Kärnten wähltRaumordner Resch: "Die freien Seezugänge sind erbärmlich"

Richard Resch, Experte für Raumordnung, will Kostenwahrheit bei Infrastrukturkosten. Die freien Seezugänge hält er für „erbärmlich“.

Einer der freien Seezugänge, den die Politik feiert
Einer der freien Seezugänge, den die Politik feiert © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

"Ist es am Wörthersee schon zu spät?“ Diese Frage stellte sich Richard Resch, als er vor zwei Jahren begann, die Gemeinde Velden in Fragen der Raumordnung zu beraten. Und mit dieser Frage eröffnete Chefredakteurstellvertreter Adolf Winkler auch das Expertengespräch zum Thema Raumordnung und Naturschutz. „Es ist nie zu spät“, lautete Reschs Konter. Dennoch gibt es Probleme, die er benennt: „Kärnten hat, wie andere Bundesländer auch, viel an Potenzial durch die Zweitwohnsitze verloren. Dazu treiben die Zweitwohnsitze mit zahlungskräftiger, internationaler Klientel die Grundstückspreise nach oben.“

Richard Resch im Gespräch mit Adolf Winkler
Richard Resch im Gespräch mit Adolf Winkler Foto © KLZ/Markus Traussnig

In Maria Wörth gibt es gut 50 Prozent Zweitwohnsitze, am Weißensee 46,3 Prozent. In Summe gibt es in Kärnten gut 70.000 Zweitwohnsitze – mehr, als Villach Einwohner hat. Dass es in Tirol eine Zweitwohnsitz-Grenze von acht Prozent gibt, hält Resch – zumindest rechtlich – auch in Kärnten für durchsetzbar. Eine kritische Masse, ab welchem Anteil die Last der Zweitwohnsitze zu groß werde, müsse die Politik definieren.
Zwischen 2001 und 2011 verdoppelte sich die Zahl der Zweitwohnsitze am Wörthersee – „vielfach als reine Kapitalanlagen“. Den Effekt für die Bauwirtschaft, den Zweitwohnsitze auslösen würden, bezeichnete Resch nur als kurzfristig. Die Belastung durch „Geisterstädte“ hätte aber negative Effekte für die Allgemeinheit, etwa bei den Kosten für die Infrastruktur – die vor allem in den Spitzenzeiten genutzt werde. Würde man in Velden eine kostendeckende Zweitwohnsitzabgabe einheben, würde sie drei Millionen Euro in die Gemeindekassa spülen, derzeit sind es 400.000 Euro. Das Prestige-Thema „Freie Seezugänge“ relativierte Resch. Bisher habe man in Kärnten zwar 18 Zugänge geschaffen, „aber jene drei in Velden sind erbärmliche Zugänge, das ist kein Aushängeschild“.

Insgesamt forderte Resch von der Kärntner Politik eine gesamte Strategie über Baulandentwicklung ein – und bundesweit ein „einheitliches Raumordnungesetz, das man da und dort spezifizieren könnte“. Entwicklungsstrategien müsse man von der Gemeinde auf die zumindest regionale Ebene heben. „Sonst wird umgesetzt, wo die Behörde am liberalsten ist.“

Und: Resch ließ mit einer unpopulären Forderung aufhorchen. „Wer ein Einfamilienhaus hat, verursacht ein Vielfaches an Kosten für die Allgemeinheit, das muss ausgeglichen werden, gegenüber jenen, die im Geschoßbau und nicht im Luxus wohnen.“ Denn über höhere Anschlusskosten und Abgaben „gehe sich das nie kostenwahr aus“.
Raumordnung, so Resch’ Fazit, funktioniere nur über engagierte Bürger und Politik. „Und es braucht eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema.“

Die Positionen der Parteien zum Thema Raumordnung

 

SPÖ, Peter Kaiser: Wir wollen freie Seezugänge schaffen, eine Verbauung des Wörthersee-Ufers mit einem Entwicklungsplan verhindern. Um die Nutzungskonflikte um Hauptwohnsitze/Hotelbetten/Zweitwohnsitze zu lösen, wollen wir ein neues Raumordnungsgesetz. Der Ausdünnung der Ortskerne begegnen wir mit dem neuen Wohnbauförderungsgesetz, das mit Sanierungen Bauen im Bestand fördert. Die ÖBB müssen die erarbeitete Tunnelkette nördlich des Wörthersees planen. 

FPÖ, Gernot Darmann: Gemeinden sollen Widmungen, die innerhalb des örtlichen Entwicklungskonzeptes durchgeführt werden, alleine abwickeln, das wäre eine Verwaltungsvereinfachung. Bei der Seen-Verbauung ist entscheidend, dass eine rein touristische Nutzung erfolgt und nicht Zweitwohnsitze entstehen. Die noch freien Seezugänge sind zu erhalten. Entlang des Wörthersees schlagen wir eine einspurige Tunnelvariante für den Güterverkehr vor

ÖVP, Christian Benger: Raumplanung bedarf eines strategischen Flächenmanagements. Wir brauchen die Sicherung landwirtschaftlicher Nutzung und Waldbewirtschaftung und Entwicklungsgebiete für Wind- oder Wasserkraft, Industrie und Tourismus. In den Innenstädten und Dörfern ist der Innenentwicklung Vorrang gegenüber Flächenausweisungen einzuräumen. Die Bahnstrecke darf weder durch Schlafzimmer der Städter führen noch touristische Zonen belasten.

Grüne, Rolf Holub: Ich kämpfe gegen die Verbauung der Seeufer und Berggebiete. Wir wollen den Wildwuchs an Appartements bremsen, die Zersiedelung stoppen. Es braucht effektive Lärmschutzmaßnahmen bei Bahn und Straße. Uns ist die Entwicklung der Ortszentren und der Ausbau der Infrastruktur mit Nahversorgern, öffentlichen Verkehrsmitteln, Radwegen, dezentralen erneuerbaren Energien wichtig. Wir wollen einen Baukulturbeirat, der auf das Landschaftsbild achtet.

Team Kärnten, Gerhard Köfer: Raumordnung, Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft sollen künftig als ein Referat behandelt werden.
Rückwidmungen sollten gesetzlich möglich sein, wenn innerhalb von zehn Jahren nicht gebaut wurde. Die Zweitwohnsitzabgabe gehört abgeschafft, Kleinschulen wiedereröffnet, für Ortskerne muss es Wiederbelebungsmaßnahmen geben. Transitrouten sind, soweit technisch möglich, als Unterflurtrassen zu führen.

Kommentare (1)

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orbil
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Lesenswert?

Kaiser findet diese kleinen Seezugänge aber super


klein, fein und pflegeleicht und abzocken kann man die Bürger ja mit Parkgebühren.

Den großen am Maltschachersee will er sogar verkaufen

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