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Interview"Skifahren ist in Kärnten ein Kulturgut“

Alexandra Sereinig betreibt im Bodental einen der letzten privaten Kärntner Skilifte. Gleichzeitig sucht sie Wege, den Sommertourismus zu entwickeln.

Alexandra und Rudi Sereinig planen einen dritten Lift
Alexandra und Rudi Sereinig planen einen dritten Lift © Just
 

Die wichtigste Frage vorweg: Wir der Liftbetrieb im Bodental heute schon starten?
Alexandra Sereinig: Wir hatten in dieser Woche zehn Grad plus. Da hat es trotz Schneekanonen nur für den Zauberteppich gereicht, wir hoffen auf einen Saisonstart in der kommenden Woche.

Die heutige Saison ist das eine, aber wie schaut es in den nächsten Jahren aus?
Was unser Haus betrifft: gut. Mein Opa hat diesen Lift vor über 60 Jahren mit einem Dieselmotor betrieben – weil es noch keinen Strom im Bodental gab. Das ist ein Erbe, das nicht immer leicht ist, immerhin sind wir eines der wenigen privaten Skigebiete, das in einer Einzelfirma geführt wird. Aber wir wollen diesen Weg fortsetzen.

Und was das Skifahren allgemein betrifft?
Da mache ich mir mehr Gedanken. Walter Memedof betreibt bei uns im Bodental seit über 25 Jahren eine Skischule, ist ein Skilehrer, wie er im Buche steht, geht viel in die Schulen und Kindergärten und klärt die Eltern auf. Wegen ihm lernen viele Kinder noch Skifahren. Aber wenn er dann eine Schule aus Klagenfurt St. Ruprecht bei uns hat, sieht man, dass viele Kinder aus Kulturkreisen kommen, wo das Skifahren keinen Stellenwert hat, die Eltern es naturgemäß auch selbst nicht kennen und können. Da werden bei 80 Kindern dann 60 Leihski ausgegeben.

Sie fordern verpflichtende Skikurse?
Ja, weil Skifahren, genauso wie Schwimmen, bei uns in Kärnten zur kulturellen Identität gehört. Wenn der Trend den Skikurs auszulassen so weiter geht, können große und kleine Skigebiete bald alle schließen.

Wie viele Menschen haben in den letzten Jahren eigentlich bei Ihnen Skifahren gelernt?
Südlich von Klagenfurt sind es wahrscheinlich acht von zehn. Eine Mutter erzählte mir letztes Jahr: Sie wohnen in der Nähe der Simonhöhe, aber weil ihr Sohn bei uns Skifahren gelernt hat, muss sie nun jedes Wochenende ins Bodental fahren. Wobei sich unsere Kundenschicht auch entwickelt hat. Ein Drittel der Gäste kommt aus Slowenien. Das hat mit der Einfachheit der Pisten zu tun. Wenn Kärntner noch Skifahren können, sind die Kinder in der zweiten Klasse Gymnasium oder Hauptschule so weit, dass sie lieber auf das Nassfeld oder die Turrach gehen. Die Slowenen fahren halt schlechter, deshalb ist ein Einsteigergebiet gefragter. Gleichzeitig haben wir im Bodental mit der Loipe und der Skitourenstrecke auf die Ogrisalm ein Angebot für alle Wintersportler. Die Tourengeher kehren eher beim Bodenbauer auf ein Bier ein, als bei uns, aber das ergänzt sich gut.

Familienbetrieb

Das Ehepaar Alexandra und Rudi Sereinig führt das Skigebiet Bodental bereits in dritter Generation. Der Großvater von Alexandra Sereinig betrieb vor über 60 Jahren den Lift mit einem Dieselmotor, weil es keinen Strom gab.

Pläne. Im kommenden Jahr soll es um einen dritten Lift erweitert und zu einer Erlebniswelt ausgebaut werden.

Das Unternehmen. Neben dem Lift betreibt die Familie auch den Gasthof und eine Landwirtschaft mit Schafzucht.

Sie betreiben ja nicht nur einen Skilift, sondern auch einen Ganzjahresbetrieb.
Korrekterweise muss man sagen: ein Zwei-Saisonen-Betrieb. Wir haben seit Oktober geschlossen und sperren vom 17. März bis Muttertag wieder. Unsere Leute sind also auch drei Monate daheim. Gleichzeitig kämpfe ich damit, dass wir im Winter eine Skihütte sind und kaum jemand in Kärnten weiß, was wir im Sommer kulinarisch leisten, mit zehn verschiedenen Lammgerichten etwa. Im Winter haben wir zwei, vielleicht drei Lammgerichte auf der Karte, da ist neben der Qualität Geschwindigkeit gefragt. Jeder Sitzplatz ist bares Geld. Daher haben wir das Gasthaus im Winter nicht groß dekoriert, die Leute wollen ja ihre Handschuhe und Mützen ablegen.

Der Kärntner Tourismus ist im Umbruch. Tourismusregionen werden in Frage gestellt. Wo setzt Ihre Selbstkritik an?
Wir schlachten pro Jahr über 100 Lämmer und verarbeiten das Fleisch im Haus, auch das wissen wenige Leute. Gleichzeitig sind wir im Sommer eine Ruheoase, wo man sich auch abkühlen kann. Wenn der Löwenzahn blüht, versteht man, warum es Märchenwiese heißt, das vermitteln wir zu wenig.

Kommentare (6)

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orbil
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Land der Intellektuellen


wenn man im Zuge der Klimaerwärmung Schifahren als "Kulturgut" pflegt, darf man sich nicht wundern, wenn die letzten mit Hirn abwandern. Hauptsache Vorreiter!

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orbil
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Land der Intellektuellen


wenn man im Zuge der Klimaerwärmung Schifahren als "Kulturgut" pflegt, darf man sich nicht wundern, wenn die letzten mit Hirn abwandern. Hauptsache Vorreiter!

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GordonKelz
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DAZU....

...würde meine langjährige Forderung ,alle
Kinder bis 14 Jahre das Liftfahren gratis zu ermöglichen !
Gordon Kelz

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enzianbrenner
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tourengehen

hut ab vor so viel ehrgeiz ... ich denke hier an das "villgratental" da gibt es gar keine lifte, dennoch schispuren von allen bergen herunter und auf jeder "leit´n" - ich glaube gar, dass es im mölltal eine (ehemals) hauptschule gibt, welche in der 2. oder 3. klasse eine schikurs als "tourenschikurs" machen (oder gemacht haben?)

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joe1406
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Ich kann mich noch gut erinnern

als ich mit Gewalt in der Hauptschule auf die Skpiste und zu Skikursen geschleppt wurde. Wenn man nicht mitfahen wollte, durfte die ganze Klasse nicht fahren. Eine Art sportliche Vergewaltigung. Sicher toll was die Familie Sereinig über Jahrzehnte auf die Beine gestellt hat, aber der Jugend sollte man selbst überlassen welchen Sport sie ausüben wollen. Mit Zwang wird man nur das Gegenteil erreichen - kein Bock aufs Schifahren.

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gintonicmiteis
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Ist ja eine liebe (nicht wirklich selbstlose) Forderung, Skifahren zum Kulturgut zu erklären...

Leider unterscheidet es sich vom Schwimmen ja in einem großen Aspekt: den Kosten. Schwimmen: 0 Euro (man kann sogar auf die Badehose verzichten)... Skifahren: je nach Ausrüstung zwischen 200 und 2000 Euro plus bis zu 50 Euro pro Tag für die Liftkarte.

Kosten, die sich einfach viele nicht leisten können (oder wollen). Kein Wunder, dass der "alternative" Wintersport wie Tourenski zunimmt. Ist auch meist besser für die Natur.

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