AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Interview

"Am Anfang wurden wir angefeindet"

Der Verein „Erinnern-Villach“ unter Obmann Hans Haider (73) erhält den diesjährigen Villacher Kulturpreis. Im Interview spricht er über Erinnerungskultur und den Rechtsruck in Europa.

Hans Haider im Gespräch © Schwinger
 

Im Normalfall wird der Villacher Kulturpreis an Einzelpersonen aus dem Kulturbereich vergeben. Heuer bekommt ihn der Verein „Erinnern-Villach“ mit Ihnen als Obmann. Wie war Ihre erste Reaktion darauf?
HANS HAIDER: Ich freue mich natürlich sehr darüber und es kam für mich auch unerwartet. Das ist eine schöne Anerkennung unsere Arbeit durch die politischen Repräsentanten der Stadt. Zudem ist der Preis mit etwas Geld verbunden, das ist für uns auch wichtig, das können wir dringend brauchen.

In Villach hat man sich in den vergangenen Jahren immer wieder auch mit den dunklen Seiten der Vergangenheit auseinandergesetzt. Wie beurteilen Sie den Umgang mit der Erinnerungskultur in Villach?

HAIDER: Villach ist diesbezüglich vorbildhaft. In dieser Form wird es in ganz Österreich kaum zu finden sein. Die Stadt steht voll hinter unserer Arbeit, stellt auch die Infrastruktur zur Verfügung und mischt sich in keinster Weise in inhaltliche Angelegenheiten ein. Die Zusammenarbeit funktioniert bestens.

Sie haben den Verein gegründet, weil Sie die Erinnerungskultur in Kärnten nicht vertragen hätten, wie Sie einmal sagten. Was genau meinen Sie damit?
HAIDER: In Kärnten gab es ja nur den Kärntner Heimatdienst und das Gedenken am Ulrichsberg. Da wollte ich einen Gegenpol schaffen, um der Erinnerungskultur eine andere Richtung zu geben. Denn ein Land wird stark davon geprägt, wie man mit seiner Vergangenheit umgeht. Gerade am Anfang wurden wir ja auch sehr stark angefeindet, weil man diesen kritischen Blick zurück nicht haben wollte.

Verein Erinnern

1996. Offizielle Vereinsgründung unter Obmann Hans Haider. Ab 1990 gab es aber schon die Initiativgruppe.
Kulturpreis. Verleihung ist am
29. September. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.
Infos. www.erinnern-villach.at

Das von Ihnen initiierte ,Denkmal der Namen' wurde insgesamt 14 Mal zerstört. Hat sich die Situation mittlerweile beruhigt?
HAIDER: Die Polizei hat die Täter erwischt und es hat sich herausgestellt, dass es keine, wie immer behauptet wurde, ,besoffene G'schicht' war. Es waren Jugendliche aus dem rechten Eck. Sie haben den Schaden beglichen und ich habe auf eine Anzeige verzichtet, weil die Burschen so jung waren. Seitdem ist Ruhe und ich hoffe, es bleibt so. Der beste Schutz für das Denkmal ist die Aufklärung. Je mehr Leute darüber Bescheid wissen, desto besser ist es auch geschützt.

Macht Ihnen der Rechtsruck, der in ganz Europa zu beobachten ist, Kopfzerbrechen?
HAIDER: Ich halte es schon für bedenklich. Man kann so viele ähnliche Strukturen wie in der NS-Zeit entdecken. Wenn sich jemand ,Partei des Volkes‘ nennt, frage ich mich immer, wer ist das Volk? Wer gehört dazu und wer nicht. Und was geschieht mit jenen, die nicht dazu gehören? Das alles hatten wir schon einmal.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.