KlagenfurtMit "Kalorienbomben" wieder dick im Geschäft

Vor 15 Jahren stand die Konditorei Fahrnberger in der Krise. Mit dem Besinnen auf die eigene Stärke fand man zurück zum Erfolg.

Paul Fahrnberger übernahm den Familienbetrieb von seiner Tante Gerlind und führt ihn nun gemeinsam mit seiner Ehefrau Lidia
Paul Fahrnberger übernahm den Familienbetrieb von seiner Tante Gerlind und führt ihn nun gemeinsam mit seiner Ehefrau Lidia © ©helgebauer
 

Kaffeehaus, das bedeutet für Millennials ein laktosefreier Latte Macchiato und ein Cookie. Glutenfrei und fettreduziert freilich. Kaffeehaus, wie es Paul Fahrnberger versteht, bedeutet hingegen Sachertorte mit einer üppigen Portion Schlag, einem klassischen Verlängerten – und zum Abschluss gerne einem Glas Sekt-Orange.

Alles Bestandteile einer Kaffeehaus-Kultur, die selten wurde und mit der Fahrnberger für das über 80 Jahre alte Familienunternehmen in den letzten Jahren eine zukunftsträchtige Nische gefunden hat. „Wir schreiben beständig schwarze Zahlen, konnten vor wenigen Wochen auch den ersten von drei Standorten sanieren und haben noch viele Pläne“, berichtet der Unternehmer.

Doch er gibt auch zu, dass es nicht immer so war. „Als ich mich vor bald 15 Jahren für die Firma, die damals meine Tante führte, zu interessieren begann, passte zwar bei der Qualität der Produkte alles, bei den Zahlen vieles aber nicht.“ Die Kostenstruktur bei zwischenzeitlich neun Filialen lief aus dem Ruder, den Rest erledigten Mitarbeiter, die die Gutmütigkeit ausnutzten. „Wir haben uns schließlich konsolidiert und auf die Stärken besonnen“, nennt Fahrnberger das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs, zu dem auch die Geheimnisse der Backstube gehören. Denn wer dann vor der Mehlspeisen-Theke steht, zählt nicht im Kopf die Kalorien zusammen. „Wir verkaufen Genuss, schließlich gehören wir zu den letzten Konditoren, die jeden Schritt noch von Hand machen“, sagt Fahrnberger. Dass er statt mit zehn Mitarbeitern in der Backstube auch mit dreien auskommen würde, wenn er mit Eierpulver und Dosen-Obst arbeiten würde, weiß er wohl, „nur würde das kein halbes Jahr gut gehen“. Chefin in der Backstube ist übrigens seine Frau Lidia. „Aus einer Vertrauensfreundschaft wurde die Lebensliebe“, erzählt Fahrnberger. Auch beim Interieur in seinen drei Konditoreien hält er es bewusst klassisch, mit kleinen runden Tischen mit Marmorplatten, Holzvertäfelten Sitzecken.

Erfolg mit heimischen Zutaten

Das Thema Innovation sieht Fahrnberger kritisch. „Cakepops oder Macarons haben wir ausprobiert – es interessierte niemanden.“ Als er hingegen die Kärntner Torte mit Hadn-Mehl und Grantnschleck kreierte, sprangen die Kunden an. „Weil wir hier innerhalb unseres authentischen Rahmens blieben.“ Dazu gehört übrigens auch eine Beschränkung der KrapfenSaison. „Spätestens zwei Wochen nach Aschermittwoch ist Schluss.“

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