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Irschen

Spätantike Siedlung in Irschen entdeckt

Eine Lehrgrabung der Innsbrucker Universität förderte eine Höhensiedlung südlich der Drau zutage. Dietmar Simoner lieferte Initialzündung.

Ein Archäologenteam aus Innsbruck legte in einem Wald in Irschen Reste einer spätantiken Siedlung frei © stöflin
 

Ein völlig neuer, geschichtsträchtiger Boden ist in den vergangenen Wochen von einem Grabungsteam der Innsbrucker Universität im Oberen Drautal freigelegt worden: Am Burgbichl – südlich der Drau – in Irschen legten Grabungsleiter Gerald Grabherr und ein bis zu 16 Personen starkes Team frühchristliche Mauern frei. Archäologe Grabherr: „Es gab seit vielen Jahren Vermutungen über Reste von römischen Bauwerken in dieser Gegend.“

Freigelegt wurden nun in rund 770 Meter Seehöhe Teile einer 1,4 Meter breiten Umfassungsmauer einer Höhensiedlung, Mauern einer frühchristlichen Kirche im Gipfelbereich sowie Teile eines Wohnhauses. „Die Grabung ist ein voller Erfolg, Steine der Umgebungsmauer waren quasi an der Oberfläche, alles ist in – für Archäologen – gutem Erhaltungszustand. Daher wollen wir unbedingt weitergraben.“

Die Ausgrabungen könnten Aufschluss über den Verlauf der Römerstraße „Via Iulia Augusta“ geben Foto © stöflin

Innerhalb der Mauern wurden nur kleine Funde entdeckt: ein paar Scherben, verbrannter Lehm, aber auch ein großer Marmorblock in der Kirchenapsis.
Allerdings gab es 2012 in diesem Bereich Raubgrabungen. Es wird vermutet, dass damals einiges gefunden wurde.

Nicht lockergelassen

Einer, der an der Historie von Irschen „gegraben“ und eine Theorie verfolgte, ist Dietmar Simoner. Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich der Irschener damit, die Römerstraße „Via Iulia Augusta“ im Drautal zu finden. Er entdeckte dabei, dass Entfernungsangaben der Römerstraßen von Aquileia nach Veldidina (Wilten nahe Innsbruck) nicht passten. „Da stand für mich fest, dass die Römerstraße vom Gailbergsattel herab nicht nach Oberdrauburg, sondern über gut bewältigbares Gelände zum Drauübergang bei Potschling führte und sich im Raum Irschen ein Straßenknotenpunkt befunden haben muss.“ Der Ortsname Potschling leitet sich vom slawischen pocadlo ab, das Raststätte bedeutet und damit zum Straßenknoten passt.

Gerald Grabherr und Dietmar Simoner Foto © stöflin

Für Simoner sind die Grabungen und Funde der erste große Beweis seiner Straßentheorie: „Ich bin Grabherr und seinem Team ebenso dankbar wie der Familie Orsini-Rosenberg, welcher der Grund gehört.“ Grabherr stimmt dem Dank bei, sieht den aktuellen Stand etwas anders: „Es war eine gute Idee von Herrn Simoner. Jetzt geht es um den schlüssigen Nachweis, ob Siedlung und Straße zusammenpassen. Eine solche Höhensiedlung kann darauf hinweisen.“ Während man an Simoners Idee lange nicht glaubte, unterstützt jetzt die Gemeinde Irschen die Arbeiten. Die Grabungsteilnehmer werden versorgt, außerdem sind zwei in Irschen wohnende Asylwerber beigestellt worden.

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