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Harald Scheucher im Interview"Ohne Flughafen gehen hier die Lichter aus"

Vor zehn Jahren wurde Harald Scheucher als Bürgermeister von Klagenfurt abgewählt. Öffentliche Ratschläge an die Nachfolger blieben seither aus – doch er mahnt zur Vorsicht bei privaten Investoren in der Stadt.

Altbürgermeister Harald Scheucher © Eggenberger
 

Im März ist es zehn Jahre her, dass Sie als Bürgermeister aus dem Amt geschieden sind.
HARALD SCHEUCHER: Geschieden worden sind!

Wenn man Ihre Parteikollegen fragt, „Was macht Harald Scheucher?“, bekommt man als Antwort: Er ist in Portugal oder am Golfplatz.
Das mit Portugal stimmt leider nicht, ich war schon zu lange nicht mehr dort, als Kind lebte ich ja ein Jahr in Portugal. Das mit dem Golfplatz passt, das ist meine Bewegungstherapie.

Wie lange hat es damals gedauert, die Niederlage zu verkraften?
Man muss die Dinge nehmen, wie sie sind. Erst habe ich schon gegrübelt, dann aber einen Schlussstrich gezogen und mich selbst neu orientiert.

Was war damals der Kardinalfehler, der Sie Ihr Amt gekostet hat? Der Rückzug vom Rückbau des Stadions?
Es waren einige Faktoren. Aber schauen wir das Stadion heute an: Es wird immer mehr anerkannt und die Veranstaltungen heuer, die geben schon was her.

Ist bei den Konzerten für Sie etwas dabei?
Ja, zum Ramazzotti geh’ ich wahrscheinlich hin.

Wo hat die Stadt in den letzten Jahren den richtigen Weg genommen?
Ich bin ehrlich, ich verfolge das Geschehen hauptsächlich über die Medien.

Zur Person

Harald Scheucher (78) wuchs in Klagenfurt auf und studierte in Wien Welthandel.1984 wurde er in den Landtag gewählt, 1986 Parteiobmann der ÖVP Kärnten und Landeshauptmannstellvertreter. 1997 wurde er als Nachfolger von Leopold Guggenberger zum Bürgermeister gewählt. 2009 schaffte er es nicht in die Stichwahl gegen Christian Scheider (FPÖ) und Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ)


Ihre Nachfolger oder Parteifreunde haben Sie nie um Rat gefragt?
Nein, ich den Guggi aber auch nie. Deswegen war er eh beleidigt auf mich. Jede Regierung muss ihre Zeit selbst verantworten. Und ich glaube, auch die jetzige Stadtregierung lässt sich davon leiten, das Beste für die Stadt zu tun.

Dann die umgedrehte Frage: Was hätten Sie anders gemacht?
Also beim Flughafen: Wenn ich da lese, dass die Messe dorthin kommen könnte oder gar Wohnsiedlungen, dann erinnert mich das an die Ansiedelung von Ikea. Die wollten ursprünglich auch auf ein anders Grundstück, aber damit die Einflugschneise erhalten bleibt, haben wir sie an die Autobahn gedrückt. Hier muss man aufpassen, denn wenn der Flughafen nicht mehr funktioniert, dann gehen in der Stadt die Lichter aus. So eine Infrastruktur einem Privaten wie Herrn Orasch zu verkaufen - ich kenne ihn nicht, sage ich dazu - das ist extrem heikel. Und das sage ich als ÖVPler. Man sieht ja schon jetzt, dass die AUA kaum noch nach Klagenfurt fliegen will. Also das hätte ich als Bürgermeister anders gemacht, deshalb freut es mich auch, dass Peter Kaiser die Sache mit der AUA zur Chefsache erklärt hat.

Noch eine Sache?
Ich hätte alles daran gesetzt, und wenn sie mich gekreuzigt hätten, dass Kastner & Öhler in die Innenstadt gekommen wären.

Den Plan soll Ihr Parteikollege Markus Geiger vereitelt haben.
Auch unter Parteikollegen darf man andere Meinungen haben. Und als letzten Punkt das Hallenbad: Das hätte ich auf die Hundewiese oder den Campingplatz gebaut, dort ist Raum – das sage ich jetzt so vom Kaffeehaustisch aus. Den Mettnitzstrand aber hätte ich nicht zerstört.

Weil Sie Ihn schon angesprochen haben: Wie wären Sie mit einem Investor wie Hans Peter Orasch verfahren, der massiv Häuser in der Stadt kauft?
Man muss sorgsam sein. Auf private Geschäfte hat man ja keinen Einfluss, höchstens bei Widmungen und ähnlichen Verfahren. Aber ein Bürgermeister Scheucher wäre hier sehr vorsichtig.

Wir haben uns zum Gespräch in den City Arkaden getroffen – viele sagen heute: Damit hat Scheucher die Innenstadt gerettet. Ist das Ihre Hinterlassenschaft?
Es freut mich, wenn die Leute das sagen. Wenn ich am Samstag am Markt bin, bekomme ich mehr Zuspruch, als zu meiner aktiven Zeit. Die Leute sagen sogar, dass ich gut ausschaue. Aber ich weiß schon, dass sie lügen! Die City Arkaden (macht eine Pause) ja da gab es viele Anfeindungen. Aber ich hab’ ja gegen alles Mögliche kämpfen und mich wehren müssen. Seeparkhotel, Lakesidepark, Loretto haben wir einem Privaten vor der Nase weggekauft, Metro und Ikea wurden angesiedelt und das Stadion. Das mussten wir bauen, weil sich Susanne Riess-Passer und Jörg Haider für Klagenfurt als Austragungsort eingesetzt haben. Aber ich habe auch 67,5 Millionen Euro auf der hohen Kante veranlagt übergeben. Gerne hätte ich noch die Messehalle 5 zur Kongresshalle ausgebaut. Aber ich höre: Das kommt nun auch.

Wie steht es um die ÖVP?
Beim Parteitag habe ich gesagt: Die zwei in Kärnten sind ein Erfolgsduo. Dabei bleibe ich und hoffe, dass ich Recht behalte.

Wir haben viel über Vergangenes gesprochen: Was bringen die zehn kommenden Jahre?
Das weiß nur der liebe Gott.

 

 

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Danke für Ihr Verständnis.

ulrichsberg2
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Der von der STA Geschonte:

Scheuchers amtsmissbräuchliches Vorgehen hat auf vielen Gebieten schädliche Spuren hinterlassen.
Treffend geschildert im 1. Schwarzbuch über ihm.
In Fortsetzung der zur 100 Jahr-Betriebsfeier 2020 geplanten Veröffentlichung des dokumentierten CD Buches über die wechselhafte Geschichte eines Betriebes, wird auch Scheucher seinen gebührenden Platz finden.

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gintonicmiteis
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"Damit hat Scheucher die Innenstadt gerettet."

Wer sagt denn sowas? Nur jemand, der nie südlicher als den Alten Platz gegangen ist - weil ab dort ist die Innenstadt tot. Und zwar wegen der City Arkaden.

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joschi41
4
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Unrecht

Man soll Dkfm Scheucher nicht Unrecht tun und alles schlecht reden. Dass er LH Haider nicht gewachsen war, soll man ihm nicht vorhalten, weil es anderen ähnlich ergangen ist. Und das Stadion, mein Gott, der Größenwahn ist halt ein Luder.

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joektn
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Flughafen

Beim Flughafen gehen so oder so die Lichter aus, wenn sich nicht radikal was ändert bzw sind sie ja schon aus. Das ist ja heute bereits ein Geisterflughafen. Mit der Koralmbahn ist man in knapp 40 Minuten direkt am Terminal Graz und das wird dann interessant wie Klagenfurt darauf reagieren wird. Ohne kräftige Finanzspritze und gekaufte Verbindungen wird das nichts mehr.

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archiv
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Heute "HÜ" und morgen "HO" ....

Wenn das Gasdampfkraftwerk nicht kommt, dann gehen in dieser Stadt die Lichter aus - ist das nicht auch ein "Sager" der alten Klagenfurter Stadtpolitik?

Und jetzt - es sind die Lichter nicht ausgegangen!

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gintonicmiteis
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Die Lichter in dieser Stadt gingen schon so oft aus

Und die schwachen Lichter in der derzeitige Stadtregierung arbeitet hartnäckig daran, dass sie auch nie wieder angehen...

Spannender Fakt übrigens: die Stadt Klagenfurt hat sich lange gegen die Elektifizierung gewehrt - zu modern, wird sich nicht durchsetzen usw.
Deshalb hat Villach damals die ÖBB-Regionalzentrale erhalten, weil die hatten schon Strom.

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