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WolfsbergWas Kärnten unter den Briten erlebte

Die Ausstellung „Tea Time“ im Wolfsberger Rathaus bietet ab Samstag Einblicke in die Zeit während der britischen Besatzung in Kärnten. Fotografien und Exponate sollen Erinnerungen an diese Zeit rekonstruieren.

Dieses alte Foto zeigt die britische Truppenparade im Mai 1945 in Klagenfurt © Landesarchiv Kärnten
 

Am 11. November 1918 endete offiziell der Erste Weltkrieg. Doch der Frieden währte nicht lange: Knapp zwei Jahrzehnte später wurde Europa erneut zur gewalttätigsten Region der Welt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren noch mehr Tote zu beklagen als nach dem Ersten Weltkrieg. Unter den 60 Millionen Opfern befanden sich auch 270.825 britische Soldaten, die in einer Allianz mit der Sowjetunion und den USA gekämpft hatten.

Am sogenannten „Tag des Waffenstillstands“ treffen sich bis heute Briten auf der ganzen Welt, um der Opfer beider Weltkriege zu gedenken. Anlässlich des Gedenktages öffnet Samstagabend im Wolfsberger Rathaussaal die Ausstellung „Tea Time“ ihre Pforten. Sie widmet sich der britischen Besatzungsmacht von 1945 bis 1955 in Kärnten. Historische Fotografien und Exponate aus dem Landesmuseum sollen Erinnerungen an diese Zeit rekonstruieren.

Kriegsgefangenenlager

Großbritanniens Bezugspunkt zu Wolfsberg ist das Kriegsgefangenenlager „Stalag XVIII A“. Dort waren tausende Briten untergebracht. Sie wurden in Arbeitskommandos für den Straßen- und Kraftwerksbau (etwa Lavamünd, Schwabegg) oder in der Landwirtschaft eingesetzt.

„Ab Mai 1945 wendete sich jedoch das Blatt“, erzählt Wilhelm Wadl, Direktor des Kärntner Landesarchivs. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht rückte am 8. Mai 1945 die Britische Armee in Kärnten ein – nur wenige Stunden vor den jugoslawischen Truppen. „Die Erleichterung darüber, dass die Jugoslawen zurückgedrängt worden waren, war groß“, so Wadl. Die Briten verstanden sich als Lehrer in Sachen Demokratie. Die Entnazifizierung (rund 3100 Lavanttaler waren Mitglieder der NSDAP gewesen) handhabten sie sehr streng.

Attraktiver Standort

Kärnten sei für die Besatzungsmächte aufgrund der Seen- und Berglandschaft ein sehr attraktiver Standort gewesen, sagt Wadl: „Sie bauten das Skigebiet auf der Turracher Höhe aus, viele von ihnen lernten Skifahren.“

Sir Bernard Montgomery auf Truppenbesuch am 13. Juli 1948 in Klagenfurt Foto © Landesarchiv Kärnten

Nach der Lockerung des Fraternisierungsverbots sei es zu Hundertschaften an Beziehungen zwischen Kärntner Frauen und britischen Soldaten gekommen, sodass nach dem Ende der Besatzungszeit so manche Kärntnerin ihrem Partner in dessen Heimat folgte. Aber auch so mancher Brite verliebte sich nicht nur in seine Herzensdame, sondern auch in das südlichste Bundesland. Der letzte britische Soldat hat Österreich schließlich am 25. Oktober verlassen.

Ausstellungsinfos

Tea Time: 1945 - 1955. Die britische Besatzungszeit in Kärnten. Ausstellungseröffnung: 10. November, 18 Uhr. Rathausfestsaal Wolfsberg, Rathausplatz 1.

Zu Gast sind unter anderem der britische Botschafter Leigh Turner, der britische Militärattaché Graham Townsend sowie Wilhelm Wadl, Direktor des Kärntner Landesarchivs.
Im Anschluss an die Eröffnung gibt es ein Buffet und Getränke.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Dezember an den folgenden Tagen geöffnet: Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr.

Weitere Infos: (0 43 52) 537-333 oder im Internet unter www.museum-lavanthaus.at

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