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Kärnten

HCB-D im Trinkwasser: Keiner informierte Bürger

Stadtwerke Klagenfurt und Land verteidigen Vorgehensweise nach HCB-D-Fund in Trinkwasseranlage. Kontaminierung überstieg damals den Richtwert für Gewässer.

Der in Brückl gelagerte Blaukalk verunreinigt die Gurk flussabwärts und das Grundwasser
Der in Brückl gelagerte Blaukalk verunreinigt die Gurk flussabwärts und das Grundwasser © KLZ/Markus Traussnig
 

Eines kann kaum noch von der Hand gewiesen werden. Die Klagenfurter – und theoretisch auch alle umliegenden Gemeinden – hatten ab der Öffnung des Wasserwerks Rain im Jahr 1999 bis zur Schließung im September 2014 HCB-D-kontaminiertes Wasser in ihren Leitungen. Zwar wurde in all den Jahren durchgehend ein negativer Wert des Umweltgiftes Hexachlorbenzol (HCB) gemessen, auf das wasserlösliche HCB-D hin hat man erst Ende 2014 getestet. Den Stein ins Rollen brachte ein Gutachten, dessen Inhalt die Klagenfurter Stadtwerke Anfang der Woche veröffentlichten.

Stadtwerke

Der damalige Vorstand, Romed Karré, hat nach Bekanntwerden des vom Görtschitztal ausgehenden HCB-Skandals eine Überprüfung des Klagenfurter Wassers in Auftrag gegeben. Ein deutsches Institut hat daraufhin erstmals einen HCB-D-Test durchgeführt und wurde prompt fündig. 0,2 Mikrogramm auf einen Liter wurden laut Gutachten gemessen.

Informationsfluss

Nachdem laut Stadtwerken die Landesregierung in Form des damaligen Krisenkoordinators Albert Kreiner und der Magistrat Klagenfurt informiert wurden, sah sich niemand veranlasst, diese Information an die Öffentlichkeit weiterzugeben.

Grenzwert

Land, Stadt und Stadtwerke-Vorstand Karré sehen auch rückwirkend keinen Handlungsbedarf, immerhin sei „der Grenzwert nicht überschritten worden“, heißt es deckungsgleich. Allerdings gibt es für HCB-D im Trinkwasser gar keinen Grenzwert, sondern lediglich einen Richtwert. Laut Landes-Umweltbericht von 1999 sollte HCB-D in Gewässern „in nicht höherer Konzentration als 0,1 Mikrogramm pro Liter“ vorkommen – also deutlich weniger, als in der Anlage Rain gefunden wurde. Bei der jüngsten Messung im Mai waren es ebenfalls 0,23 Mikrogramm.

Altlast

Bekannt ist das Problem schon lange. Seit 1909 erzeugt die Donau Chemie in Brückl chemische Grundstoffe der Chlorchemie. Dadurch fielen im Laufe der Jahre enorme Mengen an Nebenprodukten an, über deren Gefahren für Umwelt und/oder Menschen man vorerst nicht Bescheid wusste. 1910 wurde mit der Befüllung der Deponie K 5 begonnen, 1926 mit der Altlast K 20.

Auszug aus einem Bericht des Umweltbundesamtes über die Altlast K 5 in Brückl aus dem Jahr 1998
Auszug aus einem Bericht des Umweltbundesamtes über die Altlast K 5 in Brückl aus dem Jahr 1998 Foto © KK

Umweltbundesamt

Die beiden Altlasten, in denen Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) vorkommen, wurden vom Umweltbundesamt als gefährliche Deponien mit der Priorität 1 ausgewiesen – K 5 im Jahr 1993, K 20 im Jahr 2000. Im Bericht über die Altlast K 20 aus dem Jahr 2003 heißt es, dass grundwasserstromabwärts „die Kernzone des Grundwasserschongebietes Klagenfurt-Ost’“ beginnt, und: „Die Analysenergebnisse von Schöpfproben aus dem Grundwasser im Bereich der Deponiesohle bestätigen, dass massiv belastete Sickerwässer ins Grundwasser gelangen.“ Von einer massiven Grundwasserverunreinigung und erheblichen Gefahr für die Umwelt ist die Rede.

Auszug aus einem Bericht des Umweltbundesamtes über die Altlast K 20 in Brückl aus dem Jahr 2003
Auszug aus einem Bericht des Umweltbundesamtes über die Altlast K 20 in Brückl aus dem Jahr 2003 Foto © KK

Land

Das Land wusste vom Problem mit HCB-D nachweislich in den 1990er-Jahren. Denn im Umweltbericht 1999 ist festgehalten, dass bereits 1989 das Wasser in der Gurk durch die Altlast K 5 mit HCB-D verunreinigt werde.

„Jetzt jede Wasserstelle genau prüfen“

Wenn man das Wasser der Gurk testet und dann ein Fischereiverbot erlässt, das bereits seit vielen Jahren gilt, hätte man früher auf die Idee kommen können, sich das Trinkwasser genauer anzuschauen. Herwig Schuster, Chemiker bei Greenpeace, ist über das Vorgehen mit der HCB-D-Belastung des Trinkwasserbrunnens Rain verwundert. „Rein rechtlich muss der Wasserversorger auf die Qualität seines Wassers achten“, sagt Schuster.

Die Stadtwerke Klagenfurt haben im Dezember 2014 von der HCB-D-Belastung erfahren, die Öffentlichkeit aber nicht informiert. „Spätestens da hätte man etwas sagen müssen“, findet Schuster. Auch das Land hätte nach Erlass des Fischereiverbotes für die Gurk bei Brückl die Brunnenbetreiber informieren müssen. Schuster rät, sich „alle Wasserentnahmestellen nach Brückl genau anzusehen“.

Mit einer Gesundheitsgefährdung infolge des Konsums des HCB-D-verunreinigten Wassers rechnet der Greenpeace-Chemiker nicht. „Der Brunnen war einer von mehreren, der die Trinkwasserversorgung Klagenfurts gespeist hat. Durch die Verdünnung halte ich die Gefährdung für die Bevölkerung für sehr, sehr gering“, sagt Schuster. Die Trinkwasserverordnung der EU hat die Nachlässigkeit bei dem Thema forciert. „HCB-D steht nicht in dieser Verordnung. Das Trinkwasser wird daher auch nicht auf diesen Stoff geprüft“, sagt Schuster. Es gibt auch keine Grenz-, sondern nur Richtwerte. Im Unterschied zum kaum wasserlöslichen HCB.

JOCHEN HABICH

Kommentare (2)

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archiv
0
12
Lesenswert?

Informationsfluss............Widersprüche und Geheimakten???


Aus dem aktuellen Bericht:
Nachdem laut Stadtwerken die Landesregierung in Form des damaligen Krisenkoordinators Albert Kreiner und der Magistrat Klagenfurt informiert wurden, sah sich niemand veranlasst, diese Information an die Öffentlichkeit weiterzugeben.

Am 25.08.2016 war in der Kl-Z. dazu unter - Wer hat von den erhöhten Werten der Anlage Rain gewusst - zu lesen:

Hier wird es widersprüchlich. Laut dem ehemaligen HCB-Krisenkoordinator Albert Kreiner des Landes wurden die zuständigen Abteilungen Umwelt und Gesundheit informiert. Im Büro von Landesrat und Umweltreferent Rolf Holub wird das bestätigt, laut Auskunft des Büros von Landeshauptmannstellvertreterin und Gesundheitsreferentin Beate Prettner habe man zu keiner Zeit von den erhöhten Werten gewusst.
Auch der Magistrat Klagenfurt sei laut Kreiner zu jeder Zeit über Proben und Werte informiert worden.
Von der Gesundheitsabteilung im Rathaus wird das auf Nachfrage bestritten.

Facit: Da ist umgehend einiges aufzuklären - oder?

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galli
0
7
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mich

wundert in Kärnten gar nix mehr... Und aufgeklärt wird das wie bei der hypo.. nämlich gar nicht.

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