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Dampfende Spuren im Lavanttal

Vom einstigen Dampfkraftwerk in St. Andrä ist schon länger nicht mehr alles zu sehen. Jetzt hat auch der Abbruch des Kesselhauses begonnen. Ein Blick zurück in die Blütezeit des Werkes.

© Schmerlaib
 

Wenn man sich die vielen alten Sammlerpostkarten von St. Andrä ab 1952 ansieht, ist etwas ganz markant: nämlich der aufsteigende Rauch aus dem damaligen Dampfkraftwerk nahe Siebending. Was heute zum Teil wie ein Geisterstätte wirkt und teilweise schon gar nicht mehr vorhanden ist oder abgebaut wird, war früher im wahrsten Sinne des Wortes "voller Energie" und ein wichtiger Arbeitgeber für viele Lavanttaler - wenn auch innerhalb der Bevölkerung umstritten.

Angst vor Emissionen

Das weiß keiner besser als der St. Andräer Helmut Lechthaler, der über 40 Jahre lang im Dampfkraftwerk tätig war, zum Schluss sogar als Lehrwerkstättenleiter: "Die Bevölkerung kämpfte vor allem zu Beginn gegen den Standort in St. Andrä an, denn sie fürchteten die Emissionen." Das führte auch noch nach der Inbetriebnahme so weit, dass ein Bürger einen Hungerstreik in einem Zelt durchführte. "Und die Ängste waren ja auch berechtigt, denn vor allem im Winter sah man es deutlich, wenn sich der Schnee um das Kraftwerk dunkel verfärbte", erinnert sich Lechthaler. Doch den Bedenken wurde Rechnung getragen, nämlich mit Investitionsmaßnahmen in eine Entstickungsanlage, eine Art Schlauchfilterverfahren, welches eine hochprozentige Entschwefelung ermöglichte. "Firmen, vor allem aus den Ostblockländern, haben sich unser Verfahren angeschaut, um davon zu lernen", erinnert sich Lechthaler.

Großer Strombedarf

Und: Das Kraftwerk, welches vor allem in den 60er-Jahren seine Blütezeit erlebte, war auch Arbeitsplatz für rund 380 Beschäftigte. "Das war das Maximum in der Kraftwerks-Ära, der Strombedarf war zu dieser Zeit enorm", sagt Lechthaler. Das schlug sich auch auf das Kohlebergwerk der "Lakog" nieder, die die Braunkohle-Hauptlieferanten für das Kraftwerk war: Rund 2000 Kumpel fanden auch dort eine Beschäftigung. "Das Braunkohlevorkommen war auch der Grund für den Standort-Zuschlag an uns. Braunkohle ist zudem schwefelarm", sagt der Lavanttaler. Nach dem großen Grubenbrand Ende des Jahres 1967 wurde der Kohleliefervertrag mit der "Lakog" allerdings aufgelöst. Um den Standort dennoch zu sichern, wurde Kohle aus dem Köflacher Revier und aus Jugoslawien angeliefert. "Es wurde in der Blütezeit auch in sozialer Hinsicht sehr viel für die Mitarbeiter getan. Es gab Tennisplätze, einen Schwimmteich, eine Sauna sowie rund 120 Betriebswohnungen für die Arbeiter", sagt Lechthaler, der auch beim Aufbau einer eigenen Lehrwerkstätte mithalf. Und: Dort wurde auch der Doppelberuf "Elektrotechniker-Maschinenbauer" fusioniert und der Lehrplan dazu entwickelt. 20 Lehrlinge wurden pro Jahr ausgebildet. Doch mit dem Aufkommen der ersten Atomkraftwerke und der Liberalisierung des Strommarktes konnte die ÖDK nicht mehr mithalten.

Es wurden zwar einige Neuerungen, wie etwa die Errichtung eines angekoppelten Fernwärmenetzes versucht, aber der Mitarbeiterstand sank kontinuierlich. 1996 sprach sich dann auch die Bevölkerung in einer Volksbefragung gegen die Umrüstung des Kraftwerkes und gegen die Verstromung von energetisch verwertbaren Abfallstoffen aus. Im Anschluss wurde das Betriebskraftwerk konserviert und 2011 endgültig stillgelegt.

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