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SpittalWegen Kanalbau: Suche nach Kriegsrelikten im Boden

Vor den Grabungen für die Neuverlegung der Kanal- und Wasserrohre nahe des Bahnhofs in Spittal wird der Boden mit Spezialgeräten untersucht.

Zerbombte Eisenbahnersiedlung in Spittal. Der Bahnhof war ein häufiges Ziel © KK/Stadtarchiv Spittal
 

"Spittal war durch die Eisenbahn ein Knotenpunkt und daher im Zweiten Weltkrieg stark von Bombardierung betroffen“, weiß Manfred Macek, der mit seinem Ingenieur- und Sachverständigenbüro derzeit mit Studenten im Spittaler Auenweg den Boden einer Kriegsfolgenrisikoforschung unterzieht. Durch den Einsatz von Bodenradartechnologie in Kombination mit geophysikalischen Verfahren soll das Risiko bei Grabungen für die neue Kanal- und Wasserverrohrung auf gefährliches Material zu stoßen, minimiert werden.

„Bevor hier gegraben wird, müssen wir auf Nummer sicher gehen“, begründet der zuständige Stadtrat Christoph Staudacher und betont: „Fürchten, braucht sich jetzt aber niemand. Sollte etwas Auffälliges gefunden werden, gibt es eine perfekt funktionierende Kette von der Polizei bis hin zum Entminungsdienst des Ministeriums.“ „Wir haben viel Erfahrung und begleiten das Ganze im Fall des Falles bis zum Einsatz des Entminungsdienstes“, sagt Macek, der ein Büro in Niederösterreich und eines in Osttirol hat.

Bombentrichter zugeschüttet

„Von Erzählungen meines Opas weiß ich, dass hier etliche Bombentrichter mit Bauschutt zugeschüttet wurden“, erzählt Landwirt Mathias Hopfgartner. Macek: „Wir arbeiten zur Voruntersuchung mit regionalen Archiven, die Dokumentationen über das Kriegsgeschehen vor Ort haben, zusammen. Wir können immer wieder auch neue Erkenntnisse einbringen.“

 

PROJEKT WASSER & KANAL

Die Kriegsfolgenrisikountersuchung erfolgt im Zuge der Sanierung des Kanal- und Wasserversorgungsnetzes in Spittal, in das in den kommenden Jahren 65 Millionen Euro investiert werden. Untersucht werden laut Bürgermeister Gerhard Pirih fürs Erste betroffene Trassen in Bahnhofsnähe.

Untersuchung mit Spezialgeräten

Für die zerstörungsfreie Untersuchung eingesetzt werden Spezialgeräte, etwa eine elektromagnetische Feldanomaliedetektion. Zwei Studenten schreiten festgelegte Zonen mit dem Gerät ab. „Der Untersuchungsraster beträgt 25 Zentimeter, um auch in größerer Tiefe, kleinere Objekte einzugrenzen. Das Gerät verwendet Langwellenfrequenzen, die Tiefenanalysen in bis zu zwölf Meter exakt zulassen. Jede Anomalie im Boden erzeugt eine Abweichung der Wellen und die können wir messen“, erklärt Macek. Erste Ergebnisse kann er binnen einer halben Stunde auf dem Laptop sehen und eine erste Einschätzung treffen. Die Daten werden dann im Büro und im Institut für Militärarchäologie und Kriegsfolgenforschung ausgewertet und grafisch dargestellt. „Das ist sehr aufwendig“, sagt Macek.

Weitere Altlasten werden sichtbar

Sichtbar werden nicht nur etwaige Kriegsrelikte, sondern auch Altlasten wie Sickergruben, unbekannte Baureste „oder historische Hinterlassenschaften. Wir machen auch auf Strom- oder Kanalleitungen aufmerksam, damit es im Zuge der Grabungen nicht zu Zerstörungen kommt. Die Auswertung bekommt die Stadt binnen einer Woche – so lange brauchen wir für eine Zone mit 150 Metern Länge und fünf Metern Breite – und kann damit künftig arbeiten“, so Macek.

 

LUFTANGRIFFE AUF SPITTAL

Die Stadt Spittal geriet vor allem ab 1944 wegen der verkehrsstrategisch wichtigen Lage an der Tauernbahn und für den Nachschub an die italienische Front unter Beschuss der Alliierten. „282 Fliegeralarme, 346 Luftwarnungen und 14 Luftangriffe mit Bombenabwürfen über der Stadt weisen Spittal als besonders luftgefährdet aus“, ist im Buch „Der Krieg aus der Luft“ von Siegfried Baer und Stefan Karner aus dem Spittaler Stadtarchiv nachzulesen.

Vom Angriff von 30 Bombern am 16. Oktober 1944 mit Schwerpunkt Bahnhof erzählte der damalige Luftschutzleiter, Josef Kabusch. Er spricht von 100 Bomben, Kaliber 250 bis 500 Kilogramm, Toten, Verletzten und einem tagelang unterbundenen Bahnverkehr. Die Gleise zu zerstören, gelang Tieffliegern mehrfach.

 

Spittal: Kriegsfolgenrisikoforschung

Manfred Macek erklärt Gerhard Pirih und Christoph Staudacher die Grafik am Laptop

Camilla Kleinsasser

Der Untersuchungsraster für die Studenten Albrecht Völkl und Sonja Rainer mit dem Gerät beträgt nur 25 Zentimeter

Camilla Kleinsasser

Spittal war aufgrund der verkehrsstrategisch wichtigen Lage häufiges Ziel von Bombardierungen. Hier das zerbombte Wöchnerinnen-Haus.

KK/Stadtarchiv Spittal

Bombenkrater nahe des Bahnhofs

KK/Stadtarchiv Spittal

Zerbombte Eisenbahnersiedlung in Spittal

KK/Stadtarchiv Spittal
KK/Stadtarchiv Spittal

Luftaufnahme von Spittal West und Auen im Zweiten Weltkrieg

KK/Stadtarchiv Spittal
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