ProzessTödlicher Bootsunfall: Zweitangeklagter belastet Lenker

Prozess um Unfall am Wörthersee findet derzeit am Landesgericht Klagenfurt statt. Zwei Männer angeklagt. Bootslenker bestreitet, am Tod eines Niederösterreichers Schuld zu sein. Urteil für 16. Mai erwartet.

© KLZ/Habich
 

12.46 Uhr: Einvernahmen beendet

Pause bis 13.15 Uhr. Danach kommen die Zeugen dran.

12.40 Uhr: Erstangeklagter kontert

"Ich wusste nicht, wie so ein Eindrehmanöver geht. Ich habe es daher nicht getan."

12.37 Uhr: Widersprüchliche Aussagen

Die beiden anderen Bootspassagiere sagten vor Polizei aus, dass der Erstangeklagte keine riskanten Manöver gefahren sei. Der Zweitangeklagte bleibt aber dennoch bei seiner Aussage.

12.33 Uhr: Mehrere riskante Manöver

Zweitangeklagter bleibt dabei: Erstangeklagter ist Manöver - auch riskante - an dem Tag mehrmals gefahren.

11.56 Uhr: Über den Unfallzeitpunkt

Vor dem Unfall habe der Erstangeklagte laut Zweitangeklagtem eine starke Eindrehbewegung durchgeführt - zwei bis drei Sekunden und dann den Retourgang. "Als das Boot rückwärts fuhr, gab es ein lautes Geräusch. Alle wussten, dass etwas passiert war. Als ich aufstand, sah ich einen riesigen Blutfleck im Wasser. Ich stellte den Gashebel auf 'neutral'." Der Erstangeklagte war zu diesem Zeitpunkt laut Zweitangeklagten schon im Wasser - rund zehn bis 15 Meter vom Boot entfernt. "Wie er ins Wasser gefallen ist, weiß ich nicht."

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11.47 Uhr: Bis zu acht Manöver gefahren

Erstangeklagter fuhr fünf bis acht Manöver, darunter zwei bis drei sogenannte Eindrehmanöver.

11.43 Uhr: Nächster Widerspruch

Der Zweitangeklagte sah nicht, dass das Opfer ins Lenkrad gegriffen hätte. "Das wäre mir aufgefallen."

11.38 Uhr: Lenker belastet

Zweitangeklagter sagt, dass der Lenker auf dem Weg von Klagenfurt zurück nach Pörtschach sehr zügig mit 45 bis 50 km/h gefahren sei. Der Erstangeklagte sei ebenfalls solche riskanten Manöver gefahren.
Die Aussagen des Zweitangeklagten sind ein kompletter Widerspruch zu den Aussagen des Erstangeklagten. Der Zweitangeklagte bleibt aber bei seinen Aussagen, die er auch bei der Polizei getätigt hat, und belastet damit den Erstangeklagten. 

11.32 Uhr: Unterschiedliche Aussagen

Im Unterschied zum Erstangeklagten sagt der Zweitangeklagte, dass sich der Lenker und das Opfer auf der Fahrt nach Klagenfurt abgewechselt hätten.

11.18 Uhr: Befragung des Zweitangeklagten

Weiter geht's. Auch der Zweitangeklagte bekennt sich "nicht schuldig".

11.12 Uhr: Kurze Sitzungspause

Die Befragung des Erstangeklagten ist beendet. Kurze Sitzungspause. Danach ist der Zweitangeklagte an der Reihe.

11.00 Uhr: Erste Anzeichen von Unsicherheit

Minutenlange Diskussion zwischen Richter, Sachverständigem und Erstangeklagtem, auf welche Seite sich das Boot während des Unfalls gesenkt hat. Links oder rechts? Erstangeklagter zeigt erstmals Zeichen von Unsicherheit.

10.47 Uhr: Am Hineingreifen gehindert

Sachverständiger will wissen, warum der Lenker das spätere Opfer nicht deutlicher am Hineingreifen gehindert hat. Erstangeklagter: "Diese Frage beschäftigt mich bis heute. Ich habe es versucht, aber dann bin ich schon durch die Luft geflogen."

Nach Verschwundenem getaucht

"Ich hatte beide Hände von ihm vor mir im Lenkrad, dann hat es nicht einmal eine halbe Sekunde gedauert und ich flog ins Wasser", sagte der Angeklagte. Er sei ziemlich hoch nach links hinten weggeflogen. "Ich bin durchaus weit vom Boot weggeschleudert worden, was für mich ein Glück war." Danach habe er sich unter Wasser orientieren müssen und sei wieder an die Oberfläche gekommen. Als er aufgetaucht sei, habe er das Boot gesehen, etwa in zehn bis 15 Meter Entfernung. Einer der am Boot Verbliebenen habe ihn registriert, kurz darauf sei klar gewesen, dass das Opfer verschwunden war. Der Bootsführer habe dann angeordnet, nach dem Verschwundenen zu tauchen.

(APA)

10.14 Uhr: Bootslenker sagt aus

Erstangeklagter: "Ich bin in hohem Bogen aus dem Boot geflogen und in den See eingetaucht. Ich war rund drei Meter tief im Wasser. Als ich aufgetaucht bin, war das Boot rund acht bis zehn Meter entfernt."

"Habe mich nicht angetrunken gefühlt"

Der Erstangeklagte betonte bei seiner Vernehmung eingangs, es gehe ihm bei der ganzen Sache nicht gut. Das Opfer sei einer seiner allerbesten Freunde gewesen, das Ereignis "wird nie mehr aus unseren Köpfen gehen". Man sei 20 Jahre "ziemlich beste Freunde" gewesen, auch gemeinsam auf Urlaub gefahren.

Es sei ein großer Fehler gewesen, dass er sich an jenem Nachmittag spontan ans Steuer gesetzt habe, obwohl er Alkohol konsumiert habe, sagte der Angeklagte. "Ich habe mich aber nicht angetrunken gefühlt." Er habe daraus gelernt und trinke nie mehr einen Tropfen Alkohol, wenn er sich ans Steuer eines Autos setze. Der 45-Jährige betonte ebenfalls, er habe kein riskantes Manöver gefahren, vor allem kein einziges "Eindrehmanöver", wie es das Opfer zuvor gefahren sei. "Ich habe dieses Manöver nicht selbst eingeleitet, bin nicht selbst gefahren und habe sicherlich auch nicht den Retourgang eingelegt."

(APA)

09.40 Uhr: Wahrung der Persönlichkeitsrechte

Der Anwalt des Erstangeklagten verweist ausdrücklich auf die Wahrung der Persönlichkeitsrechte seines Mandanten.

09.18 Uhr: Riskante Manöver

Der Anwalt des Erstangeklagten trägt vor, dass das spätere Opfer in das Steuerrad gegriffen hätte und dadurch Lenker und Opfer ins Wasser gefallen seien. Das Opfer hätte mehrmals solche riskanten Manöver durchgeführt. Seine Mandant nie. Das Opfer selbst könnte beim Rausfallen den Retourgang eingelegt haben. Im Prinzip schließt der Anwalt des Lenkers eine Mitschuld des Opfers am Unglück nicht aus. Erstangeklagter bekennt sich "nicht schuldig".

Kritik an Strafantrag

Todor-Kostic kritisierte in seiner Replik auf Staatsanwalt Christian Pirker, die Anklagebehörde sei überhastet vorgegangen. Nach Vorliegen des technischen Gutachtens habe man plötzlich "eiligst Strafantrag" gestellt. Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen könne sich der Unfall nicht so ereignet haben, wie es im Strafantrag ausgeführt sei, sagte der Rechtsanwalt und fügte hinzu: "Eigentlich befinden wir uns jetzt gerade mitten im Ermittlungsverfahren." Sein Mandant habe kein einziges sogenanntes "Eindrehmanöver" gefahren, das spätere Opfer aber sehr wohl. Dieses habe seinem Mandanten von hinten ins Steuer gegriffen, Opfer und Lenker seien dabei ins Wasser gefallen. Daher könne sein Mandant auch nicht den Rückwärtsgang eingelegt haben. Die Alkoholisierung des Angeklagten sei unbestritten, sei aber nicht kausal, weil der Unfall auch in nüchternem Zustand durch das Ins-Lenkrad-Greifen nicht zu verhindern gewesen wäre.

Auch Georg Schuchlenz, Anwalt des zweiten Angeklagten, wies die Darstellung des Staatsanwalts zurück. Er erklärte, der Strafantrag sei "aus der Hüfte geschossen" gekommen. Der Erstangeklagte habe zweifelsohne das Recht gehabt, das Boot zu führen, sein Mandant hätte das Unglück zudem auch nicht verhindern können. Dazu sei das Ganze viel zu schnell gegangen. Er sei aber froh, dass die Causa nun strafrechtlich aufgearbeitet werde, da die Situation für ihn sehr belastend sei.

(APA)

09.02 Uhr: Prozessbeginn

Richter Matthias Polak eröffnet den Prozess.

Richter Matthias Polak
Richter Matthias Polak Foto © KLZ/Markus Traussnig

08.48 Uhr: Der Saal füllt sich langsam

Das Medieninteresse ist enorm. Der Erstangeklagte ist in Begleitung seines Anwaltes Alexander Todor-Kostic bereits eingetroffen. Der Geschworenensaal füllt sich langsam - vor allem mit Prozessbeteiligten und weiteren Medienvertretern. Auch der Zweitangeklagte und sein Anwalt sind mittlerweile da.

Anwalt Alexander Todor-Kostic umringt von Medienvertretern
Anwalt Alexander Todor-Kostic umringt von Medienvertretern Foto © KLZ/Markus Traussnig

Hintergrund

Mindestens 15 Anrufe von Journalisten hat Christian Liebhauser-Karl am Montag entgegengenommen. Und da war es erst Mittag. Alle Anfragen an den Sprecher des Landesgerichtes Klagenfurt hatten dasselbe Thema: den am Dienstag um 9 Uhr beginnenden Prozess um den tödlichen Bootsunfall am Wörthersee.

Das Interesse an dem Prozess unter Vorsitz von Richter Matthias Polak ist so groß – nicht nur von Medienvertretern – , dass er im Geschworenensaal über die Bühnen gehen wird. Ein Saal, in dem etwa 100 Personen Platz haben, und in dem sonst vor allem Großverfahren (Hypo) stattfinden.

Angeklagt sind ein Niederösterreicher (45) wegen grob fahrlässiger Tötung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit und ein Kärntner (33) wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Bootslenker war alkoholisiert

Spannend wird es gleich am Vormittag: Dann wird nämlich der 45-Jährige aussagen. Er soll das Boot gelenkt haben, mit dem am 2. Juni 2017 ein Familienvater im Wörthersee getötet worden ist. Der Lenker soll laut einem von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachten alkoholisiert gewesen sein (0,88 bis 1,67 Promille) und riskante Fahrmanöver mit dem 335 PS-starken Boot durchgeführt haben.

Bei einem Manöver sei das spätere Opfer vom Boot in den Wörthersee geschleudert worden. Danach habe der Lenker den Retourgang eingelegt und den im Wasser befindlichen Mann tödlich verletzt. „Stimmt nicht“, sagt der Anwalt des Niederösterreichers. Sein Mandant sei ja selbst aus dem Boot geschleudert worden und konnte den Retourgang nicht einlegen.

Ein Urteil wird für den 16. Mai dieses Jahres erwartet.

Tödliche Bootsfahrt

Fünf Männer waren am 2. Juni 2017 mit einem Motorboot auf dem Wörthersee unterwegs. Nach mehreren wohl waghalsigen Fahrmanövern des Bootslenkers (45) stürzte gegen 17.30 Uhr ein Mann in den See und ging unter. Mit tödlichen Verletzungen, zugefügt durch das rückwärtsfahrende Boot.

Kommentare (2)

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pipo1190
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2
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....eher schlechte strategie,....

...ich wuerde mal aus der entfernung mit meiner strafrechtserfahrung sagen, dass der erstangeklagte vermutlich anwaltlich eher schlecht beraten wird - weil er sich immer tiefer und tiefer in widersprueche verstricken wird und wenn am ende 4 zeugen genau das gegenteil sagen wird der richter keine andere wahl haben als die aussagen des erstangeklagten als reine schutzbehauptungen zu werten - und dann ist die ganze muenchhausen story dann zu ende

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pink69
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man

kann nur hoffen, dass der Lenker hier die Wahrheit sagt und das in seinem Sinne. Die SV Gutachten sind mehr als eindeutig und hier etwas anderes zu konstruieren wäre fatal. Zur Sache stehen, dass wäre angebracht. Nur so wird man auch irgendwann mit selbst als auch mit der Familie des Opfers Friedend finden....auch wird sich so eine Einsicht im Strafausmaß "positiv" bemerkbar machen...

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