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Primus

Extreme Opportunisten

Herve Reiser und Andreas Schwab mischen von Villach aus an den internationalen Börsenplätzen mit, investieren aber auch daheim.

© KLZ/Weichselbraun
 

Die Fassade des Holiday Inn blitzt im Sonnenlicht, reflektiert die Strahlen in das Büro der Absolute Trading. Nein, dass sie einmal die (Mit-)Eigentümer des Hotels sein würden, wussten sie beim Beziehen der Räume nicht, lachen Herve Reiser und Andreas Schwab. "Dann wären wir Propheten." Und eigentlich seien sie das Gegenteil. Aber dazu später mehr.

Reiser und Schwab sind das, was man Investoren nennt. Investiert wird in Aktien, zum größten Teil am deutschen Markt, in den letzten Jahren verstärkt auch in den USA. Aber auch in Immobilien. Ein Haus in der Villacher Widmanngasse, zwei am Hauptplatz und jetzt eben das Hotel gleich neben ihrem Büro gehören mittlerweile zu ihrem Portfolio. "Wir suchen Möglichkeiten zum Investment. Das kann kurzfristig sein, aber auch langfristig", sagt Schwab.

Langfristig, das sei das Geschäft mit den Immobilien. Die kurzfristigen Deals, jene mit Aktien, haben sie in Frankfurt gelernt. Dort waren sie Investment-Analysten und arbeiteten mit dem Geld anderer Leute, seit 2007 leben sie in Villach – und machen eigene Geschäfte auf eigenes Risiko. "Im Schnitt behalten wir unsere Aktien einen bis drei Tage. Wir sind dabei extrem opportunistisch", sagt Reiser. Sekunden-Trades gäbe es allerdings nicht, die klassische Buy&Hold-Strategie verfolgen sie aber auch nur selten. "Zuletzt bei der deutschen Telekom", erzählt Schwab und hängt ein "Aber" an: "Aber wenn man sich die langfristigen Kursentwicklungen anschaut, ist mit Buy&Hold kein Geld zu verdienen, da könnten wir das Geld gleich auf ein Sparbuch legen."

Stattdessen setzen sie auf fundierte Analysen, Risikomanagement und ihre Reaktionsgeschwindigkeit. "Wir kennen seit 15 Jahren jeden Quartalsbericht der DAX-Unternehmen, da baut man ein Know-how auf, weiß, wie die Aktie auf Neuigkeiten reagieren wird", sagt Reiser. Um diesen Wissensvorsprung in Geld umzusetzen, hat man sich am Klagenfurter Computer-Linguistik-Unternehmen Econob beteiligt. "Die liefern uns eine Blackbox, die wir nach unseren Vorgaben parametrisieren", erklärt Reiser. Der Effekt: Während andere Firmen die Quartalsberichte noch lesen, filtern die Computer von Reiser und Schwab bereits die Schlüsselwörter aus den Berichten und lösen – abhängig von den Zahlen und Prognosen – Trades aus. "Wenn es nur um ein, zwei Prozent Kurssprung geht, sind solche Vorsprünge einfach wichtig. Die Software ist unser verlängerter Arm", sagt Schwab.

In den letzten drei Monaten haben sie das Börse-Geschäft aber ohnehin ruhen lassen. "Wir suchen permanent und systematisch nach Immobilien zum Investieren." Als sich durch den Konkurs der Errichtergesellschaft des Holiday Inn eine Gelegenheit bot, hat man alle anderen Geschäfte zurückgestellt. "Wir haben uns intensiv mit dem Projekt beschäftigt. Je mehr man weiß, umso eher kann man das Risiko einschätzen. Vermutlich konnten wir deshalb auch einen besseren Preis anbieten als die Mitbewerber", sagen die beiden, die sich gemeinsam mit Roderik van Kessenich und Peter Schicho das Hotel gekauft haben. Ein Vorteil war es aber auch, dass "die Konkurrenz in Villach nicht so groß ist, wie etwa in Wien". Einen Teil des Neun-Millionen-Euro-Kaufpreises haben sie fremdfinanziert, "weil Geld derzeit nichts kostet und auch aus steuerlichen Gründen. Sollte sich die Zinslage aber eines Tages verändern, könnten wir das sehr schnell wieder umstellen", sagt Schwab. Bleibt eigentlich nur eine Frage über: Wie reich sind die beiden Investoren eigentlich? Während Schwab verhalten lächelt, stellt Reiser die Gegenfrage: "Was bedeutet reich? Wenn es darum geht, dass man trotz einer 70-Stunden-Woche noch Lebensqualität hat, sich die Kinder und die Ehefrauen wohlfühlen, ja, dann sind wir reich."

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