Kärntner des Tages„Wir sind wirklich beste Freunde“

Peter Kaiser, der wiedergewählte Landeshauptmann, im Vater-Sohn Gespräch mit Luca (23) über Familienalltag, politische Unterschiede, Fußball und Emotionen.

© Weichselbraun
 

Luca, wie ist das für Sie, wenn Leute fragen, was Ihr Vater macht und Sie antworten: Er ist Landeshauptmann?
LUCA KAISER: Meist sag’ ich zuerst, dass er in der Politik ist, bevor ich die Funktion nenne. Am Anfang war es schwieriger, weil ich selbst nicht wusste, wie die neue Funktion einzuordnen ist und wie die Leute reagieren. Inzwischen ist es Normalität.

In welchen Momenten haben Sie sich gewünscht, Ihr Vater hätte einen ganz normalen Beruf?
LUCA KAISER: Lange war er ja Leiter des Jugendherbergsverbandes. So bin ich nach Amsterdam, Island gekommen. Jetzt komm’ ich auf den Magdalensberg, nach Bleiburg. Auch cool.

Wie beschreiben Sie Ihr Vater-Sohn, Sohn-Vater-Verhältnis?
LUCA KAISER: Es ist mehr beste Freunde, die sich über Privates wie Politisches sehr gerne und grenzenlos unterhalten können. als Vater-Sohn. Wir finden ineinander politische Korrektive.
PETER KAISER: Wir sind, angelehnt an den Filmtitel, wirklich beste Freunde. Natürlich gibt es auch das klassische Vater-Sohn-Verhältnis, wenn ich Sorge habe, ob’s ihm wohl gut geht. Ich schätze es sehr an Luca, dass er selbst für sein Auskommen sorgt, dass er arbeitet, nebenbei studiert und sich politisch engagiert. So wie ich in meiner Jugend. In seiner politischen Analysefähigkeit ist Luca viel weiter als ich es in diesem Alter war. Obwohl ich da Landesobmann der SP-Jugend war.

Ist Luca Ihr schärfster Kritiker?
PETER KAISER: Er ist für mich wichtiges politisches Korrektiv. Er kann mit mir sehr hart ins Gericht gehen. Gut so. Wobei die schärfsten Kritiker in meinem Mitarbeiterkreis sind. Weniger scharf, aber mit guten Ratschlägen steht mir Uli (Lebensgefährtin, Anm.) zur Seite.

Sie halten Kritik gut aus?
PETER KAISER: Ja. Ich freue mich über Kritik, Verbesserungsvorschläge, denke drüber nach, gerade beim Laufen.

Herr Landeshauptmann, Ihr Vater starb an Krebs, als Sie zwölf waren. An wem haben Sie sich als Kind und Jugendlicher orientiert?
PETER KAISER: Ich bin in Waidmannsdorf in einer Siedlung im Hof aufgewachsen. Da hat man sich an den Älteren mitorientiert. Die große Stütze war meine Mutter, die alles abgedeckt und ersetzt hat.

Was ist typisch für Sie beide?
LUCA KAISER: Sport schaun, politisch diskutieren und die Internationale singen.
PETER KAISER: Wir kennen keine Sekunde Langeweile. Wenn ich eine Wahl gewonnen habe und wir eine gemeinsame Sporteinheit machen, dann läuft Luca zur Belohnung für mich langsamer.

Wie kann man sich den Alltag in der Patchwork-Familie Kaiser-Wehr vorstellen?
PETER KAISER: Meist sind wir alle verstreut. Uli und ich sind Frühaufsteher. Wenn Luca da ist, hat er in der Früh längere Ruhephasen. Da beginnt seine Fortgehzeit, wenn ich zu Bett gehe.
Wobei geraten Sie sich in die Haare?
LUCA KAISER: Ich bin weniger Austria Klagenfurt-Fan als er. Ich habe mich in Richtung SAK orientiert, wo ich als Links-Außen-Flügel gespielt habe.

Wer ist politisch der Linkere von Ihnen?
PETER KAISER: Wenn man links definiert, auf Seite der Schwächeren zu sein, ökonomische Bedingungen verändern zu wollen? Wir unterscheiden uns in liberalen Zugeständnissen, etwa bei der Legalisierung von Marihuana oder bei Verboten. Da bin ich wegen meiner Funktionen mehr geprägt von politischer Verantwortung.

Luca, Sie haben bei der Nationalratswahl kandidiert. Wo sehen Sie sich politisch in zehn Jahren?
LUCA KAISER: Nach der Nationalratswahl spürte ich in mir Politikverdrossenheit, weil zu fragen war, ob sich Politik über Slogans, Framing, Marketing definiert, oder ob es um Gesellschaftskonzeptionen geht. Das Landtagswahlergebnis in Kärnten hat mich wieder versöhnt, weil Verantwortung Leistung, Ehrlichkeit zählten.
PETER KAISER: Ich freue mich, dass sich Leute in diesem Alter so engagieren, dass Leute wie Luca in Zukunft Verantwortung tragen werden. Und dass es so nicht umsonst ist, was Poltitiker meiner Generation tun.

Im Kärntner Landtagswahlkampf waren Sie sehr oft gemeinsam zu sehen, lagen sich am Wahlabend des 4. März emotionsgeladen in den Armen. Welche Bedeutung haben solche gemeinsamen Erlebnisse?
PETER KAISER: Es ist unbeschreiblich toll, da ein engstes Familienmitglied um sich zu haben. Das stärkt unheimlich. Und es war wichtig, dass einem in Phasen allerhöchster Anstrengung, in der sich Mitarbeiter deshalb mit Kritik zurückhalten, einer sagt: probier deutlicher und kürzer zu sein.
LUCA KAISER: Vielen ist nicht bewusst, wie intensiv und hart so ein Wahlkampf wirklich ist, dass man im Schnitt nur vier bis fünf Stunden Schlaf kriegt. Der eigene Sohn kann dem Papa im Auto zwischendurch auch den Nacken massieren. Solche Grenzen können Mitarbeiter nicht überschreiten. Wenn man im Wahlkampf dem Vater ein Stück weit geben kann, was man ein Leben lang von ihm bekommen hat, dann soll man das nützen. Mir hat es sehr viel bedeutet, Papa in so einer Zeit beizustehen. Der Wahlabend, der war dann genial. Diese Momente, das fühlt sich an wie das Größte, das man gemeinsam erreichen kann. Denn Geburtstage kommen und gehen.

Luca, ist der Name Kaiser Bunze, Bürde oder Bonus?
LUCA KAISER: Eine Mischung aus all dem. Ich komme gut damit zurecht. Es hat gewisse Vorteile: Zum ausverkauften Fußballmatch Österreich-Deutschland kann ich Papa begleiten.

Kommentare (1)

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Quack9020
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2
Lesenswert?

Ich wette...

...einige Aussagen führen jetzt gleich wieder zu Anzeigen. Haha.

....Herbergsverband...Amsterdam...

....ausverkauftes Fußballspiel....

Aber mal ehrlich, JEDER würde die Vorteile nutzen, genießen... Nur hat Luca hier das Schweigen vergessen.

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