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Kärntner in NotErinnerungen an kleine und große Notfälle

20 Jahre „Kärntner in Not“: Dahinter stehen ungezählte Schicksale und abertausende Spender. Wie wir Ihr Geld „veranlagten“.

Die Kärntner Vierlinge: Raphael, Luca, Moritz und Leonie (von links nach rechts) KK/PRIVAT © Privat
 

Großherzige Menschen in und außerhalb Kärntens haben uns seit Dezember 2000 10,3 Millionen Euro anvertraut, damit wir Hilfsbedürftigen zur Seite stehen. Das haben wir nach bestem Wissen und Gewissen getan, seit 2010 legen wir als spendenbegünstigter Verein jährlich dem Finanzministerium Rechenschaft ab.

„Kärntner in Not“ ist grundsätzlich Anlaufstelle für Menschen in jedweder Notsituation, eine Ablehnung passiert meist nur, wenn die gesetzlichen Anspruchskriterien nicht gegeben sind, an die wir uns strikt halten müssen. Unsere Hilfsprojekte haben eine unglaubliche Bandbreite, das vordringlichste Bemühen ist Nachhaltigkeit. Hier ein paar markante Beispiele.

Am „Nest“ für die Vierlinge mitgebaut

Die positive Geschichte des Jahres 2006 waren die Vierlinge, die Franziska Gütler am 6. Juni zur Welt brachte. Wenn man schon drei (kleinere) Kinder hat, ist solch ein Geschenk aber auch Last. Im Alltag sowieso, erst recht finanziell. Rasch war klar, dass Franziska und Mario Gütler – so tüchtig sie waren und trotz familiärer Hilfe – die Kosten für den notwendigen Zubau nicht allein würden stemmen können. Also rief „Kärntner in Not“ zu einer „Fertigstellungsaktion“, die einmal mehr zeigte, wie viel Hilfsbereitschaft in diesem Land steckt. Familie Gütler und Kleine Zeitung dankten danach bei Würstel und Kuchen allen Sponsoren und Helfern, der ersten Party ihrer vier kleinen „Würstchen“.

Heute haben Raphael, Luca, Moritz und Leonie die Kindheit abgestreift und sind vier selbstbewusste Vierzehneinhalbjährige. „Jeder mit seiner eigenen Persönlichkeit, zwei von ihnen schon etwas erwachsener“, sagt Mutter Franziska. Bald steht die Qual der Berufswahl an, „doch wer weiß in diesem Alter, was er wirklich will?“ Das kennt die Mutter aus eigener Erfahrung, die selbst vor ein paar Jahren den Umstieg zur diplomierten Sozialbetreuerin in der Behindertenbegleitung schaffte. Den Alltag schildert sie durch gute Logistik als weniger schlimm, als man sich vorstellen würde. Der pure Horror war nur, als fünf ihrer Kinder nacheinander an Schafblattern erkrankten: „Drei Monate war ich praktisch kaserniert“. Heute würde man Lockdown dazu sagen.

Luca trotzt mit einem unglaublichen Kämpferherz seinem Schicksal Foto © RETTET DAS KIND

„Er kann von Herzen lachen“

Der kleine Luca musste schon als Säugling fünf schwere Operationen über sich ergehen lassen, die Nieren mussten entfernt werden. Monate verbrachte er an Dialyseschläuche gehängt in einer Spezialklinik, die nicht in Kärnten lag. Die hingebungsvolle Mutter besuchte ihn jeden zweiten Tag. Durch die Übernahme der Fahrt- und Aufenthaltskosten durch „Kärntner in Not“ konnte ihr zumindest monetär geholfen werden. „Ich bin heute noch froh darüber“, sagt die Mutter, die Luca nun zu Hause betreut. Drei Nierentransplantationen hat der Bub schon hinter sich, von der zweiten trug er Hirnschäden davon. Die schweren Medikamente und etwa 100 Narkosen haben Nebenwirkungen, er hat immer noch einen künstlichen Darmausgang. Doch Luca geht begeistert in die Schule, kann alle Buchstaben erkennen und bis zehn rechnen. „Er ist glücklich in seiner Haut. Er jammert nie“, sagt die Mutter. „Er ist sehr lebensfreudig, kann von Herzen lachen.“ In Kürze wird Luca ein Impulsgeber implantiert, zur Reduktion der epileptischen Anfälle. „Das wird er auch schaffen.“

RAUSCH
Hilfreich: die Delfin-Therapie © RAUSCH

„Therapien waren wertvoll“

Die zweijährige Theresa erlitt nach einem Sturz schwere Gehirnschäden, worüber wir im Anfangsjahr von „Kärntner in Not“ vor 20 Jahren berichtet haben. Das kleine Mädchen hatte keinen Schluckreflex mehr, konnte sich kaum mehr bewegen, litt an Spasmen und schweren epileptischen Anfällen. Es brauchte viele Therapien, um wieder sitzen zu können. „Kärntner in Not“ konnte damals mit einer Delfin-Therapie wertvolle Hilfe leisten. Heute sitzt Theresa im Rollstuhl und teilt sich ihrer Mutter durch Mimik und Gestik mit. „So verstehen wir uns, als ob sie reden könnte.“ Die spastische Tetraparese ist geblieben, aber Krämpfe und Anfälle sind zurückgegangen. „Wir machen täglich Bewegungsübungen, gehen schwimmen, damit sich der Zustand nicht verschlechtert“, sagt die dankbare Mutter: „Kärntner in Not ist eine wunderbare Einrichtung.“

Spenden gaben ihr Ort, „wo ich heilen konnte“

Als die 46-jährige Manuela sich in ihrer Notsituation an „Kärntner in Not“ wandte, hatte sie den Wendepunkt bereits hinter sich: Weil sie damals nämlich den Mut hatte, trotz einer schweren, unheilbaren Erkrankung „aus der Opferrolle auszusteigen, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen“, so ihr Rückblick heute. Sie sei den Lesern, die für sie gespendet hatten, sehr dankbar, weil sie ihr mit der Unterstützung ermöglichten, sich aus finanzieller Abhängigkeit zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Ihre mit diesen Mitteln ausgestattete barrierefreie Wohnung wurde zum „Ort, wo ich zur Ruhe kam und heilen konnte“, erzählt M. Ihre Krankheit begleitete sie weiter, aber die Therapien griffen. Als es ihr besser ging, wollte sie unbedingt etwas zurückgeben und begann, sich bei einer Hilfsorganisation ehrenamtlich zu engagieren. Ihre Bereitschaft, anderen zu helfen, hat sie so weit ausgeprägt, dass sie ein eigenes, neues Angebot aufgebaut hat.

 

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