MatreiTauernbach: Tamarisken werden vermisst

Umweltschützer stemmen sich gegen geplantes Tiwag-Kraftwerk. Jetzt stießen sie auf Unstimmigkeiten: In Tiwag-Dokument ist kein Tamariskenbestand festgestellt.

Laut Wolfgang Retter steht im Tiwag-Dokument, dass am Tauernbach südlich dieser Pumpstation keine Tamarisken mehr festgestellt werden konnten © Ruggenthaler
 

Dass der Tauernbach als Zubringer der Isel in das Natura 2000-Netzwerk zum Schutz der Deutschen Tamariske muss, ist für Umweltschutzorganisationen eine logische Sache. Das Land nominierte dieses Gewässer aber nicht. Isel sowie Teile des Kalserbaches und der Schwarzach finden sich im Ausweisungsvorschlag. Dass der Tauernbach ausgespart wurde, geht dem Umweltdachverband (UWD), dem Österreichischen Alpenverein und der Verein zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol mit Obmann Wolfgang Retter gegen den Strich.
Im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das geplante Ausleitungskraftwerk haben die Umweltschützer im Frühjahr 2017 Einwände erhoben. Für sie ist der Lebensraumtyp „Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica (Deutsche Ufertamariske) durch das Projekt bedroht. „Die TIWAG möchte dieses Kraftwerk auf Biegen und Brechen durchbringen. Offenbar kommt es da gerade recht, dass der Tauernbach bislang nicht in das Natura 2000-Netzwerk miteinbezogen wurde – was allerdings aufgrund der Tamariskenvorkommen an diesem Fließgewässerabschnitt unabdingbar ist“, sagt Franz Maier, Präsident des UWD. Für die UVP, die noch läuft, veranlasste die Tiwag, dass das Vorkommen der Deutschen Tamariske am Tauernbach erhoben wird.
Bei der Durchsicht von Verfahrensdokumenten staunten die Umweltschützer nicht schlecht. Im Dokument der TIWAG „Ergänzende Auskunft zu Tamariskenvorkommen“ vom 20. November 2017, welches der UVP-Behörde vorgelegt wurde, finde sich – trotz gegenteiliger Anmerkung an anderer Stelle – die Angabe, dass südlich der Pumpstation Gruben auf beiden Schotterbänken ab Mitte September keine Ufertamarisken mehr festgestellt werden konnten. „Diese Aussagen sind für uns nicht nachvollziehbar, da wir sehr wohl Tamarisken geortet haben. Auch nach den Hochwasserereignissen des Sommers 2017 war noch eine Vielzahl an Tamarisken im Bereich Landschütz vorhanden“, sagt Retter. Liliana Dagostin, Leiterin der Raumplanung des Alpenvereins,, irritiert, dass der Tauernbach gar nicht als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen wurde. Sie verweist auf den Bericht der Landesregierung zur fachlichen Beurteilung möglicher weiterer Gebietsmeldungen im Zuge der Natura 2000-Nachnominierung. Darin werde festgehalten, dass der Lebensraum „Isel und Zubringer Schwarzach, Tauernbach und Kalserbach hervorragend repräsentativ“ und „übernational bedeutend“ sei. Für die Umweltschutzorganisationen kommt ein Kraftwerk am Tauernbach nicht in Frage, weil es mit den Richtlinien zum Schutz der Tamariske unvereinbar sei.

Nach den Hochwasserereignissen des Sommers 2017 war noch eine Vielzahl an Tamarisken vorhanden.

Wolfgang Retter

Sie fordern die UVP-Behörde auf, die Angaben der Tamariskenvorkommen genau nachzuprüfen. Und die Landesregierung wird aufgefordert, auch den Tauernbach als Natura 2000-Gebiet auszuweisen. Kurt Kapeller, Leiter der Umweltabteilung des Landes, die UVP-Behörde ist, verspricht: „Wir werden das sorgfältig prüfen“.

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