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Sommergespräch aus St. VeitWray: "Ich bin hier so entspannt, bin glücklicher"

US-Starautor John Wray über seine Umwege zum gefragten Schriftsteller, seine Heimat Friesach und über seinen „Spiderman-Anzug“, der beim Schreiben hilft.

John Wray genießt gerne die Ruhe des Familienanwesens in Friesach © Köstinger
 

Wir sitzen im Garten des Hauses Ihrer Familie in Friesach. Prägt die Geschichte der Stadt Ihre Bücher?
John Wray: Ja, aber nicht jedes Buch. Meinen Debütroman „Die rechte Hand des Schlafes“ schon, denn meine Familiengeschichte ist sehr interessant. Ich habe Vorfahren, die Opern gesungen haben, andere waren einfache Kärntner Bauern.

Ein Ort der Entspannung?
Ich bin hier so entspannt, bin glücklicher, weil ich weniger Verantwortung habe. Dieses Haus ist seit acht Generationen in Familienbesitz, hält auch so die Familie zusammen.

Wie intensiv recherchieren Sie? Für eines Ihrer Bücher paddelten Sie den Mississippi entlang.
Für „Canaan’s Tongue“, es geht um Sklavenhandel. Ich habe dafür mit vielen Menschen geredet, die Sprache des Buches ist ganz anders, die der einfachen Menschen. Leider wurde es nie ins Deutsche übersetzt.
Für Ihren Roman „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ bekamen Sie viel Lob. In den USA wählte man Sie unter die 20 besten Jungautoren.
Das mit dem Jungautor finde ich in meinem Alter komisch, Aber ich kam eben eher später zum Schreiben.

Im Gespräch mit Redakteurin Michaela Auer Foto © Köstinger

Schreiben als Liebe auf den zweiten Blick?
Ich habe mich nicht entscheiden können. Ich habe alles probiert. Ich wollte Maler, Musiker, Biologe werden. Ich wollte nur nie Ingenieur werden. Aber das Schreiben gehörte immer zu den Sachen, die ich gerne gemacht habe. Ich war ein ziemlich zerstreuter junger Mann.
Ich wollte sogar Ornithologe werden. Aber als ich da Genetik studiert habe, so viel Mathematik! Mein Schädel hat sich richtig erhitzt dabei.

Ihr Weg zum Schriftsteller entspricht also gängigen Klischees.
Da gibt es ja noch andere Klischees von Leuten, die schon mit sechs Jahren geschrieben haben. Ich bin noch immer unruhig und neugierig. Deshalb habe ich mich beim letzten Buch mit Physik beschäftigt.

Das passt aber nicht zur Mathematik-Abneigung!
Aber es war gut für die Fiktion. Und ich habe versucht, mich zu bilden. Ich habe „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawkins gelesen. Und kaum habe ich etwas begriffen, habe ich schnell geschrieben.

Wie fühlen Sie sich in ein Thema, in die handelnden Personen ein?
Zum Beispiel beim U-Bahn Fahren. Den ersten Teil von „Low-boy“ hab ich in der U-Bahn geschrieben. Für den Autor sollte es auch ein Abenteuer geben.

BACHMANN-PREIS 2017: WRAY / MOLINARI / SCHMALZ / PESCHKA / NICKEL
John Wray mit dem Deutschlandfunk-Preis (links) Foto © APA/GERT EGGENBERGER

Ihr nächstes Buch?
Es handelt von zwei Teenagern, die nach Afghanistan auswandern – in den Monaten um den Terroranschlag vom 11. September 2001. Durch die globalen Ereignisse kommen sie in Schwierigkeiten.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Für mich ist es oft eine Qual, ein Buch zu schreiben, es dauert so lange. In dieser Phase kommen aber Gedanken, worüber ich gerne noch schreiben würde.

Sie schreiben unter einem Pseudonym. Warum?
Ich glaube, es hat keinen besonderen Grund. Irgendwie ist es aber auch, als zöge man sich einen Anzug an, in dem man dann Dinge kann, die man sonst nicht kann. Ja, ich ziehe meinen „Spiderman“-Anzug an. Tatsächlich, man wird dann abenteuerlustiger und so.

Warum Wray?
Die Frau, die King Kong im Film hochhebt, hieß Fay Wray, der Erfinder des Zeichentrickfilms hieß Wray und auch ein bekannter Rockgitarrist. Vielleicht war es aber auch für meine Oma, falls mein erster Roman schlecht geworden wäre.

Sie kommen immer wieder gerne aus den USA nach Österreich. Zwei Welten?
Jetzt, bereits drei. Meine Freundin wohnt in Mexico City. Das ist schon bald etwas zu viel des Guten.

Beim Bachmannpreis 2017 holte sich Wray den Deutschlandfunk-Preis Foto © elisabeth peutz

Sie schreiben auf Englisch. Wird das so bleiben?
Nicht unbedingt. Ich musste für den Bachmann Preis im Vorjahr einen deutschen Text schreiben. Es hat länger gedauert, aber Deutsch war meine erste Sprache als Baby, das ist neurologisch irgendwie drin, das habe ich beim Schreiben gemerkt. Es war erstaunlich für mich.

Zur Person

John Wray. John Henderson, geb. 1971, lebt in Brooklyn und Friesach. Mutter aus Friesach, Vater Amerikaner.

Bücher, Preise. „Die rechte Hand des Schlafes“, „Lowboy“, „Canaan’s Tongue“, „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“. Unter anderem Deutschlandfunkpreis (beim Bachmannpreis 2017).

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