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SommergesprächDietrich Wanke: „Wollen die Wertschöpfung im Tal halten“

Dietrich Wanke (56) ist seit Mai Vorstandsvorsitzender der European Lithium-Gruppe. Er spricht über die Aufbereitungsfabrik, Transparenz und über seine Liebe zum Lavanttal.

Dietrich Wanke vor dem Büro in der Lagerstraße in Wolfsberg © Markus Traussnig
 

Mitte 2021 könnte der Lithium-Abbau auf der Weinebene starten. In der Vergangenheit mussten angekündigte Starttermine immer wieder korrigiert werden. Wie sicher ist dieser Zeitpunkt?

Dietrich Wanke: Das ist unser Ziel. Realistischerweise muss man sagen: Bei solchen großen Projekten gibt es immer Zeitverschiebungen. Wir gehen aber davon aus, dass wir das schaffen. Wir haben mit den großen Genehmigungsgremien schon gute Gespräche geführt.

Im Hintergrund liefern sich Politiker ein Match um den Standort der Aufbereitungsanlage. Welcher wird derzeit favorisiert?

Es gibt verschiedene, gute Standorte. Derzeit favorisieren wir St. Paul, aufgrund der logistischen Anbindung an die Bahn, die Straße und aufgrund von künftigen Partnern aus der Industrie, die sich dort ansiedeln könnten. Wir schauen uns europaweit um, bevorzugen aber einen Standort hier in Kärnten. Außerdem ist es eine große Chance, uns neben einer neu gebauten Bahn anzusiedeln, wo wir vielleicht noch einen Nebengleisanschluss bekommen.

Derzeit werden immer öfter Pläne für ein E-Autowerk oder Akkuwerk laut. Wie konkret ist das?

Das hat mit uns nichts zu tun. Unser Schnittpunkt ist das Lithiumhydroxid. Bis dahin produzieren wir, denn das ist unsere Stärke. Es erscheint aber naheliegend, dass wenn der Standort passt, sich dort auch andere ansiedeln werden. Wir sehen uns da als „Katalysator“ für weiterverarbeitende Industrien.

Zur Person

Dietrich Wanke (56) kommt ursprünglich aus Lausitz in Deutschland, jetzt wohnt er auf der Koralpe. Er ist verheiratet und hat einen 30-jährigen Sohn. Als Bergwerksingenieur und Berater hat er bereits in vielen Bereichen Erfahrung sammeln können, wie etwa beim Kohle-, Nickel-, Eisenerz-, Diamanten- oder Gold-Abbau auf der ganzen Welt.

Es schwirren unterschiedliche Zahlen im Raum, was die Arbeitsplätze rund um den Abbau betrifft. Welche Zahl ist richtig?

Die Zahl 400 muss man runterbrechen. Am Ende sind es etwa 130 Stellen, wovon 80 Stellen im Vier-Schicht-Betrieb arbeiten.

Die FPÖ forderte unlängst einen runden Tisch mit Bürgermeistern, Landtagsabgeordneten und Nationalräten. Hat es eine solchen schon gegeben?

Ja, der erste dieser Art hat bereits Mitte Juli stattgefunden. Das macht auch Sinn bei so einem Projekt. Wir wollen das so transparent wie möglich gestalten. Beteiligte Gemeinden sollten mit am Tisch sitzen.

Für die Aufbereitungsanlage ist ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig. Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen?

Wenn wir die zweite Machbarkeitsstudie, eine Art Businessplan, fertig haben. Die grundsätzliche Machbarkeit wurde zuvor schon in einer Studie vorgelegt. In einem dreiviertel Jahr liegen die Ergebnisse vor. Die Studien machen unabhängige Berater. Darin enthalten sind Geologie, Lagerstättenmodell, bergtechnische Zuschnittsplanung, metallurgische Untersuchungen, Anlagenplanung und Dimensionierung. Errichten werden das alles Firmen aus der Region. Wir achten darauf, dass wir die Wertschöpfung schon während der Aufbauphase hier im Tal halten.

Vor dem Traudi-Stollen auf der Weinebene, wo 2021 mit dem Abbau gestartet werden soll Foto © Pachoinig

Wieviel muss für den Aufbau in die Hand genommen werden?

424 Millionen US-Dollar, eine durchaus übliche Summe für solche Projekte.

Sie sind Geschäftsführer der österreichischen Tochtergesellschaft von European Lithium und seit Mai Vorstandsvorsitzender der Gruppe. Was kommt auf Sie zu?

Wir werden die GmbH in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Es ist wichtig, dass wir in Österreich gelistet sind. Herausforderungen sind, den Aufbereitungsprozess so weit zu optimieren, dass er marktfähig ist und dass das UVP-Verfahren genehmigt werden kann. Davon hängt ab, wann das Projekt online geht. Wir haben alles detailreich vorbereitet, was noch an Forderungen dazukommt, kann man nicht vorhersehen. In Europa ist das immerhin Neuland.

Anrainer fürchten sich vor dem Lkw-Verkehr . . .

Das ist Teil unserer Studien, wir machen eine Verkehrsmessung. Die Belastung wird am Ende nicht so schrecklich hoch sein. Es sind etwas über 20 Lkw-Transporte pro Tag. Da fahren heutzutage schon mehr Holztransporter. Wir versuchen das auf ein Minimum zu halten.

Dietrich Wanke im Gespräch mit Redakteurin Martina Schmerlaib Foto © Markus Traussnig

Ist das Büro in Wolfsberg schon durchgehend besetzt?

Ja. Wir haben zusätzlich noch ein Labor in der Sporergasse für die geologische Arbeit. Wenn die Aktiengesellschaft etabliert ist, wird der Firmensitz von Wien nach Wolfsberg verlegt.

Werden dann auch Sie ins Lavanttal ziehen?

Das bin ich schon, ich habe eine Wohnung auf der Koralpe.

Was schätzen Sie am Tal?

Landschaftlich ist das Tal unübertroffen. Die Leute sind aufgeschlossen und wir erfahren viel Unterstützung.

Sie waren beinahe überall auf der Welt unterwegs. Wird es hier für Sie nicht langweilig?

Ich bin kein Großstadtmensch. Ich habe mein Leben lang in Minen gearbeitet und sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind nie in der Nähe von Großstädten. Ich schätze die Ruhe nach Feierabend und betreibe gerne etwas Sport, etwa Radfahren entlang des Lavanttals.

© Kleine Zeitung

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