Kärntner des TagesVolker Giencke: Preis-wertes Lebenswerk

Der in Kärnten gebürtige Architekt Volker Giencke erhielt den Tiroler Landespreis für Kunst. Als Professor war er eine Leitfigur für seine Studenten.

Mit dem Konzerthaus „Great Amber“ sorgte Architekt Volker Giencke für internationale Furore
Mit dem Konzerthaus „Great Amber“ sorgte Architekt Volker Giencke für internationale Furore © Franz Brugner
 

Volker Giencke lässt sich mit einer Kerze vergleichen, die an zwei Enden brennt, wenn er auf die Architektur zu sprechen kommt. Als ein Besessener im positiven Sinn, der sich den gesellschaftlichen Auftrag zukunftsorientierter Baukultur auf seine Fahnen geheftet hat, war der gebürtige Kärntner bis zu seiner Emeritierung 2015 insgesamt 23 Jahre lang als Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Architektur an der Uni Innsbruck eine wichtige Leitfigur für seine Studenten. Außerdem holte er namhafte Gastprofessoren wie etwa Patrik Schumacher oder Kjetil Thorsen an die Fakultät.

Das eigene Licht in den Schatten stellend, sagt Giencke: „Ich wollte immer, dass die Leute, die an die Uni berufen wurden, besser sind als wir.“ Das von Giencke etablierte Uni-Department ./studio 3 war gleichsam die Kaderschmiede für angehende Baukünstler, wo sie sich das Credo ihres Vollblutlehrers verinnerlichten: über Gewohntes hinauszugehen, anders zu denken und leidenschaftlich zu agieren.

„Architektur muss mehr sein als die bloße Erfüllung funktioneller Anforderungen. Jeder Architekt sollte das innere Verlangen haben, etwas zu machen, das von bleibender Kraft ist“, so der 70-Jährige. Für den Kärntner Giencke wurde Graz zur Heimatstadt. Mit den von ihm Mitte der 1980er-Jahre entworfenen Gewächshäusern im Botanischen Garten in der Schubertstraße hat er ein unübersehbares architektonisches Rufzeichen gesetzt.

Weltweite Anerkennung erntete der energiegeladene Kreativkopf mit dem Konzerthaus „Great Amber“ in der lettischen Hafenstadt Liepāja. Die Grundidee dahinter war laut Giencke, in dieser nördlichen Region mit ihrem rauen Klima dem Bauwerk eine durchscheinende, energetische Hülle überzustülpen.

Die Ummantelung der multifunktionalen Konzerthalle, die 1000 Sitzplätze bietet, erfolgte aus Verbundglas mit vier integrierten Farbfolien. Je nach Tageslicht verändert so die aus dem Lot geratene „Lichtskulptur“ ihr Aussehen. Manchmal scheint sie Feuer zu spucken, dann wieder funkelt sie wie ein bernsteinfarbener Edelstein. Die neue Heimstätte der ersten Philharmonischen Gesellschaft Lettlands wurde schlagartig zum Symbol für die kulturelle Aufbruchstimmung in der musikbegeisterten Stadt.

Der gebürtige Kärntner durfte für dieses bravouröse Meisterstück bereits acht hohe internationale Preise in Empfang nehmen. Mit dem Tiroler Landespreis für Kunst folgt heute ein weiterer – für sein beachtliches Lebenswerk.

Zur Person

Volker Giencke, geboren 1947 in Wolfsberg, Architektur- und Philosophiestudium in Graz und Wien. 1981 wurde das Atelier Giencke & Company Architects in Graz eröffnet, weitere Büros in Sevilla und Riga. Ab 1992 Professor für Architektur an der Uni Innsbruck, 2000 gründete er dort das ./studio3.

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