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Neues Musiktheater

Hier macht der Hintergrund des "Jedermann" die Musik

Neue Töne nach leichtem Lachen der Komödienspiele: 20 Tonnen Schotter verwandeln das Spittaler Schloss Porcia in eine Musiktheaterbühne.

Komponist Lukas Kranzelbinder schaut dem Lautmaler Christian Reiner über die Schulter © kk/severin koller
 

Das wird nicht bloß für jene, die den Schlosshof Porcia kennen, eine Überraschung: 20 Tonnen Schotter werden zentral aufgeschüttet und zur Bühne. Die Zuschauertribüne der Komödienspiele wurde abgebaut, das Publikum schaut von den Arkaden im ersten Stock auf das Geschehen herab. Und dieses hat statt des gewohnten leichten Lachens neue Töne zu bieten.
Das Musiktheater „Der Jemann“ des Kärntner Musikers Lukas Kranzelbinder (27) und des steirischen Regisseurs Georg Schütky (28) ist wie Peter Handkes „Die schönen Tage von Aranjuez“ des Theaters Wolkenflug eine Hinterlassenschaft der „Transformale“. Die Veranstaltungsreihe wurde bekanntlich dem Sparkurs des Landes geopfert, die Kuratoren Ulli Sturm und Tomas Hoke verabschiedet. Jene Projektbetreiber, die bereits eine Subventionszusage hatten, sind nunmehr auch ihre eigenen Veranstalter.


Am Limit

„Wir arbeiten ziemlich am Limit“, sagt Lukas Kranzelbinder, schwärmt aber im selben Atemzug: „Der optische Bruch mit dem Ort ist wunderschön.“ Als Komponist stellte sich der in der österreichischen Jazzszene umtriebige Kontrabassist bereits beim Carinthischen Sommer 2012 vor, wo mit „Muchogusto“ seine surrealistische „Geschichte des größten Frauenhelden aller Zeiten“ uraufgeführt wurde.


Die Leinen locker


„Der Jemann“ nun lehnt sich vage an die Handlung von Hofmannsthals „Jedermann“ an und wird vom Stimmimprovisator Christian Reiner gespielt, auf den Kranzelbinder schon vorab ein Loblied singt: „Er ist ein absolutes Unikum im deutschsprachigen Raum mit seinen Lautmalereien. Aus seinen Improvisationen ergeben sich völlig neue Erzählstränge.“ Regisseur Georg Schütky, der schon im Frühstadium des „Jemann“ mit von der Partie war, lässt diese Handlungsleinen sehr locker, um Reiners Begabung viel Spielraum zu geben. „Die Jedermann-Geschichte ist ja bekannt, wir rühren eher den Hintergrund auf“, erklärt Kranzelbinder. Nachsatz: „Vom Performance-Charakter her ist das sicher ein Projekt, das man eher in einem Wiener Off-Theater erwartet.“

Zum Stück

Der Jemann. Musiktheater von Lukas Kranzelbinder (Musik) und Georg Schütky (Regie).
Vorstellungen: 17., 18. und 19. September, 20 Uhr, Innenhof Schloss Porcia in Spittal/Drau
Karten: Tel. (0 47 62) 42 0 20
karten@porcia.at


Neben den beiden jungen „Machern“ Kranzelbinder und Schütky bringt die Produktion auch einige Schwergewichte der europäischen Musiklandschaft erstmals gemeinsam auf die Bühne: etwa die neapolitanische Sängerin und Akkordeonistin Cristina Vetrone, eine Spezialistin für die Verbindung von freier Impro und italienischer Volksmusik; den französischen Gitarristen Julien Desprez, dessen hektisch-kompromissloses Programm „Acapulco“ zuletzt für Aufsehen sorgte; den Spitzen-Drummer Max Andrzejewski; den experimentierfreudigen österreichischen Trompeter Richard Koch. Alle für weitere Überraschungen gut!

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