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Schloss Grades

Constantin Staus-Rausch enthüllt geheime Schätze

Der 27-jährige Kunsthistoriker revitalisiert Schloss Grades in der Gemeinde Metnitz. Sein Ziel ist, die mächtige Anlage wieder für die Bevölkerung zu öffnen.

Staus-Rausch möchte aus Schloss Grades ein Zentrum der kulturellen Begegnung machen © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Auch das ungeschulte Auge erkennt es nach wenigen Augenblicken: Die Malerei, die unter dem entfernten Verputz zutage trat, zeigt ein Gesicht mit Federkrone. "Das könnte eine Allegorie für den Kontinent Amerika sein", sagt Constantin Staus-Rausch voll Stolz. Für den 27-Jährigen war die Entdeckung der barocken Darstellung bislang einer der Höhepunkte bei der Sanierung von Schloss Grades in Metnitz. Die Revitalisierung der Anlage ist für den Historiker und Kunsthistoriker ein spannendes Unterfangen: "Fast jeden Tag entdeckt man etwas Neues."

27-jähriger Schlossherr will Grades wieder herausputzen

Im August des Vorjahres kam die mächtige Anlage in den Besitz der Familie. "Ich komme aus dem Kulturgüterschutz und habe eine neue Aufgabe gesucht. Ich wollte für ein Kulturgut Verantwortung übernehmen", sagt der gebürtige Wiener. Warum die Wahl auf Grades gefallen ist? Hier habe einfach alles zusammengepasst: die Umgebung, die Menschen und natürlich der gute Zustand des Schlosses. Nur in seiner Familie musste er ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Staus-Rausch hat sich zum Ziel gesetzt, das Schloss wieder für die Bevölkerung zu öffnen. Führungen bietet er bereits an. Das historische Gemäuer soll ein Zentrum der kulturellen Begegnung werden. Auf dem Weg in die ehemals gotische Kapelle, erzählt Staus-Rausch vom Leben im Schloss mit seinen rund 2500 Quadratmetern Wohnfläche. Heizung gibt es noch keine. Ein Kachelofen wärmt die vier Zimmer, die er derzeit bewohnt. So werde die Kälte in den dicken Mauern erträglicher.

Kapelle saniert

Die barockisierte Kapelle erstrahlt in neuem Glanz. Die hellgelbe Wandfarbe im sechs Meter hohen Raum ist einem zarten Hellgrau gewichen. Die Leuchtkörper, die links und rechts angebracht sind, setzen den weißen Stuck gekonnt in Szene. Imposant sind auch die beiden Engel, die rund eineinhalb Meter groß sind. Anstelle des verschollenen Altarbildes ziert ein gotischer Christus die Wand. "Er war früher an einem Gartentor angebracht", sagt Staus-Rausch. Der Christus kam wie die anderen Einrichtungsgegenstände mit dem neuen Eigentümer ins Haus. Das Mobiliar ist entweder zugekauft oder aus Familienbesitz. Letzteres trifft auf das Gemälde im ehemaligen Speisezimmer zu, das eine Gräfin Waldstein zeigt. In ihren Armen soll der berühmt berüchtigte Giacomo Casanova gestorben sein, weiß der 27-Jährige zu berichten. Von der gräflichen Schönheit wandert der Blick zum Deckengemälde. "Josef Ferdinand Fromiller hat es gemalt. Es zeigt das Gastmahl der Esther", sagt Staus-Rausch. Die Zeit hat ihre Spuren auf der Ölmalerei hinterlassen. Durch den Kerzenruß ist das einst farbenprächtige Bild düster geworden.

 

Serie Aufgeschlossen: Zu Besuch in Schloss Grades

Im August des Vorjahres kam Schloss Grades in den Besitz der Familie Staus-Rausch.

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Constantin Staus-Rausch (27) revitalisiert das Schloss und will es wieder für die Bevölkerung zugänglich machen.

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So sah die barockisierte Kapelle vor der Sanierung aus...

Privat

... und so danach

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Blick auf den Dachboden

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Das Deckengemälde stammt von Josef Ferdinand Fromiller.

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Diese freigelegte Malerei könnte eine Allegorie für den Kontinent Amerika sein.

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Die ehemalige Rauchküche

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Schloss Grades wurde als Festung konzipiert und im 17. Jahrhundert zum Barockschloss ausgebaut.

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Steinmetzzeichen

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Mehrere Farbschichten wurden freigelegt.

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Und während es in das ehemalige fürstbischöfliche Schlafzimmer von Jakob Maximilian Thun Hohenstein geht, drängt sich eine Frage förmlich auf. Was hat es mit den Schildern mit Zahlen an den Türstöcken auf sich? Ganz klar, diese Plaketten sind weder der Gotik noch dem Barock zuzuordnen. "Von den 1950er-Jahren bis 1993 veranstaltete die katholische Kirche hier während der Sommermonate Jugendlager. In den Räumen waren die Kinder untergebracht", sagt Staus-Rausch. Der zielstrebige junge Mann freut sich, dass die ehemaligen Schützlinge heute mit ihren Familien nach Grades zu Besuch kommen. Um die 40 waren es in diesem Jahr. Auch im nächsten Jahr soll es ein Treffen geben. Nach einem Abstecher auf den Dachboden, wo drehbare Schießscharten das Interesse der Besucher auf sich ziehen, geht es in die Rauchküche im Erdgeschoss. Sie war bis in die 1980er-Jahre in Betrieb und soll wieder instand gesetzt werden.

DenkMal

Schloss Grades liegt auf einem Felskegel oberhalb der Metnitz. Mit dem Bau der Anlage wurde im 12. Jahrhundert begonnen. Erweiterungen wurden bis ins 14. Jahrhundert vorgenommen. Die Anlage war ursprünglich eine Festung. Intakte Verteidigungsstrukturen mit Zinnen und Schießscharten geben noch heute Zeugnis davon. Der Ausbau zum Barockschloss erfolgte ab Mitte des 17. Jahrhunderts. Grades war Sitz der bischöflichen Verwaltung im oberen Metnitztal und Gerichtsstandort. Mit der Errichtung von Schloss Pöckstein Ende des 18. Jahrhunderts verlor es an Bedeutung. Nach dem Verkauf durch die Diözese in den 1990er-Jahren stand das Schloss leer. 2015 ging es in das Eigentum der S. R. Monument- und Denkmalerhaltungs-GmbH über.

Zwischen Mischmaschine und Zementsäcken bekräftigt der Schlossherr: "Hierher zu gehen, war die beste Entscheidung überhaupt." Mit Spannung blickt er in die Zukunft, die bestimmt noch viele Entdeckungen mit sich bringt. Vielleicht bestätigt sich ja die Theorie mit der Erdteilallegorie und es kommen noch weitere zum Vorschein.

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