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SommergesprächRechtsanwalt Peter Urabl: "Ich würde nie einen Dealer vertreten"

Peter Urabl ist Anwalt und setzt sich als Obmann von Oikos für Drogenkranke ein. Ein Gespräch über Süchte und wie man die eigenen Kinder vor Drogen bewahrt.

Peter Urabl, Oikos-Obmann
Peter Urabl, Oikos-Obmann © ©helgebauer
 

Zum Zeitpunkt des Interviews halten wir bei der erschreckenden Bilanz von 16 Drogentoten dieses Jahr in Kärnten. Die Zahl kann jeden Tag steigen. Wieso wagen Sie sich als Anwalt in das rechtliche und politische Minenfeld Drogentherapie?
PETER URABL: Ich hole etwas aus. Mein guter Freund und Lehrmeister Hans Quendler hatte vor zwölf Jahren einen schweren Unfall, ist nun behindert. Ich kann ihn nicht gesund machen, aber ich kann mich als Vorstand seiner Privatstiftung unentgeltlich darum kümmern, dass wenigstens die Finanzen seiner Familie stimmen. Das bin ich ihm schuldig. Und auch wenn ich der Gesellschaft nichts schuldig bin: Es geht mir gut, meinen Kindern geht es gut, wir sind alle gesund. Da will man etwas geben. Und so bin ich über die Beratung von Kindern aus Problemfamilien zu Oikos gestoßen. Ich kann hier kurativ für Süchtige nichts machen, aber ich kann mit meiner Profession organisatorisch etwas aufstellen. Die Menschen, die hier betreut werden, Drogenkranke und -süchtige, haben keine Lobby.

Das macht ihre Aufgabe nicht leichter.
Ich kenne Gesundheitsreferentin Beate Prettner noch nicht so gut, aber ich weiß, dass sie auch als Politikerin als Ärztin handelt und den Menschen helfen will. Man kann mit dem Thema keine Wahl gewinnen, aber man kann Menschenleben retten.

Kann man die Eskalation der Drogensituation in Kärnten noch aufhalten?
Prävention ist ein schwieriges Thema. Gerade heute meinte eine Ärztin zu mir: In den Schulen müsste mehr getan werden. Dabei sagen alle Lehrer, völlig zu Recht: Es wird schon die ganze Erziehung auf uns abgewälzt.

Ist dann das Strafrecht die adäquate Methode?
Die Frage stelle ich mir auch oft mit Zweifeln. Aber dann schaue ich unsere Klienten an. Viele standen vor dem Richter und hatten die Wahl: Therapie oder Strafe. Wenn wir sie nicht über diesen Weg in unsere Einrichtung bekommen hätten, wären sie vielleicht schon der 17. oder 18. Drogentote.

Viele Anwälte klagen darüber, dass sie immer mehr Pflichtvertretungen für Drogendealer machen müssen.
Ich bin unsicher, ob die Polizei mehr Ermittlungserfolge hat, oder ob es mehr Kriminalität gibt. Und wenn wir uns ehrlich sind: Es sind kleine Fische, die dealen, um die eigene Sucht zu finanzieren oder das als einzige Einnahmequelle sehen. Die großen Fische sind da nicht dabei, die bleiben im Hintergrund. Aber dass die Zahl der Drogendelikte, die vor Gericht verhandelt werden steigt, ist unbestritten. Und in Österreich haben wir eben den Grundsatz: Wenn sich jemand keinen Anwalt leisten kann, bekommt er einen Pflichtverteidiger. Wenn mir so ein Fall zugeteilt würde, müsste ich es machen. Aber gegen Honorar würde ich nie einen Dealer vor Gericht vertreten, auch wenn natürlich das Prinzip der Unschuldsvermutung gilt. Die gleiche Haltung habe ich übrigens bei Leuten, die mit Kinderpornografie oder Ähnlichem zu schaffen haben.

Urabl und Cik beim Interview
Urabl und Cik beim Interview Foto © ©helgebauer
Sie sind Vater einer Teenagerin. Wie groß ist die Sorge, dass Ihre Tochter abdriften könnte?
Ich weiß, dass weder Bildung noch sozialer Status eine Versicherung gegen Drogen sind. Ich lebe bei meiner Tochter einen Vertrauensvorschuss, lasse ihr Freiheiten, weiß aber, oder hoffe zumindest, dass sie uns alles sagen würde. Und zum Glück hat sie einen Freundeskreis, der sich gegenseitig aus dieser Szene fernhält.

Sie lebten lange in Wien und Berlin. Wie hat sich ihr Blick auf Kärnten in dieser Zeit verändert?
Als ich um das Jahr 2000 zurück kam, gehörte ich nicht zu jenen, die wegen der schönen Landschaft und dem See begeistert waren. Mir fehlte eher das urbane, dass man jederzeit ins Theater oder zu einem Konzert gehen kann. Mittlerweile bin ich älter und Klagenfurt auch größer geworden. Es ist immer noch eine beschauliche Stadt, man kann sie überblicken. Aber sie hat auch etwas weitläufiges bekommen – und das meine ich jetzt positiv und ganz abseits der Drogenproblematik. Außerdem sollte man nach vorne blicken: Mit der Koralmbahn wird der Süden noch weiter zusammenwachsen. Wenn Klagenfurt das für sich nützt, wird niemandem mehr etwas fehlen.

Kommentare (1)

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Quack9020
7
3
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Zulassung entziehen

Wenn ein Anwalt öffentlich solche Aussagen tätigt, die Unschuldsvermutung außer Acht lässt und Verdächtige ohne Urteil bereits verurteilt und ablehnt, ist umgehend die Zulassung zu entziehen.

Es gibt ausreichend Fälle in denen sich herausstellt, dass der Verdächtige unschuldig ist. Als solcher möchte ich Herrn Urabl nicht als Pflicht Verteidiger wünschen.

Aber es beweist einmal mehr. Wer kein Geld hat, steigt vor Gericht mit einer höheren Strafe aus. Weil viele Pflicht Verteidiger so denken und handeln.

Die einzig korrekte Antwort wäre gewesen, dass er solche Fälle durch einen Kollegen vertreten lässt. Was übliche Praxis ist bei Pflicht Verteidigungen.

Fast alle Drogen Toten waren bei genau so einem Verein wie Oikos in Behandlung. Was belegt, dass das System nicht funktioniert. Es sind nicht die Drogen die getötet haben, es waren die Ersatz Mittel und der so genannte Beikonsum von anderen Drogen und Medikamenten.

Die Abgabe der Ersatz Mittel wird viel zu locker gehandhabt.

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