KärntenRätsel um vermissten US-Piloten steht vor Aufklärung

Bei Hohenthurn könnten sterbliche Überreste eines US- Piloten gefunden worden sein, der seit 1944 als „im Einsatz vermisst“ gilt. Die Entdeckung sorgt international für Aufsehen.

Die Ausgrabungen fanden vergangenen Sommer in Hohenthurn statt
Die Ausgrabungen fanden vergangenen Sommer in Hohenthurn statt © Elena Ricci, KK
 

Bewahrheiten sich die Vermutungen, so wäre es eine Sensation: Im August des vergangenen Jahres haben Experten und Studierende aus New Orleans und Österreich in Hohenthurn Ausgrabungen durchgeführt. Gesucht wurden die Überreste von Lawrence Dickson. Der Soldat ist im Dezember 1944 bei einem Erkundungsflug im Alpen-Adria-Raum abgestürzt und gilt seitdem als „Missing in Action“, also im Einsatz vermisst.

Der Lienzer Hobbyhistoriker Roland Domanig und der Hohenthurner Hermann Kandutsch haben die Forscher damals an die potenzielle Absturzstelle der Maschine geführt. Nachdem die Forscher mehrere Tage lang das Gebiet mit Metalldetektoren abgesucht haben, zogen die US-Amerikaner vergangenes Jahr wieder ab – mit im Gepäck DNA-Spuren und Fragmente eines Flugzeugs.

Amerikaner im Gespräch

Archäologe Ryan Gray über das Projekt © Kleine Zeitung

Jetzt steht das Rätsel des verschollenen Piloten kurz vor der Lösung. Sogar die Washington Post titelt: „Nach 73 Jahren könnten die Überreste eines Piloten in Europa gefunden worden sein.” Die Ergebnisse der Untersuchungen stehen noch aus. Sollte der DNA-Test negativ ausfallen, werde laut Professor Harald Stadler vom Institut für Archäologie der Universität Innsbruck zwar weitergesucht, aber: „Aus meiner Sicht ist das eher unwahrscheinlich.“

Schmuckstück mit Initialen

Gleich mehrere Zeichen deuten darauf hin, dass Lawrence Dickson tatsächlich in Hohenthurn abgestürzt ist. Denn nicht nur DNA-Spuren und Flugzeug-Teile sollen im August gefunden worden sein. Man munkelt, dass auch ein Schmuckstück, in dem die Initialen Dicksons und seiner Frau eingraviert worden sind, bei den Ausgrabungen entdeckt wurde. Bestätigen will letztgenannte Information aber niemand. Sowohl Stadler als auch die anderen Beteiligen unterliegen der Schweigepflicht.

Wann die Freigabe der Testergebnisse und der weiteren Hintergrundinformationen erfolgt, kann Stadler noch nicht sagen. Aber sollte sich bestätigen, dass Lawrence Dicksons Überreste in Hohenthurn gefunden worden sind, würde es weite Kreise ziehen. Stadler: „Dann wird in den USA ein militärisches Begräbnis mit allen Ehren stattfinden.“

Vergangenen August führten Experten und ihre Studenten Ausgrabungen durch
Vergangenen August führten Experten und ihre Studenten Ausgrabungen durch Foto © Pacheiner

Dicksons Frau Phyllis Constance Maillard ist laut Washington Post im Alter von 96 Jahren verstorben. Doch Tochter Marla ist nach wie vor am Leben. Sie war noch ein Baby, als ihr Vater in den Krieg ziehen musste. „Ich habe immer nach Wegen gesucht, um ihm nahe zu sein“, wird die heute 75-Jährige in der Washington Post zitiert. Eine Leere quälte sie. Doch vielleicht hat sie nun bald die Gelegenheit, abzuschließen.

Wer war Lawrence Dickson?

Lawrence Dickson, geboren in North Carolina, war einer der „Tuskegee Airmen“. Er gehörte also der Gruppe Afroamerikanischer Militärpiloten an, die im Zweiten Weltkrieg einrückten. Zum Zeitpunkt des Absturzes war er 24 Jahre alt. 27 Tuskegee Airmen gelten bis heute als vermisst. Dickson wäre der erste, dessen Überreste man gefunden hat.

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Danke für Ihr Verständnis.

paulrandig
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Und plötzlich...

...wird man nach popcorngesättigtem Filmeschauen (über die Tuskeegee Airmen gibt es einige - gute und schlechtere - Filme) von der Realität eingeholt. Lawrence Fishburn sitzt betroffen über den Tod seines Kollegen im Studio-Cockpit, während rundherum die Special Effects-Luftschlacht tobt. Und dann steht man mitten im Wald und findet Knochen und Trümmer, die man angreifen kann und an denen Geschichte und Geschichten kondensieren.
Und? Sind wir heute, 73 Jahr später, klüger geworden? Haben wir irgendetwas daraus gelernt, das künftig verhindern wird, dass junge Menschen sich gegen Rassismus und alle möglichen Schwierigkeiten behaupten um dann in Kriegen getötet zu werden und einfach verschwinden?

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hermannsteinacher
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L. D. missed in action,

Ehre seinem Andenken.
R.I.P.

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