und Fackelumzügen. Während von den Straßen Jubel ertönte, rollte bereits die erste Verhaftungswelle an, und es kam zu Entlassungen aus dem Dienst und zu Berufsverboten. Von einem Tag auf den anderen verloren zwei jüdische Rechtsanwälte ihre Arbeit.

Traurige Schicksale

Erschüttert zeigten sich die Teilnehmer der Stadtführung von den traurigen Schicksalen jener Villacher, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Etwa Anton Falle, Landesparteiobmann der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Kärntens, der ins KZ Dachau verschleppt wurde, wo er 1945 nach monatelangem Martyrium zugrunde ging. Eisenbahnerfrau Maria Peskoller, die aufgrund ihrer Widerstandstätigkeit in Graz hingerichtet wurde. Josefine Kofler, die von der Gestapo ins KZ Ravensbrück deportiert wurde, weil sie russische Zwangsarbeiter mit Essen versorgt hatte. Jüdin Maria Gornik, die wegen angeblichen Hörens von ausländischen Feindsendern in Auschwitz ermordet wurde. Sie alle sind auf dem Denkmal der Namen in der Widmanngasse gegenüber dem Stadtmuseum verewigt.

Zum Abschluss las Klammer-Minichberger aus einem Gedicht von Guido Zernatto vor: „Dieser Wind der fremden Kontinente/ Hat den Atem einer andern Zeit. /Andre Menschen, einer andern Welt geboren, Mag’s erfrischen. Ich bin hier verloren Wie ein Waldtier, das in Winternächten schreit.“ Der in Treffen geborene Schriftsteller floh nach dem Anschluss mit seiner Frau nach Amerika. Er starb dort an „gebrochenem Herzen“.

Kommentare (3)

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GustavSchatzmayr
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Arisierungen

Es wäre auch gut zu wissen, welche Betriebe und Häuser in Villach "arisiert" wurden. Ein Denkmal im Zentrum Villachs mit den Objekten und den Namen der ehemaligen Eigentümer sowie der jetzigen Eigentümer wäre höchst sinnvoll und informativ.

Die Stadt Villach sollte diesen Teil ihrer Geschichte nochmals genau aufarbeiten und die Ergebnisse allen Villachern zukommen lassen.

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GordonKelz
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WANN ......

...hat dann der ALPENVEREIN den Arier-
paragraphen von 1920 wieder offiziell gelöscht ? Denn ein Gedenktaferl allein kann 's ja nicht sein ?!
Oder gilt es noch immer , wie der Friedhofszwang von 1934 für Asche ??!
( Ausstreuen nur auf einem Friedhof ) !!
Das hat man auch belassen ,und verdient damit von Verstorbenen und Hinterbliebenen Millionen !!
Gordon Kelz

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GustavSchatzmayr
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...

natürlich sind unrechtmäßig erworbene Güter zurückzugeben, auch von den Enkeln und Urenkeln der Räuber! Erwerb oder Erbschaft vom Nichteigentümer geht gar nicht.

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