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SpittalSarah Lagger: "Schön, dass mich so viele Leute anfeuern"

Sie kann es selbst kaum glauben: Am 22. Juli sprintete die 16-Jährige aus dem Dörfchen Brodbrenten bei Rothenthurn bei der U20-Weltmeisterschaft an die Spitze der Leichtathletik.

Auch daheim vor dem Elternhaus trainiert Sarah Lagger © Helmut Stöflin
 

Der Siebenkampf setzt sich aus den Disziplinen 100 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoßen, 200-Meter-Lauf, Weitsprung, Speerwurf und 800- Meter-Lauf zusammen, ist also so ziemlich das Härteste, was die Leichtathletik zu bieten hat. Doch genau das ist Sarah Laggers große Leidenschaft.

Nach Silbermedaillen bei den U18 -Welt- und Europameisterschaften ist dir nun bei der U20-WM in Polen mit der Goldmedaille – der ersten für Österreich – ein ganz großer Wurf gelungen, der dich schlagartig ins Rampenlicht befördert hat. Wie hat sich das Leben seither verändert?
SARAH LAGGER: Für mich ist alles noch so unrealistisch. Es ist ein Wahnsinn, wie viele Leute mir gratulieren. In Polen bei der U20-WM anzutreten war eine relativ kurzfristige Entscheidung. Mein Ziel war heuer die U18-EM in Tiflis. Mit der Silbermedaille dort, habe ich mir gedacht, ich habe heuer schon viel geschafft. Also habe ich versucht die WM einfach zu genießen. Zu gewinnen, hätte ich nie erwartet.

Wie bist du überhaupt zu diesem Sport gekommen?
LAGGER: Das war in der Volksschule. Ich war ein sehr aktives Kind, auf jedem Baum oben. Mein jetziger Trainer, Georg Werthner, hat damals bei uns in der Volksschule Molzbichl sportmotorische Tests gemacht. Da bin ich bei einem Sprinttest aufgefallen. Er hat dann meine Eltern kontaktiert. Die hatten eh schon etwas für mich zum Auspowern gesucht. Seitdem bin ich jeden Freitag um 16.30 Uhr in Radenthein zum Training gegangen. Da können Kinder übrigens mitmachen. Über Kinder-Zehnkämpfe bin ich dann zum Mehrkampf gekommen.

Bei den Wettkämpfen gibt Sarah Lagger alles Foto © KK

Warum gerade Siebenkampf?
LAGGER: Für mich macht gerade die Kombination dieser sieben Disziplinen den Spaß aus. Wenn man eine Disziplin gut macht, heißt das noch gar nichts. Es gibt noch sechs weitere. Zum Trainieren wird man da sowieso nie fertig, es gibt immer etwas zu verbessern. Dabei lernt man viel Disziplin, muss vielseitig sein. Ein Siebenkampf zieht sich über zwei Tage, da erlebt man mehr, es ist spannend. Man lernt Sportlerinnen aus verschiedenen Nationen kennen. Da entstehen auch Freundschaften, weil man doch zwei Tage miteinander verbringt.

In diesen zwei Wettkampftagen ist ständig Konzentration und Leistung gefragt. Wie anstrengend ist das?
LAGGER: Es ist nicht ohne. Sieben Mal muss man alles geben. Danach brauche ich meistens schon so 13, 14 Stunden Schlaf.

ZUR PERSON

Sarah Lagger wurde am 3. September 1999 geboren und lebt mit ihren Eltern, Bruder Simon (14) und Schwester Kristina (10) in Brodbrenten oberhalb von Rothenthurn. Sie besucht das Leistungssport-BORG in Spittal. Ihr Trainer ist Georg Werthner, ihr Verein die TGW Zehnkampf Union Linz.


Wie sieht das Training aus?
LAGGER: In der Schule haben wir drei Mal die Woche allgemeines Training mit den anderen Sportarten gemeinsam. Ich bin ja die einzige Leichtathletin. Wir haben da auch eine eigene App am Handy. Leichtathletik-Training mache ich mit Georg Werthner. Nachmittags und jetzt in den Ferien trainiere ich daheim selbstständig. Sechs bis zehn Trainings à eineinhalb bis zwei Stunden die Woche. Das Sport-BORG ist da eine große Stütze, weil man ein Jahr länger Zeit hat für die Matura, in der Schulzeit trainiert und für Wettkämpfe oder Trainingslager auch frei gestellt wird.

Die junge Sportlerin mit ihren Medaillen Foto © Helmut Stöflin

Ganz ehrlich: Ist das Training manchmal auch eine Quälerei?
LAGGER: Meistens macht’s schon Spaß. Aber sicher, manchmal ist es schon zäh. Aber da muss man durch. Und das Gefühl danach ist super. Besonders nach den Wettkämpfen, nach dem abschließenden 800-Meter-Lauf, der wirklich brutal sein kann.

Wer begleitet dich bei den Wettkämpfen?
LAGGER: Mein Trainer und mein Vater. Er ist meine große geistige Stütze. Der Rest der Familie fiebert daheim mit, feuert mich mit Nachrichten an, ebenso meine Freunde. Da möchte ich wirklich einmal Danke sagen, an alle, die mich so unterstützen.

Wie schaut Entspannung für dich aus?
LAGGER: Ich bin froh, in einem kleinen Dorf zu leben. Da hat man wirklich Ruhe. Ich treffe mich gern mit Freunden, zum Beispiel zum Schwimmen. Mit meiner besten Freundin, Hanna Schittenkopf, geht’s im Sommer auch mit dem Zug ein bisschen durch Österreich. Sie hilft mir auch total beim Abschalten.

Entspannung findet Sarah Lagger in der Natur Foto © Helmut Stöflin
 

Was sind die großen sportlichen Ziele für dich?
LAGGER: Der große Traum ist sicher, bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 dabei zu sein.

Und in nächster Zeit?
LAGGER: Ich überlege, bei den Staatsmeisterschaften in einigen Einzeldisziplinen zu starten. Den nächsten Siebenkampf mache ich erst wieder im Herbst. Jetzt darf’s einmal ein bisschen ruhiger zugehen.

 

 

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