InterviewGernot Darmann: "Ich halte vom ganzen Nazi-Dreck gar nichts"

Gernot Darmann, FPÖ-Spitzenkandidat für die Kärntner Landtagswahl, zum Problemfall Burschenschaften samt Aufarbeitung. Über (un-)mögliche Koalitionspartner und Koalitionsbedingungen.

Gernot Darmann beim Wahlkämpfen. Bei der Landtagswahl 2013 stürzte die FPÖ auf 16,9 Prozent ab
Gernot Darmann beim Wahlkämpfen. Bei der Landtagswahl 2013 stürzte die FPÖ auf 16,9 Prozent ab © KK/Büro Darmann/Kropf
 

Wie viele Stimmen wird Sie die Debatte über die Burschenschaften bei der Kärntner Landtagswahl am 4. März kosten?
GERNOT DARMANN: Wir sehen in Umfragen, was die Bevölkerung in ganz Österreich von den Nazi-Keulen gegen uns hält. Deshalb gehe ich davon aus, dass das keine Stimmen kosten wird. Wir räumten auf, wo aufzuräumen war. Ich persönlich halte von dem ganzen Nazi-Dreck gar nichts.

Was erwarten Sie sich von der Historikerkommission, die die Vergangenheit des Dritten Lagers in Österreich aufarbeiten soll?
Sinn und Zweck ist Aufarbeitung des Themas. Wir haben gleichzeitig die Österreich- und Europa-Erklärung abgegeben, das spricht auch für sich.

Welche Konsequenzen sind in der Folge aus den Ergebnissen der Kommission zu ziehen?
Nachdem der FP-Bundesparteivorstand diese rot-weiß-rot-Erklärung mit klarer Distanzierung von jeglicher Form des Extremismus und Antisemitismus bis hin zum radikalen Islam abgegeben hat, ist das eine rechtliche tragende Säule der FPÖ. Die Landespartei steht voll dazu.

Braune Rülpser aus der FPÖ sind aber auch in Zukunft nicht auszuschließen, oder?
Man kann mit konsequentem Umgang für alle, auch politische Mitbewerber, klar machen, dass wir es da sehr konsequent halten. Nazi-Rülpser ist ja ein verharmlosender Ausdruck. Das Leugnen von NS-Verbrechen hat bei uns nichts verloren. Ich habe mit diesem Nazi-Dreck nichts zu tun und will damit nichts zu tun haben.

Möglich, dass Sie mit solchen Aussagen Wähler vergraulen?
Das glaube ich nicht. Im Gegenteil. So können wir zusätzliche Wähler gewinnen. Weil das, was man uns immer ein paar Wochen vor einer Wahl zuschieben will, an den Haaren herbeigezogen ist.

Wäre ein externer Experte als Kommissionsvorsitzender nicht glaubwürdiger als Ex-FPÖ-Politiker Wilhelm Brauneder?
Wenn Sie sich trauen, einem honorigen emeritierten Universtitätsprofessor die Glaubwürdigkeit abzusprechen . . .

Er ist FPÖ-Mitglied.
Er ist glaubwürdig und wurde nicht umsonst Universitätsprofessor. Für mich ist er ein sehr honoriger Mann.

Welchen Einfluss haben die Burschenschafter auf die FPÖ?
Welchen Einfluss haben Mitglieder eines Tierschutzvereins auf die FPÖ? Bitte nicht immer pauschalieren!

In Kärnten gab es von der FPÖ immer Umfärbe-Aufschreie, wenn Dienstposten mit Parteifreunden von LH Peter Kaiser (SPÖ) besetzt wurden. Im Bund gibt es jetzt, Beispiel ÖBB-Aufsichtsrat, das Gleiche in Blau. Ist das glaubwürdig?
Es geht um Vertrauenspersonen, um Persönlichkeiten mit höchster Kompetenz. In Kärnten wurde das Objektivierungsgesetz umgangen.

Bei Ihrer Nominierung als FPÖ-Spitzenkandidat hatten Sie noch das Ziel, Erster zu werden und den Landeshauptmann-Sitz zurückzugewinnen. Diese Ansage gibt es jetzt nicht mehr. Weil Sie Umfrageergebnisse kennen, dass die FPÖ Zweiter bleibt?
Das Landeshautmann-Ziel gibt es nach wie vor. Es ist laut Landesverfassung nicht unmittelbar mit dem ersten Platz zusammenhängend. Der Erste hat das Recht, zu versuchen, die Regierung zu bilden. Uns geht es darum, dass man bei einer Regierungsbildung nicht an uns vorbeikommt.

Es wird erstmals eine Koalitionsregierung geben: Mit wem würden Sie lieber, mit SPÖ oder ÖVP? Und wen schließen Sie aus?
Entscheiden werden die Wähler am 4. März. Ich schließe beide, SPÖ wie ÖVP, nicht aus. Inhaltlich wird es mit den Grünen sicher nicht gehen. Eine Dreierkoalition wäre für uns die zweitbeste Lösung.

Sie kritisieren den Stillstand durch die Dreierkoalition. Doch wenn die FPÖ auf Platz zwei bleibt, ist das doch der Hinweis, dass Sie keine Wechselstimmung entfachen konnten. Warum?
Ob Umfragen richtig sind, wird sich am 4. März zeigen. Derzeit geht nur trotz und nicht wegen der Politik etwas weiter.

Was ist Ihr wichtigstes Anliegen für Kärnten?
Qualifizierte Arbeitskräfte. Das ist eine Standortfrage.

Im Falle von Koalitionsverhandlungen: Was wäre eine unabdingbare FPÖ-Bedingung?
Dass wir zuallererst Verantwortung für Kärnten und die eigenen Bürger wahrzunehmen haben. Etwa in Sachen Sicherheit.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

viajero
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Wieso....

ist er dann eigentlich in der FPÖ? Ist doch seit Jahrzehnten kein großes Geheimnis das diese Partei unter anderen ein guter Nährboden und Heimat für Menschen mit fragwürdigen Geschichtsbild ist.

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autobahn1
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ha,ha

die Historikakommission kommt,d.h.der Täter stellt fest welche Strafe er bekommt!!

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autobahn1
1
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ha,ha

die Historikakommission kommt,d.h.der Täter stellt fest welche Strafe er bekommt!!

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CuiBono
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Jo eh,

"Ich habe mit diesem Nazi-Dreck nichts zu tun und will damit nichts zu tun haben".
Trotzdem wird dieser Nazi-Dreck - auch vom Kärntner Spitzenkandidaten - in der Partei, na wie sag ich das jetzt, ...geduldet.

"Das Landeshautmann-Ziel gibt es nach wie vor. Es ist laut Landesverfassung nicht unmittelbar mit dem ersten Platz zusammenhängend".
So ähnlich haben wir es im Bund mit Schüssel-Haider erlebt.
Danke für die Erinnerung.
War eine sehr erfolgreicher Abschnitt in der Geschichte Österreichs. Nur nicht fürs Land und die Wähler, sondern ausschließlich für die Schwarzen und Blauen.
Und die Justiz nicht zu vergessen, weil die hat heute noch Arbeit mit den seltsamen Geschehnissen damals.

Ich frag mich nur, warum (auch) Benger nach Rechts schielt. Glaubt er wirklich, er hätte in einer Koalition mit den Blauen auch nur irgendwas mitzureden?

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SoundofThunder
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Wie heißt es?

Vor der Wahl und nach der Wahl? Zeigt mir einen einzigen FPÖ‘ler der keinen Kontakt zur rechten Szene hat.Das wäre ein Einzelfall!

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GordonKelz
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GLAUBWÜRDIGKEITSPROBLEM....

..aus dem Interview der heutigen Kleinen
Zeitung, kann man doch einiges herauslesen......" Habe mit diesem NAZI
DRECK nichts zu tun, und will damit nichts zu tun haben ! " Wer will das schon öffentlich ,Herr Darmann ? Es geht um die Frage ,mit was Sie nichts zu tun haben wollen ....? Mit den bekannt gemachten
Fällen ,die zu 90% aus Ihren Reihen stammen, oder mit der Historie ?
Denn Ihre nächste Verantwortung lautet....
" Weil das was man UNS immer ein paar Wochen vor einer Wahl zuschieben will,
an DEN HAAREN HERBEIGEZOGEN IST !!?
Was jetzt ,Herr Darmann....an den Haaren
herbeigezogen ...oder doch wahr ...oder haben Sie ein Problem mit der Geschichte?
Gordon Kelz

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