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Sommmergespräch Ulli Sima: "Sehnsucht zurück nach Kärnten hatte ich nie"

Ulli Sima ist seit 15 Jahren Wiener Stadträtin. Jeden Sommer kehrt die Enkelin von Landeshauptmann Hans Sima zurück an den Wörthersee. Bis zur Pension will sie nicht Politikerin sein.

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Sommergespraech Ulli Sima Krumpendorf Juli 2019
Sima über den Wörthersee: „War der immer so türkis?“ © Markus Traussnig
 

Wenn Sie Urlaub in Kärnten machen – ist das Urlaub in der Heimat oder Urlaub in der Fremde?
ULLI SIMA: In erster Linie Urlaub bei der Familie und ein bisschen in der Jugend. Man ist wieder dort, wo man mit 15 das erste Mal fortgegangen ist, man fühlt sich wieder jung – ein Kärnten-Urlaub ist eine Art „virtuelle Verjüngungskur“ für mich.

Der Name Sima hat Kärnten geprägt, Kärnten hat aber auch Spuren in Ihrer Familie hinterlassen.
Ich bin da in friedvoller Ignoranz aufgewachsen. Natürlich wurde ich immer wieder auf meinen Großvater angesprochen, mir war klar, dass er ein wichtiger Mann war. Aber das mit dem Ortstafelsturm habe ich erst später verstanden.

Echt, Sie haben das verstanden?
Okay, erfahren, was da lief.

Zur Person

Ulli Sima (50) wuchs in Klagenfurt und Luxemburg auf. Sie ist die Enkelin von Hans Sima, der von 1965 bis 1974 Landeshauptmann von Kärnten war. Nach dem Studium der Molekularbiologie arbeitete sie bei Global 2000, 1999 zog sie für die SPÖ in den Nationalrat ein, 2004 wurde sie Wiener Umweltstadträtin. Mittlerweile ist sie auch für Stadtwerke und Tierschutz zuständig.
Privat: Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.


Sie kennen die Bilder, auf denen Ihre Großeltern in Völkermarkt mit Tomaten beworfen werden. Hat Sie dieser Hass nie daran gehindert, Politikerin zu werden?
Ich wollte ja nicht in der vierten Volksschule Berufspolitikerin werden. Ich bin über die Hochschülerschaft zur Politik gekommen. Ich war da engagiert, mittlerweile wunder’ ich mich, dass ich mein Studium beendet habe. Erst nach der Zeit bei Global 2000 holte mich Viktor Klima in die Politik. Aber für meinen Großvater war der Ortstafelsturm traumatisch. Als ich schon im Nationalrat war und ihn besuchte, redete er jedes Mal von vier Stunden dreieinhalb über die Ortstafeln. Sein Leben war bis zu seinem Tod von diesem Thema bestimmt.
Privat
Hans Sima (rechts) bei seiner Wahl zum Landeshauptmann 1965 © Privat

Er grenzte die SPÖ immer klar zur FPÖ ab. Macht das die SPÖ noch ausreichend?
Ich bin Teil der Wiener SPÖ – und da gibt es eine ganz klare Grenze. Und zwar mit gutem Grund. Wir haben gerade gesehen, wie Strache und Gudenus, die von dort kommen, Bereitschaft zur Korruption zeigen.

Der Zuzug der letzten Jahre erforderte von der Wiener Regierung Maßnahmen, die aus dem FPÖ-Programm stammen könnten.
Eben nicht. Die FPÖ fordert immer Integrationsmaßnahmen, stimmt dann aber nie mit. Wir wollten eine einheitliche Mindestsicherung, damit es keinen Pull-Faktor in die Stadt gibt, aber da machten einige ÖVP- Bundesländer nicht mit. Gleichzeitig haben wir 13.000 Leute, die auf einen Deutschkurs warten, eben weil die Bundesregierung die Gelder gestrichen hat.

Der andere Pull-Faktor betrifft junge Menschen im Land. Warum sind Sie weg, aber nicht zurück?
Das war mir wohl in der vierten Volksschule klar! Ich wollte nach Wien, auch wenn ich damals noch nie dort war. Ich habe dann extra ein Studium gesucht, das es in Graz nicht gab. Diese ,Sehnsucht zurück‘ kam wohl erst eine Generation später, aus meiner Runde sind alle in Wien geblieben.

Was veränderte sich in 33 Jahren, die Sie weg sind aus Kärnten?
Landeshauptmann Peter Kaiser macht einen großartigen Job für das Land! Er musste die Scherben, die die FPÖ hinterlassen hat, kitten. Und die Abkehr von der Showpolitik tut dem Land gut. Das gastronomische Angebot ist sensationell – aber ich kann mich nicht erinnern: War der See immer schon so türkis?

Sie setzten in den letzten Jahren zwei umstrittene Maßnahmen in Wien – die Verschärfungen bei den Kampfhunden und das Essverbot in der U-Bahn.
Das stimmt nicht, die Maßnahmen haben breite Zustimmung in der Bevölkerung! Bei den Verschärfungen für die Kampfhundehalter geht es darum, dass wir nach dem tragischen Tod eines Kleinkindes nach einer Kampfhunde-Attacke Maulkorb und Leine vorgeschrieben haben. Mir geht es um die Sicherheit der Kinder in unserer Stadt. Eine kleine, gut organisierte Gruppe aus dem FPÖ-Umfeld versucht, mit verkürzten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten Stimmung zu machen und distanziert sich dann halbherzig. Bei Hetzpostings, Drohungen und Falschmeldungen gehen wir rigoros vor, da wird geklagt. Und zum Essverbot: Die Fahrgäste sind hochzufrieden. Es geht ums Miteinander. Vor 20 Jahren war es undenkbar, dass dir jemand in der knackevollen U6 seine Pizza unter die Nase gehalten hätte und zudem die U-Bahn verschmutzt. Da mussten wir reagieren.
Sommergespraech Ulli Sima Krumpendorf Juli 2019
Ulli Sima beim Sommergespräch mit Thomas Cik von der Kleinen Zeitung Foto © Markus Traussnig

Sind Sie als Öffi-Stadträtin mit dem Zug zum Urlaub an den Wörthersee gekommen?
Nein, wir waren zuvor am Meer. Aber zum Interview bin ich mit dem Rad gekommen.

Wie wird der Koralmtunnel Kärnten verändern. In einer Stunde ist man dann in Graz – für Wiener eine normale Pendelzeit.
Ich hoffe ja noch mehr auf den Semmeringtunnel, dann bin ich schneller in Kärnten. Als ich zum Studieren nach Wien bin, fuhr man 4:20 Stunden, jetzt sind es vier. In der gleichen Zeit ist man in Innsbruck. Da ist massiver Aufholbedarf.

Sie erwähnten schon die ÖH – die man im gesellschaftlichen Diskurs kaum wahrnimmt. Fehlt da mittelfristig eine Generation im politischen Diskurs?
Also ich nehm die Studentinnen und Studenten als aktiv und engagiert wahr. Aber was stimmt, ist, dass der Druck im Studium zunimmt, dann bleibt weniger Zeit, sich zu engagieren.

Sie sind seit 15 Jahren Stadträtin und damit am längsten im Amt.
Ich bin tatsächlich die Dienstälteste, aber nicht die Älteste in der Regierung. Das hat den Vorteil, viele Projekte durch die Kontinuität zu einem guten Abschluss bringen zu können.
FOTOTERMIN 'ERFRISCHENDE SOMMER - AKTION IN DEN OeFFIS': SIMA
Seit 15 Jahren ist Sima Stadträtin in Wien - und dabei auch für die Öffis zuständig Foto © APA/HERBERT PFARRHOFER

Haben Sie einen Plan B? Oder hatten Sie ihn, als sich die Frage stellte, ob Michael Ludwig oder Andreas Schieder Wiener Bürgermeister wird?
Nein, ich denke, ich habe die letzten 15 Jahre gute Arbeit für die Stadt geleistet und mich sehr gefreut, wieder im Team des neuen Bürgermeisters zu sein. Ich beschäftige mich seit 20 Jahren sehr intensiv mit dem Umwelt- und Klimathema. Es freut mich, dass der Klimaschutz nun für viele relevant geworden ist – es gibt viel zu tun!

Eva Glawischnig ging zu Novomatic, Christoph Chorherr dockte bei der Immobilien-Branche an, die er einst kritisierte. Und Alfred Gusenbauer berät Despoten. Schadet das der Politik?
Die Frage nach dem Gewissen müssen Sie den betroffenen Personen bitte selber stellen. Ich verteidige niemanden, aber klar ist leider: Egal, was du nach dem aktiven politischen Leben machst, es wäre falsch. In meinem sehr breiten Aufgabenfeld und vielen Querschnittsmaterien – von den Öffis über die Energie bis hin zur Abfallwirtschaft – könnte ich wohl gar nichts machen, ohne Kritik der Unvereinbarkeit zu ernten.

Also Politikerin bis zur Pension?
(lacht) Sicher nicht!

Kommentare (4)

Kommentieren
eveline49
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Bitte

Das wäre mein größter Wunsch, das diese Frau nie nach Kärnten kommt. Bis jetzt ging es auch ohne ihr.

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MoritzderKater
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vor lauter Eifer......

...... Frau Sima ans Zeug zu flicken......

"Bis jetzt ging es auch ohne SIE .......". wenn schon ;-(

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wahrheitverpflichtet
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nur eines zählt....

IHRE MENSCHLICHKEIT UND SOZIALE EINSTELLUNG! Haben Sie angst vor starken Intelligenten Frauen? WIE KOMMEN sie ÜBERHAUPT DAZU solch eine aussagen zu schreiben ah fpöler oder övpler da gibt es ja kaum mehr unterscheide!

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zeus9020
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TIEFE DANKBARKEIT

Wenn man bedenkt, was diese Frau in Wien mit ihrer Hunde-Hass-Anlassgesetzgebung angerichtet hat, so empfinde ich tiefen Dank, dass sie sich möglichst von Kärnten weiterhin und dauerhaft fernhält!

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