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Matrei

"Ich habe mein Leben auf das Wesentliche reduziert"

Alois Mattersberger, ehemaliger Fernsehkoch aus Matrei, spricht über seine Zeit beim Fernsehen und über das Malen. Das hat sich vom Hobby zu seinem Brotberuf entwickelt.

Redakteurin Karina Hartweger traf Mattersberger in seinem Elternhaus in Matrei © Hartweger
 

Bekannt wurde der Matreier Alois Mattersberger durch seine charmante und peppige Art bei der ORF-Kochsendung „Frisch gekocht ist halb gewonnen“. Nach 800 Sendungen und fünf Kochbüchern entschied er sich dazu, sein Hobby Malen zum Beruf zu machen. Nun ist er als Künstler in Wien tätig und das Kochen wurde zu seinem Hobby.
Sie waren vier Jahre lang als Fernsehkoch tätig. Was wollten Sie ihren Zusehern mitgeben?
ALOIS MATTERSBERGER: Für mich war es wichtig, dass die Rezepte nachvollziehbar und verständlich sind. Außerdem müssen die Gerichte ohne großen Aufwand nachkochbar sein. Die Zuseher brauchen das Gefühl: Das kann ich auch. Es war schön zu sehen, dass auch Reaktionen von jungen Leuten kamen, die gemeinsam meine Gerichte nachkochten.

Im Jahr 2004 haben Sie sich dazu entschieden als Künstler Ihr Geld zu verdienen. Wie kam es dazu?
MATTERSBERGER: Ich bin vor meinem Vertrag für das fünfte Jahr der Kochsendung gesessen. Ich wollte die Sendung ein wenig verändern, sie peppiger machen. Aber die Show war so wie sie war erfolgreich und die Verantwortlichen wollten nichts daran ändern. Ich war dann nicht zu hundert Prozent überzeugt und es hat einfach nicht mehr gepasst. Außerdem war die Spannung weg. Gemalt habe ich aber schon etliche Jahre davor. Ich bin dann einfach in das kalte Wasser gesprungen und bin jetzt hauptberuflich als Künstler tätig.

Im Atelier arbeitet der Künstler am liebsten nachts Foto © KK/Privat


Aber Koch war Ihr Traumberuf?
MATTERSBERGER: Das kann man so sagen, ja. In meiner Jugend musste ich immer einen Monat im Sommer arbeiten. Und da gibt es ein Erlebnis, an das ich mich noch gut erinnern kann. Die Wirtsleute waren am Sonntag in der Kirche und ich hatte die Aufgabe die vier Schweinsbraten im Rohr permanent zu begießen und zu betreuen. Da war mir klar, dass ich Koch werden will. In der Küche ist es auch immer schön warm (lacht). Damals war auch der Stammtisch in der Küche und man hatte immer jemanden zum Reden. Außerdem ist es ein sinnlicher Beruf und hat auch Gemeinsamkeiten mit dem Malen.

Gerne denkt er an die Zeit als Fernsehkoch zurück Foto © Stuhlhofer/Wolf


Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie darin?
MATTERSBERGER: Beides sind handwerkliche und doch sehr kreative Berufe. Beim Kochen habe ich einen leeren Teller vor mir. Den muss ich farblich, geschmacklich und natürlich auch ansprechend für das Auge anrichten. So baue ich auch meine Bilder auf. Es gibt drei Komponenten und alles, was mehr ist, wirkt verwirrend und wird nicht mehr wahrgenommen. Beides ist Gott sei Dank sehr subjektiv. Aber es gibt auch einen großen Unterschied. Beim Malen sehe ich, wenn alles gut geht, am nächsten Tag ein fertiges Bild, beim Kochen schmutziges Geschirr (lacht).


Welche Reaktionen gab es, als öffentlich wurde, dass Sie nun als Künstler tätig sind?
MATTERSBERGER: Die ersten Jahre waren schon sehr schwer für mich, überhaupt wenn man, wie ich, stark als Koch in den Köpfen der Leute verankert ist. Kommentare wie: Jetzt malt der auch schon oder wie kann man so einen tollen Beruf an den Nagel hängen, musste ich mir des öfteren anhören. Mittlerweile werde ich eher gefragt: Was, du kochst noch?


Was, Sie kochen noch?
MATTERSBERGER: (lacht) Ja, ich biete Kochworkshops an. Das ist jetzt mein Ausgleich zum Malen und ist zu meinem Hobby geworden. Für meine Freunde koche ich auch noch gerne.


Wie hat sich Ihr Leben seitdem Sie Künstler sind, verändert?
MATTERSBERGER: Ich habe mein Leben auf das Wesentliche reduziert. Ich lebe zurückgezogen in meinem Atelier und male viel in der Nacht. Die Inspiration kommt nicht von außen, sondern ist von Emotionen gleitet. Versteckt sind auch soziale Themen und Themen des Lebens wie Trauer, Glück und Erotik.


Sind Sie noch oft in Ihrer Heimat Matrei?
MATTERSBERGER: Ich fahre alle Jahre drei bis vier Mal in die Heimat und lasse mich von meiner Mutter verwöhnen. Was zur Folge hat, dass ich dann wieder drei Kilogramm herunter trainieren muss (lacht). Osttirol hat einen hohen Stellenwert für mich und es interessiert mich auch, wie sich die Region entwickelt. Besonders im Tourismus. In Wien ist man jedenfalls begeistert von Osttirol.

WORTSPENDE

Lieblingsplatz. In der Heimat auf jeden Fall die St. Nikolaus Kirche. Die sehe ich, sobald ich die Augen öffne, vom Schlafzimmer aus.


Osttirol. Traumhaft. Sobald ich über den Felbertauern fahre, spüre ich ein Kribbeln im Bauch und die Vorfreude wird größer.


Glücksgefühl. Zu sehen, dass in einer Kanzlei über dem Chefsessel eines meiner Bilder hängt.

KARINA HARTWEGER

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