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GerichtsprozessSo geht es in der Klagenfurter Drogenszene zu

Drogendealer aus Nigeria gab am Donnerstag am Landesgericht Einblicke in seine Geschäftspraktiken. Aussagen von zahlreichen Klagenfurter Kokain-Konsumenten erschütterten.

Der Angeklagte verstrickte sich vor Gericht immer wieder in Widersprüche © Klz/Odebrecht
 

Ein Mann ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt wegen Drogenhandels, unerlaubten Umgangs mit Suchtmitteln, Hehlerei und Erschleichung von Sozialleistungen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwältin verzichteten auf Rechtsmittel. Das Urteil ist somit rechtskräftig.

Dem aus Nigeria stammenden Angeklagten wurde vorgeworfen, von September 2017 bis März 2018 in Klagenfurt Kokain gewerbsmäßig verkauft sowie 30 Mobiltelefone und 20 Laptops im Gesamtwert von mehr als 37.000 Euro verhehlt zu haben. Darüber hinaus soll er Sozialleistungen aus der Grundversorgung des Landes Kärnten von mehr als 12.000 Euro unberechtigt in Anspruch genommen haben.

Der Angeklagte gab in der Einvernahme durch Richter Manfred Herrnhofer und nach zahlreichen Zeugenbefragungen den gewerbsmäßigen Drogenverkauf zu. Das Geld habe er seinem Freund, von dem er auch das Kokain bekommen habe, geben müssen, sagte er. Er wisse nicht, woher dieser die Drogen hatte. Weiters bekannte er sich schuldig, einen falschen Namen und eine falsche Nationalität angegeben und damit Sozialleistungen erhalten zu haben. Der Mann hatte gegenüber den Asylbehörden in Traiskirchen den westafrikanischen Staat Togo als Nationalität genannt, in der Hauptverhandlung am Donnerstag sagte er schließlich, dass Nigeria seine Heimat sei.

Weiters erklärte er, sein Geburtsdatum nicht zu wissen. Gegenüber den Behörden in Österreich und Spanien hatte er unterschiedliche Daten angegeben. 2014 hatte er ein für fünf Jahre geltendes Aufenthaltsverbot für Österreich erhalten. Die Hehlerei hingegen bestritt der Angeklagte. Mit den elektronischen Geräten, die in seinem Keller gefunden wurden, habe er nichts zu tun, sagte er.

Mehrere Zeugen erklärten übereinstimmend, beim Angeklagten, der sich seit seiner Festnahme im April dieses Jahres in U-Haft befindet, ab dem Jahr 2017 Drogen gekauft zu haben. So gab ein Zeuge an, den Angeklagten seit drei Jahren aus dem Klagenfurter Stadtteil St. Ruprecht zu kennen. Der Zeuge, gegen den ein Ermittlungsverfahren geführt wird, hat nach eigenen Angaben Einbruchsdiebstähle begangen, mehr als 20 Mobiltelefone und Laptops dem Angeklagten übergeben und dafür Kokain bekommen. In Summe dürften es etwa 50 Kugeln Kokain gewesen zu sein, eine davon im Wert von 40 Euro, sagte der Zeuge.

Ein weiterer Zeuge berichtete von Hotspots in Klagenfurt, wo man bestimmte Personen nach Suchtgift fragen könne. An einem solchen Ort habe er den Angeklagten getroffen und in der Folge regelmäßig Kokain gekauft, etwa dreißigmal in Summe. Eine junge Frau hat ebenfalls Kokain bezogen. Von einem Bekannten hatte sie die Telefonnummer des Angeklagten bekommen und gemeinsam mit einer Freundin 15 bis 20 Mal das Suchtgift gekauft.

Für Staatsanwältin Sandra Agnoli war die Beweislage für den Angeklagten, der unter anderen Namen wegen Gewaltdelikten und Drogenbesitzes sowie wegen Urkundendelikten vorbestraft ist, erdrückend. Der Mann lebe seit Jahren illegal in der EU und lebe von Straftaten, vorrangig vom Drogenhandel. "Er ist natürlich ein kleiner Fisch, aber wie jeder kleine Fisch erhält er das System am Leben", sagte Agnoli. Die Verteidigung bat um eine milde Strafe.

Sein Geständnis habe dem Angeklagten eine höhere Strafe erspart, sagte Herrnhofer. Es liege aber ein Fall vor, bei dem über einen langen Zeitraum vielen Personen eine harte Droge gewinnbringend weiterverkauft worden sei. Darüber hinaus sei der Angeklagte mit Drogen erwischt worden und habe elektronische Geräte für Drogen bekommen. Das Gericht glaube nämlich dem Zeugen, der das ausgesagt habe, so der Richter. Erschwerend sei auch das Zusammenfallen von zwei Verbrechen und zwei Vergehen.

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