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DiexAnna Klatzer: „A bissl a Gaude muss ma mochen“

Anna Klatzer aus Diex feierte vor wenigen Tagen ihren 100. Geburtstag. Ihre Familie bei sich zuhause zu haben, ist für sie das größte Glück – und das Schnapsen mit der Urenkelin.

Die gemeinsamen Augenblicke mit ihrer Urenkelin sind für Anna das größte Glück © Weichselbraun
 

"I hob di gern so viel als i vermag, bei finsterer Nacht grad so als wie bei Tag … “, ertönt es vor der Eingangstüre des Bauernhofes Klatzer vulgo Russ in Diex. Angestimmt hat das bekannte Kärntnerlied Anna Klatzer, um ihrer Familie eine Freude zu machen. Es ist ein besonderer Moment, denn die Altbäuerin feierte vor wenigen Tagen ihren 100. Geburtstag.

Die Sonne scheint und man spürt die vertraute Zuneigung, als Anna ihrer Urenkelin Tanja Geschichten von früher erzählt. Zwischen den beiden Damen liegen 89 Jahre Altersunterschied, die aber am Hof, wo vier Generationen unter einem Dach leben, kaum zu spüren sind. Gemeinsam besorgt man die Landwirtschaft, geht im Wald spazieren oder versammelt sich am großen Tisch in der Küche. Gespannt verfolgt die ganze Familie dann das „Schnapsen“ zwischen Tanja und ihrer Uroma. „Schmeiß aufe die Pik“, klopft Annas Sohn Ferdinand, der heuer 79 wird, ihr gut gemeint auf die Schulter.

 

Die elfjährige Tanja hilft am Hof schon tatkräftig mit Foto © Weichselbraun

Die Familie ist die Kraftquelle der 100-Jährigen, die ihr Leben der Landwirtschaft, der Musik und dem Glauben gewidmet hat. Geboren in Hochfeistritz, hat sie 1937 mit 19 Jahren nach Diex geheiratet. Aufmerksam hört die versammelte Runde zu, als Anna lebhaft von dem schweren Abschied aus Hochfeistritz erzählt. Als begabte Sängerin im Kirchenchor wollte sie der Pfarrer um keinen Preis ziehen lassen, sogar nach Wien hätte sie für Gesangsengagements gehen können, doch ihr Herz zog sie auf den Russ-Hof nach Diex.

"Zeiten haben sich geändert"

Gegenüber der Altbäuerin sitzen ihre Urenkel Markus (20) und Alexander (18), die sich eine Heirat in ihrem Alter wohl schwer vorstellen können. „Da sieht man wie die Zeiten sich ändern“, sagt Alexander, der als LFS-Absolvent wohl den Hof später übernehmen wird. Derzeit führen ihn Annas Enkel Georg (52) und seine Frau Sonja (45). „Allerdings sind wir Nebenerwerbsbauern, mein Mann ist im Hauptberuf Schlosser, ich Kindergartenpädagogin. Ohne generationenübergreifende Mithilfe würden wir den Hof nicht schaukeln können“, erzählt Sonja. Auf die Frage, ob auch die elfjährige Tanja schon mithilft, wirft Annas Schwiegertochter Edeltraud (75) ein kräftiges „Aber wie! Sie ist eine der bravsten am Hof!“ ein.

Vier Generationen Frauenpower sind in Diex am Werk Foto © Weichselbraun

Während die anderen Generationen erzählen, hört die 100-jährige Anna zu und kommentiert das ein oder andere mit pointierten Sprüchen, gefolgt von einem breiten Lachen. „A bissl a Gaude muss ma mochen, a nit?“, sagt sie zu ihrer Familie. Viele Leute wollen von ihr wissen, wie man 100 Jahre alt wird. „Brav sein und fest essen“, meint die rüstige Altbäuerin kurz, mit dem Beisatz: „Und jeden Tag a Achterl Rot, wos denn nocha, a nit!“

Mithilfe bei der Arbeit am Hof

Am Hof ist die ganze Familie unheimlich stolz auf ihr Oberhaupt und so vergehen oft lange und lustige Nachmittage gemeinsam. Aber auch bei der Arbeit packt die 100-Jährige noch mit an. „Im letzten Sommer kam sie plötzlich mit Gummistiefel und Rechen auf den Hang hinter dem Haus und half beim Heumachen“, erzählt Sonja.

Besonders stolz ist Anna auch auf „ihre“ Männer am Foto © Weichselbraun

Über die Jahrzehnte war immer auch der Glaube ein zentraler Punkt in Annas Leben. Bis heute geht sie jeden Sonntag in die Kirche und betet zu Weihnachten der Großfamilie den Rosenkranz vor. Während ihr Enkel eine Brille braucht, liest sie ohne Sehhilfe ihre tägliche Zeitung.

„Glück ist, alle daheim zu haben“, sagt Anna zum Abschluss lächelnd. Einmal in der Woche wartet auch eine besondere Überraschung auf die Altbäuerin, denn da kommen ihre Ur-Ur-Enkel, die fünfte Generation also, zu Besuch. Der jüngste Spross der Familie kommt übrigens dieser Tage zur Welt. Zwischen ihm und Anna liegen dann 100 Jahre.

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