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LienzBahnhofbau "frisst" Schrebergärten

Sieben Lienzer Schrebergärten werden dem Erdboden gleich gemacht. Dort entsteht das Mobilitätszentrum der ÖBB. Wehmut ist dabei. Stadt Lienz hilft mit Ersatzflächen aus.

Ein Augenschein vor Ort mit Herbert und Martha Gütl, Reinhold Wurzer, Ferdinand Göritzer, Horst Spitzer, Helmut Kollreider und Karl Gruber. Diese Fläche wird im Frühjahr der Brücke weichen © Nicole Kari
 

Besonderes Flair und bezaubernde Idylle. Und das obwohl einige Meter weiter der Stadtlärm tobt. Diesen Eindruck nimmt man mit, besucht man die Lienzer Schrebergärten des Verbands der ÖBB Landwirtschaft, die hinter dem Bahnhof direkt am Drauufer angesiedelt sind. Mit Leidenschaft pflegen die Vereinsmitglieder, viele davon seit über 30 Jahren, ihre rund 100 Quadratmeter großen Gärten.
Sieben Schrebergärtner müssen nun bis Jahresende den Platz räumen. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) machen vom Widerruf Gebrauch: Das Nutzungsrecht für die Gärtner erlischt, ohne jegliche Rechte. Dort, wo jetzt noch ihre Holzhäuschen stehen, werden im kommenden Frühjahr die Baumaschinen anfahren. Der ÖBB-Grund wird für die Errichtung des Mobilitätszentrums mit Park & Ride Flächen benötigt. Ein Jahrhundertprojekt der Bundesbahnen, in das 29 Millionen fließen. Die besagten Gartenflächen werden für den Bau einer Brücke über die Drau und einer Sickergrube für Oberflächenwasser gebraucht.

Die Hütten von Ferdinand Göritzer werden abgetragen und auf der Ersatzfläche aufgestellt. Es bleibt offen, ob sie dem standhalten werden Foto © Nicole Kari

Die ÖBB-Pläne, die zu Jahresbeginn vorgelegt wurden, hätten die Gärtner noch massiver getroffen. Im März wurde davon gesprochen, alle 17 Gärten dem Erdboden gleich zu machen. „Es hätten mehr Gartenflächen aufgelassen werden sollen, als für den Bau eigentlich gebraucht werden. Vor eineinhalb Monaten haben die Bundesbahnen eingelenkt. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik hat sich für die Gärtner eingesetzt“, schildert Horst Spitzer, Außenstellenleiter des Verbands.
„Wo die Flächen nicht benötigt werden, können selbstverständlich die Gärten erhalten bleiben“, heißt es seitens der ÖBB. Für die Vereinsmitglieder, die bis zum Jahresende das Feld räumen müssen, stellt die Stadt Lienz Grund zur Verfügung. Die Umwidmung läuft. „Die Schrebergärten machen eine gute Atmosphäre und gehören einfach zu Lienz. Deswegen werden wir auf stadteigenem Grund zehn neue Gärten schaffen und die Infrastruktur beistellen. Das Areal ist beliebig erweiterbar, sonnig und zentral gelegen“, sagt Blanik.

Auch für die Überstellung der Hütten will die Stadt Sorge tragen. „Am 30. Oktober gibt es einen Lokalaugenschein mit den Bauhof-Arbeitern. Dann wird alles Weitere besprochen“, schildert Obmann Helmut Kollreider. „Nicht alle unsere Häuschen werden den Transport überstehen“, befürchten die Schrebergärtner, aber „wir sind zuversichtlich, es ist ein neuer Anfang“. Wehmut schwingt mit. Viele haben seit über 30 Jahren ihren Garten gehegt und gepflegt.
„Die Stille und das Rauschen des Wassers werden uns fehlen“, sagen Martha und Herbert Gütl. Nicht alles kann man mitnehmen, wie die Gedenkstätte an Pekinesenhündin Gina.

Pflanzen und Hütten sind ersetzbar. Nicht aber dieser Gedenkplatz für Hundedame Gina Foto © Nicole Kari

„Unsere Kinder haben mit einer Feier mit Lagerfeuer von hier Abschied genommen“, erzählt Herbert Göritzer. Die letzten Pflanzen werden ausgegraben und verschenkt. Aber Karl Gruber kann nochmals aufatmen: „Der Einsatz der Stadt hat mein Gartenparadies nochmals gerettet.“

 

Verband der ÖBB-Landwirtschaft

Organisation. Der Verband zählt 14.000 Mitglieder in Österreich. Insgesamt werden 20.000 Flächen mit insgesamt sieben Millionen Quadratmetern verwaltet. 20 Prozent des Grunds werden von Bauern bewirtschaftet, 80 Prozent dienen als Haus- oder Schrebergärten. 90 Prozent der Schrebergärten werden als prekaristische Flächen geführt. Das bedeutet, es gibt keinen Rechtsanspruch und keine Ablöse. Für solche Flächen wird keine Pacht eingehoben, sondern ein Mitgliedsbeitrag, der an den Verband geht.

 

Auf den Ersatzflächen im Osten der Stadt entstehen neue Gärten Foto © Nicole Kari

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