Klinikum KlagenfurtVerdacht auf Missbrauch: Kinderarzt angeklagt

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Patienten muss sich ein Kinderarzt vor Gericht verantworten. Das Krankenhaus hat ihn entlassen. Der Mann ist entsetzt über die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat Anklage gegen den Mann erhoben © Helmuth Weichselbraun
 

Ein Kinderarzt wurde Ende 2017 vom Klinikum Klagenfurt entlassen. Nun ist klar warum: Gegen den Mann gibt es schwere Vorwürfe. Er soll sich bei einer Untersuchung an einem minderjährigen Patienten vergangen haben. Das Spital erstattete selbst Anzeige.

„Wir haben Anklage wegen sexuellen Missbrauchs erhoben“, bestätigt die Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Der Mediziner wehrt sich gegen die Anschuldigung. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Der Vorfall ereignete sich im Jahr 2016: Ein zwölfjähriger Bub kam wegen Bauchschmerzen ins Spital und wurde vom Angeklagten behandelt. Die Mutter des Buben war währenddessen bei der Krankenschwester und gab die Daten an. Der Bub lag im selben Raum hinter einem Paravent: Sichtkontakt zu Mutter und Pflegerin gab es keinen, steht in der Anklage. Der Arzt habe den Buben untersucht und ihn dabei missbraucht. „Er hat seine Position als Arzt ausgenützt und eine geschlechtliche Handlung durchgeführt“, steht in der Anklage. Das sei eine normale Genitaluntersuchung gewesen, die laut internen Ablauf durchzuführen ist, kontert hingegen Bernd Peck, der Anwalt des Arztes. „Es war eine Heilbehandlung, keine geschlechtliche Handlung.“ Bei dem Buben wurde eine Vorhautverengung diagnostiziert. Wegen der Bauchschmerzen war er kurzfristig stationär im Spital.

Etwa eineinhalb Jahre später kam der Bub erneut ins Klinikum. Er sagte sofort, dass er von keinem Mann untersucht werden will. Als der Bub zufällig den Angeklagten sah, wurde er unruhig und versuchte sich zu verstecken. So flog die Sache auf. Wenig später wurde der Arzt entlassen. Der Bub ist aus Sicht der Anklagebehörde absolut glaubwürdig.

Dazu kommt, dass es schon zuvor Verdächtigungen gegen den Arzt gab: Es waren meist anonyme interne Hinweise – etwa wegen „ungewöhnlicher Untersuchungsmethoden“. Es fiel auch eine Aussage, wonach der Arzt „zu häufig und in unüblicher Art Genitaluntersuchungen mache“. Das wurde im Krankenhaus überprüft, war aber offenbar nicht belegbar. Laut Anklage gab es im Klinikum Gespräche mit dem Arzt, bei denen er „aufgefordert wurde, Maß und Intensität der Genitaluntersuchungen zu reduzieren“.

Therapie

„Mein Mandant hat wohl fachlich angeeckt. Er war Außenseiter, es wurde ihm ein Ruf angedichtet“, sagt Peck. „Vielleicht gibt es da eine Übersensibilisierung und er wird deshalb zu Unrecht kriminalisiert.“ Das sei schlimm für den Arzt.

Heftige Kritik kommt von Georg Schuchlenz, dem Anwalt des Buben. „Ich habe seinerzeit die Missbrauchsopfer von Ex-Primar Franz Wurst vertreten. Damals hieß es in allen Gutachten, dass derartige Untersuchungen bei Kindern im Beisein von Krankenpflegern durchzuführen sind. Warum ist das nicht passiert?“ Er meint weiter: „Es gab schon länger Verdachtsmomente. Man wusste offenbar, wie es um den Arzt steht.“ Schuchlenz hofft nun, dass sich einer der anonymen Hinweisgeber bei ihm meldet, um mehr zu erfahren. Der Bub sei  mittlerweile in Therapie gewesen, betont der Anwalt.

Vom Klinikum gab es auf Anfrage der Kleinen Zeitung keine Stellungnahme zu dem Fall. Die Anklage gegen den Arzt ist noch nicht rechtskräftig. Der Anwalt des Mediziners hat jedoch angekündigt, auf Einspruch gegen die Anklage zu verzichen. Prozesstermin gibt es noch keinen.

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass zu diesem Artikel keine Kommentare erstellt werden können.

Forenregeln lesen