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Kärntnerin des TagesPetra Preiss: Beherzte neue Ärzte-Chefin

Petra Preiss, Präsidentin der Ärztekammer, scheut keine Konfrontation und liebt als Herz- und Gefäßchirurgin die Arbeit im Operationssaal.

Erste Ärztekammer- Präsidentin in Kärnten und in Österreich: Petra Preiss. Die gebürtige Niederösterreicherin lebt und arbeitet seit 23 Jahren in Kärnten
Erste Ärztekammer- Präsidentin in Kärnten und in Österreich: Petra Preiss. Die gebürtige Niederösterreicherin lebt und arbeitet seit 23 Jahren in Kärnten © Bauer
 

Woher der Wunsch kam, weiß sie nicht. „Alle anderen in der Familie sind Lehrer geworden und die Mutter war Journalistin“, erzählt Petra Preiss. Sie hingegen „war eine Spontanmutation und wollte von Kleinkind auf Chirurgin werden“. Die neue Kärntner Ärztekammer-Präsidentin hat ihr Berufsziel beharrlich verfolgt. Nach der Promotion in Wien in den 1980er-Jahren wollte sie nicht zehn Jahre lang auf einen Turnusplatz warten. Sie ging in die Schweiz. Dort stellten sich die Weichen für sie beruflich und privat.

Ein wissenschaftliches Projekt, an dem sie in Zürich arbeitete, lotste sie nach Südafrika. Es galt, die Arbeit eines fahnenflüchtig gewordenen Teams in einem Labor zu übernehmen. Preiss machte zur Bedingung, eine herzchirurgische Ausbildung zu erhalten. Sie flog nach Kapstadt, stellte sich beim Nachfolger des Herztransplantationspioniers Christiaan Barnad vor und „dachte, der haut mich hinaus“. Dabei sagte er: „Ja, Sie haben den Job. Und so wurde ich Herzchirurgin“, muss Preiss über die damalige Situation herzhaft lachen.

Südafrika war für Preiss „ein Kulturschock“. Die Apartheid war im Ausklingen. „Die Lebensumstände waren ein Wahnsinn“, erinnert sie sich. Die Einkommensunterschiede in der Klinik zwischen ihr als weiße Ärztin und schwarzen Krankenschwestern waren „monströs“. Die zu behandelnden Krankheitsbilder andere: Armutserkrankungen und physische Gewalt. „Wir haben im Jahr 120 Herzstiche operiert.“ Südafrika verdankt Preiss auch „einen der bewegendsten Momente meines Lebens, die Freilassung von Nelson Mandela“.

Ich liebe diesen Beruf und ich bin ein Adrenalin-Junkie. Ich brauche es, akut etwas entscheiden zu müssen. 

Petra Preiss

Nach vier Jahren Südafrika kehrte sie nach Österreich zurück. Sie hatte mit ihrem Schweizer Ehemann – er ist Landschaftsarchitekt und Raumplaner – zwei Jahre eine Ehe über zwei Kontinente geführt. Das Paar wollte zumindest auf einem Kontinent leben. Weil Petra Preiss unbedingt als Herzchirurgin arbeiten wollte – sie ist auch Fachärztin für Allgemeinchirurgie –, absolvierte sie eine Bewerbungstour durch Österreich. Aber „niemand hat eine Frau gewollt“. Die Vorstellung in Linz brachte ihr eine Empfehlung für den damaligen Primarius am Landeskrankenhaus Klagenfurt, Georg Kobinia, ein. Und dieser holte Preiss 1994 nach Kärnten. Sie war dann eine der wenigen Frauen in dem Fachgebiet.

Heute ist Preiss überhaupt Pionierin. Sie ist erste Ärztekammer-Präsidentin, nicht nur in Kärnten, sondern österreichweit. Sie wurde letzten Montag gewählt und hat ihr Büro in der St. Veiter Straße in Klagenfurt bereits bezogen. Um sich mit ihrem 22 Personen starken hauptamtlichen Team und der von ihr geschmiedeten kleinen Koalition der großen Herausforderungen anzunehmen.

Kämpferisch ist Preiss der Öffentlichkeit seit dem Streit um die Ärztegehälter bekannt. Damals „die Emotionen geschürt“ zu haben, ist für Preiss in Ordnung. Wenngleich ihr bewusst ist, „dass die hohen Forderungen für viele Menschen völlig unverständlich waren“. Sie seien aber die Folge des langen Wegsehens der Politik gewesen. Letztlich wurde ein Großteil der Ärzte-Forderungen erfüllt.

Als nunmehrige Präsidentin will sie „Überzeugungsarbeit leisten“, gegenüber der Politik, der Kabeg und der Gebietskrankenkasse. Im Spitalsbereich ist die Ausbildung das vordringliche Thema. Im niedergelassenen Bereich sind es die Bedingungen für die Aufrechterhaltung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Bereich, denen das Hauptaugenmerk gilt.

In den Operationssaal wird Petra Preiss weiterhin gehen, muss sie gehen, aus eigenem Antrieb. „Ich liebe diesen Beruf, er ist wunderschön“, schwärmt sie. Das Erhöhende, das Mystische, das mit dem Herzen verbunden wird, fühlt Preiss nicht. Nicht „ein heroischer Nimbus“ ist es, der sie fasziniert, sondern das Herz als Organ. Und die Anforderung an sie als Ärztin, als „Adrenalin-Junkie“, „akut etwas zu entscheiden, die richtige Entscheidung zu treffen“. Und wenn es dann in dem lebenserhaltenden Kampf für den Patienten heißt, „Preiss gegen Tod, eins zu null für Preiss“.

Privat gibt Präsidentin Petra Preiss nur wenig preis: Ehemann, zwei Kinder, wohnhaft in Pörtschach. Die Familie will mit ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit „in Ruhe gelassen werden“. Stolz ist sie auf die Ehefrau und Mutter aber mit Sicherheit.

Zur Person

Petra Preiss, geboren am 12. Juli 1961, ist in Mödling/Niederösterreich aufgewachsen, hat in Wien studiert und 1986 promoviert.

Zwei Jahre Ausbildung/Doktorat in der Schweiz, Forschungsarbeit in Zellbiologie an der Uni Zürich.

Vier Jahre Südafrika, Ausbildung zur Herzchirurgin am Groote-Schuur-Hospital in Kapstadt. An dieser Klinik führte Christiaan Barnard 1967 die weltweit erste Herztransplantation durch.

Zwei Jahre Klinik Wien-Hietzing.

Seit 1994 Landeskrankenhaus bzw. Klinikum Klagenfurt.

Privat: Ehemann ist Raumplaner und Landschaftsarchitekt, Tochter studiert, Sohn geht in die Schule, die Familie lebt in Pörtschach.

Kommentare (1)

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Lesenswert?

Gratulation ! Petra ich habe DICH gewählt, weil ich weiß, dass Du die bessere Kandidatin bist !

Auch wenn es die Politik un die Bevölkerung jetzt nicht zu würdigen weiß, hast DU mit Deinem Einsatz die Spitalsversorgung in Kärnten gerettet.

Nicht nur, dass jetzt der "Spitalsstandort Kärnten" endlich konkurrenzfähig ist, hast Du auch Politik und der KABEG vor Augen gehalten, dass ein wertschätzender Umgang mit den Ärzten absolut notwendig ist.

Alles gute für die Zukunft !!

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