Gailtal

Zwölf Autoren erinnern an ausgelöschte Namen von Nazi-Opfern

Mit ihrem neuen Buch, das am Samstag, 26. September, vorgestellt wird, rufen zwölf Autoren rund um Herausgeber Bernhard Gitschtaler 200 Gailtaler Opfer des Nationalsozialismus wieder in Erinnerung.

Bernhard Gitschtaler sorgt mit seinem Team dafür, dass Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden © KK/Privat
 

Weil er in seinen Predigten politisch gegen die Nazis Stellung bezog, wurde der Vorderberger Pfarrer Otto Schuster 1939 verhaftet, in eine Strafanstalt gesteckt und ab 1942 im Konzentrationslager Dachau für medizinische Experimente missbraucht, bis er am 25. August 1942 nach langer Qual in der Gaskammer ermordet wurde.

An ihn erinnert zumindest an der Kirche in Vorderberg eine Tafel. Die Namen der meisten Opfer des Nationalsozialismus im und aus dem Gailtal sind aber in Vergessenheit geraten. „Dass es so leicht ist, Menschen zu verdrängen, hat mich bei den Recherchen berührt. Nach seinem Tod einfach so vergessen zu werden, das will wohl niemand“, sagt Bernhard Gitschtaler. Mit elf weiteren Autoren hat er 200 Biografien von Gailtaler Nazi-Opfern ausgeforscht und erzählt ihre Schicksale – wie jenes der Anna Kaschnig aus Thörl-Maglern, die im Alter von nur zwei Jahren am Wiener Spiegelgrund getötet wurde – in einem Buch samt Hintergründen.

Internationale Recherche

Geforscht wurde nicht nur in österreichischen Bibliotheken und Archiven der ehemaligen Konzentrationslager, sondern auch im Bundesarchiv in Berlin, sogar mit Archiven in Israel und London gab es Kontakt. „Obwohl wir uns nur auf das Gailtal beschränken, ist jede Opfergruppe vorhanden: Juden, Kärntner Slowenen, Homosexuelle, Geistliche, politisch Verfolgte, Widerstandskämpfer, Zeugen Jehovas. Die größte Gruppe sind aber Euthanasie-Opfer“, erklärt Gitschtaler. Er selbst hat etliche Familien auf der Suche nach verschwundenen Angehörigen begleitet und ihnen die oft abwertende Sprache in Berichten in kritischem Kontext erläutert: „Nicht alle Euthanasie-Opfer waren auch beeinträchtigt. Oft wurde jemandem eine Geisteskrankheit unterstellt, um ihn einfach loszuwerden.“

 

Es ist erstaunlich, wie viel Verständnis so manchen Tätern engegengebracht wird, für die Opfer bleibt kein Platz. Wer zugibt, dass es im Gailtal NS-Opfer gab, gesteht sich auch ein, dass es viele gab, die wegschauten oder mitmachten und vom NS-Regime profitierten. Die eigene Schuld und Täterschaft bzw. der Vorfahren zu thematisieren und Verantwortung einzufordern, ist bis heute kaum möglich. 

Aus dem Vorwort von Bernhard Gitschtaler

Auch eine neue Erkenntnis haben die Autoren gewonnen: „Es liegt nahe, dass auch nach dem Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 noch gemordet und unbequeme Menschen vor der Entnazifizierung noch schnell ,entsorgt’ wurden. Hier werden wir weiterforschen“, versichert Gitschtaler.

CAMILLA KLEINSASSER

AUSGELÖSCHTE NAMEN

Buch. „Ausgelöschte Namen – Die Opfer des Nationalsozialismus im und aus dem Gailtal“ ist im Otto-Müller-Verlag erschienen und im Buchhandel sowie bei „amazon“ erhältlich.

 

Präsentation. 26. September, 19.30 Uhr, „Alte Post“, Feistritz im Gailtal.

 

Herausgeber. Bernhard Gitschtaler ist Politikwissenschaftler, Obmann des Vereins Erinnern Gailtal, im Vorstand des Mauthausen Komitees, Autor, Mitarbeiter der Universität Klagenfurt und macht gerade seinen Master in Soziale Arbeit.

 

www.erinnern-gailtal.at

Kommentare (3)

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25c3hbfhdxmqyjguo9em9i5af57i866z
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🙈🙉🙊 ......in Kärnten immer noch sehr, sehr verbreitet!!

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g0m28ybgemayd6bup0pg3njrewcko0w1
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Nazi - Opfer

...gibt es eine zusätzliche geschlossene Veranstaltung für " anonyme " Ewiggestrige?
Hätte da Vorschläge, wem Sie eine Einladung schicken könnten....
Gordon Kelz

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25c3hbfhdxmqyjguo9em9i5af57i866z
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Warum werden Verfahren in Kärnten dauernd eingestellt, weiterdelegiert, schubladisiert, entsorgt ?????? Welche Seilschaften agieren? Wie ist sowas möglich??......

.und die LISTE ist lang.....lang....lang

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