Sommergespräch aus St. VeitMarkus Lakounigg: "Thema HCB endlich abschließen"

Markus Lakounigg (42), Amtsleiter von Eberstein und ab 2020 Bürgermeister der Bezirksstadt Völkermarkt, über Vorteile von Kleingemeinden, den Abschied von Vereinen und die HCB-Bewältigung.

Lakounigg vor dem Wahrzeichen seiner jetzigen Arbeitsstätte, dem „Eberstein“. 2020 wird er als Bürgermeister in das Völkermarkter Rathaus übersiedeln © Gert Köstinger
 

Herr Amtsleiter, ab dem Jahr 2020 wird man Sie mit Herr Bürgermeister ansprechen.
MARKUS LAKOUNIGG: Ja. Jetzt ist das noch sehr ungewohnt. Aber irgendwie gefällt es mir.

Wie ist es zur Entscheidung gekommen, dass Sie 2020 die Nachfolge von Valentin Blaschitz in Völkermarkt antreten?
Bei der Wahl 2015 wurde mit der Auslotung begonnen, wer als Nachfolger in Frage kommen würde. Dafür wurde sogar eine Telefonumfrage gemacht. Auch die Vorzugsstimmen haben eine Rolle gespielt. Ich bekam damals zwar kein Direktmandat, hatte aber nach Blaschitz die meisten Vorzugsstimmen.

Wie empfinden Sie den Rückhalt in Ihrer Partei, der SPÖ?
Der ist Gott sei Dank gegeben. Wir arbeiten als Team zusammen. Als Einzelperson ist es eine übermenschliche Aufgabe, in die Fußstapfen von Valentin Blaschitz zu treten.

Hintergrund

Wechsel. Valentin Blaschitz (SPÖ) wird 2020 das Amt des Bürgermeisters in Völkermarkt zurücklegen. Es muss keine Neuwahl erfolgen, der Gemeinderat bestimmt den Nachfolger. Lakounigg wurde heuer als Nachfolger präsentiert. Die SPÖ hat die absolute Mehrheit. Die Nächste reguläre Wahl ist 2021.


Sie werden 2020 vom Gemeinderat gewählt, nicht vom Volk.
Ja, das Gesetz sieht diese Möglichkeit vor.

Als Bürgermeister von Völkermarkt müssen Sie aber den Job als Amtsleiter aufgeben.
Ja, das ist richtig. Aber bis 2020 bin ich noch Amtsleiter von Eberstein.

Völkermarkt hat rund 11.000 Einwohner, Eberstein rund 1300. Sind so kleine Gemeinden noch zeitgemäß? Könnte man nicht über einen Zusammenschluss, zum Beispiel über eine Gemeinde Görtschitztal diskutieren?
Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Das sieht man am Beispiel der Großgemeinde Völkermarkt. Von der Verwaltung her funktioniert das sehr gut, das ist kein Problem. Von dem her wäre es machbar. Aber der persönliche Kontakt in einer kleinen Kommune ist viel intensiver als in einer Großgemeinde. Dort ist es viel komplizierter. Aber, ja, machbar wäre prinzipiell alles. Obwohl die Nachteile auf der Seite der Bürger liegen würde.

Mit einer gewissen Außensicht, Sie pendeln ja aus Völkermarkt nach Eberstein ein, wie sehr hat das Görtschitztal noch mit dem HCB-Skandal zu kämpfen?
Das Tal hat großes Potenzial. HCB war problematisch, hat die Menschen verunsichert. Aber dieses Thema ist vom Umweltfaktor her abgehakt. Es gibt die Messstationen und dementsprechende Ergebnisse. Das Tal muss in die Zukunft schauen. Man kann mit einem gewaltigem Angebot an Kulturlandschaft aufwarten. Und mit einem breiten Freizeitangebot. Prinzipiell ist das Tal auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass man das Thema HCB endlich abschließt.

Wie würden Sie Völkermarkt in ein paar Worten beschreiben?
Völkermarkt ist eine wunderschöne Stadt mit unendlich vielen Möglichkeiten für Freizeit und Beruf. Wir haben sportlich so viel zu bieten – vom Rudern über Tennis bis zum Fußball. Aber auch im Kulturbereich gibt es ein enormes Angebot. Und überall wird sehr gute Vereinsarbeit geleistet.

Zur Person

Name: Markus Lakounigg
Alter: 42
Wohnort: Völkermarkt
Beruf: Beamter, seit 13 Jahren Amtsleiter in Eberstein. Diese Aufgabe muss er aufgeben, wenn er als Bürgermeister angelobt wird.
Familie: verheiratet
Hobbys: Musik, Sport und auch lesen


Was ist die größte Stärke der Stadtgemeinde?
Völkermarkt verbindet die Möglichkeiten einer Stadt mit den Annehmlichkeiten des Landlebens. Ich wohne selbst in der Stadt, in fünf Minuten erreiche ich zu Fuß den Hauptplatz. Aber wenn ich in die andere Richtung gehe, dann habe ich zum Beispiel uneingeschränkte Natur zum Wandern. Und es gibt die Nähe zu den Seen.

Die größte Schwäche?
Wir haben keinen Beherbergungsbetrieb in der Stadt. Das ist das größte Manko.

Wortspenden

Kaffee oder Tee... beides
Käse oder Torte... Torte
Stärke... Ausgeglichenheit
Schwäche... Süßigkeiten
Bürgermeister sein heißt... Verantwortung zu tragen
Absolute Mehrheit... guter Gedanke
In der Früh... den Tag glücklich und mit Freude beginnen
Facebook... positive Begleiterscheinung
Sozialdemokratie... gute Basis
Lieblingsessen... Lasagne


Ihre Vision für die Gemeinde?
Mit der Errichtung des Einkaufszentrums beim Kreisverkehr haben wir einen Aufschwung im Handel und bei der Kaufkraft. Darauf müssen wir aufbauen, versuchen, weitere Betriebe anzusiedeln.

Und die Innenstadt damit weiter schwächen?
Man sieht zum Beispiel an Betrieben wie Kellerer, Hartlauer oder Winkler, dass man am Hauptplatz sehr wohl mit Qualitität und mit Kundenorientierung bestehen kann. Ich glaube nicht, dass die Innenstadt durch Ansiedlungen an der Peripherie zum Sterben verurteilt ist.

Der künftige Völkermarkter Bürgermeister im Gespräch mit Redakteur Christian Wetternig Foto © Gert Köstinger


Was macht die Politik von Valentin Blaschitz aus?
Die Menschen müssen nicht Kontakt zu ihm suchen, er sucht ihn von sich aus. Er behandelt alle Bürger gleich.

Welcher Bürgermeister werden Sie sein?
Schön wäre, wenn ich an die Art und Weise von Blaschitz anschließen könnte.

Beherrschen Sie die slowenische Sprache?
Nein, tue ich leider nicht.

Es gibt noch immer Spannungen im Zusammenleben der Volksgruppen. Wie sollen diese ausgeräumt werden?
In Völkermarkt gibt es zum Glück keine Spannungen zwischen den Volksgruppen. Prinzipiell ist für mich jede Sprache Bereicherung, Chance, wir leben in einer globalisierten Welt.

Wer ist der Privatmensch Markus Lakounigg?
Am besten abschalten kann ich in der Natur, wenn ich mit meiner Frau und unserem Hund wandern gehe. Im Urlaub schalte ich übrigens mein Handy wirklich aus. Meine Frau und ich versuchen die freie Zeit, die uns bleibt, gut zu nutzen.

Sie sind ein Vereinsmensch: Lindenhofer Bauernkapelle, Faschingsgilde Völkermarkt, Ebersteiner Kirchtagsmusi . . .
Bei der Bauernkapelle habe ich die Leitung bereits an meinen Stellvertreter übergeben, bei der Gilde bin ich nicht mehr. Und bei der Kirchtagsmusi ist heuer mein letztes aktives Jahr. Ich musste zurückschrauben.

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