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KärntenAsylquartiere: 600 Plätze frei

Manche Quartiergeber haben Existenzängste. Das Land reagierte darauf, indem es Asylwerbern nun verbietet, sich privat Wohnungen zu suchen.

Annemarie Posratschnig
Annemarie Posratschnig © KK/Caritas
 

Es gibt zu wenig Asylwerber in Kärnten. Zumindest für die Quartiergeber. Rund 600 Plätze sind in den organisierten Quartieren laut dem Flüchtlingsreferat leer. „Die Unruhe unter den Quartiergebern ist groß. Einige denken über die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit nach und haben Existenzängste“, sagt der Leiter des Flüchtlingsreferats, Udo Puschnig.

Das Land reagierte Anfang Juli mit einer Änderung der sogenannten Privatverzugsrichtlinien, wie „der Standard“ berichtet hat. Darin wurde nun festgelegt: Asylwerber dürfen sich keine private Wohnung mehr suchen, sie müssen in organisierten Quartieren wohnen. In Einzelfällen könnten allerdings Ausnahmen gemacht werden. Derzeit leben in Kärnten 650 Asylwerber in privaten Mietwohnungen. 3993 sind in Landes- und Bundesquartieren untergebracht.

„Diese Änderung enttäuscht uns sehr. Das ist schlecht für die Integration“, sagt Annemarie Posratschnig, die bei der Caritas Kärnten für das Thema Asyl zuständig ist. Es sei wichtig, dass Asylwerber so früh wie möglich in die Eigenverantwortung entlassen werden. „Es geht auch um Privatsphäre. Familien mit Kindern etwa wollen oft nicht für lange Zeit in einem großen Quartier mit anderen leben, sondern sich etwas Eigenes suchen“, sagt Posratschnig. Der Sprecher von Flüchtlingsreferent Peter Kaiser (SPÖ) sieht das anders: „Jede Medaille hat zwei Seiten“, sagt Andreas Schäfermeier. Es gebe Asylwerber, die die festen Strukturen in den Quartieren brauchen würden. Referatsleiter Puschnig sagt, dass einige private Wohnungen der Asylwerber in einem grenzwertigen Zustand sind. Manche würden auf engem Raum leben. Viele Asylwerber seien auch auf das Geld von Dritten angewiesen, wenn sie privat wohnen wollen.

Das ist schlecht für die Integration. Asylwerber sollten so früh wie möglich in die Eigenverantwortung entlassen werden. 

Annemarie Posratschnig, Caritas

Das Land scheint mit der Neuregelung auch vorsorgen zu wollen, falls wieder mehr Flüchtlinge nach Kärnten kommen. „Sinnvoll und notwendig“ für die Zukunft seien funktionierende, organisierte Quartiere, sagt Puschnig. Caritas-Mitarbeiterin Posratschnig schlägt eine andere Lösung vor. Soziale Dienste wie etwa Hilfsorganisationen sollten künftig für die Unterbringung von Asylwerbern zuständig sein. „Irgendwann holt einen die Frage der Wirtschaftlichkeit ein, wenn die Quartiere von Privaten betrieben werden, die auf Gewinn aus sind“, sagt Posratschnig.