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Kärntner des Tages

Helmut Wulz: Musik soll klingen, nicht gelesen werden

Helmut Wulz, Villacher Lehrer, Volkskundler, Chorleiter und Komponist, feiert heute seinen 80er auf seiner „Huabn“ in den Karawanken.

© Markus Traussnig
 

Wenn ich mit meiner Schwester in Kanada telefoniere, fängt sie sofort zu singen an, Küchenlieder, Chorlieder, quer durch den Gemüsegarten“, schmunzelt der weißhaarige Mann mit den blitzenden blauen Augen: Helmut Wulz, der heute unglaubliche 80 Jahre jung wird, stammt aus einer Familie, in der die Musikpflege schon immer den Ton angegeben hat. Als eines von fünf Kindern wuchs er „auf der Huabn“ nahe Villach auf.

„Zuerst kommt die Illitschalm, dann der Zwanz’ger, und der Nächste bin ich“, schildert er die Lage seines Domizils, das nicht nur zwei Klaviere beherbergt, sondern auch Bienenstöcke. „Wir bauen jetzt Dinkel und Had’n an, haben uns sogar eine Teigknetmaschine fürs Brotbacken angeschafft. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist mein Fitnessprogramm“, meint der Jubilar, der heute mit einer sicher sangesfreudigen Gästeschar seinen Geburtstag feiert.
<h2>Amerika-Reisen</h2>
„Freund, Sie haben eine gute Stimme, wollen Sie nicht nach Amerika fahren?“, fragte ihn einst der legendäre Chorleiter Günther Theuring. Beim Wiener Akademie-Kammerchor hatte sich der Klavier- und Cellospieler Wulz mit seiner „Naturstimme“ teilweise das Studium finanziert.
„Was werst denn du in Amerika?“, schlug die Mutter damals entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen. „Da haben wir money gemacht“, erinnert sich Wulz an das Abenteuer Ende der vergangenen 50er-Jahre. Drei weitere USA-Tourneen sollten diesem Aufbruch folgen. „Wir sind damals rund 40.000 Kilometer mit den Greyhound-Bussen unterwegs gewesen.“

Unterwegs war er viel, der ehemalige Musiklehrer bei den Klagenfurter Ursulinen und im Villacher Peraugymnasium, der langjährige Leiter der Abteilung Volkskultur im ORF Kärnten, der seit 52 Jahren den A-cappella-Chor Villach leitet. „Oft habe ich den Frack erst im Bus angezogen!“ Aber nicht nur in die Konzertsäle hat es Helmut Wulz gezogen.

„Hunderte Stunden auf Tonband“ zeugen von einer – neben Singen, Dirigieren und Komponieren – weiteren Leidenschaft des Musikers: Als Volkskundler betrieb er vor allem in den osteuropäischen Ländern intensive Feldforschung, setzte er sich zu den Landlern in Siebenbürgen in die Küche, besuchte „Deutsch-Russen in der Odessa-Gegend“, hörte den (deutschsprachigen) Hutterer-Brüdern in Kanada zu.

Wo immer er war, hat er „gleich gebeten, was zu singen“. Und der Liedersammler begeisterte auch andere mit seinen Aufzeichnungen, hält die Lieder am Leben – etwa mithilfe des „wunderbaren Quartetts Schnittpunkt Vokal“, der Kärntner Paumgarten-Brüder, die seine ehemaligen Schüler sind. „Musik soll erklingen, nicht nur gelesen werden“ – und schon stimmt Wulz im Gespräch ein paar Takte eines Psalms an.

Er, der bei Alfred Uhl an der Musikhochschule und Eberhard Kranzmayer an der Universität Wien (Germanistik) studiert hat, pflegt natürlich auch das Kärntnerlied und gestaltete im Laufe seiner ORF-Zeit rund 30 TV-Sendungen aus den heimischen Tälern. Der langjährige Leiter der Turnersee-Singwochen (die einst von Anton Anderluh gegründet worden waren) ist nicht nur Träger des Kulturpreises des Landes Kärnten, sondern auch jenes der Stadt Villach, den er gemeinsam mit seinem Chor erhalten hat. Gerne stimmt der Dirigent und Komponist auch ein Loblied auf Hannes Klammer, den Obmann des A-cappella-Chores Villach, und immer wieder auch auf seine Familie an: „Meine drei Töchter können ohne Weiteres transkribieren!“ Eine große Vorgabe für die inzwischen vier Enkelkinder des Maestros.

Seine Frau, eine Wiener Pianistin, hatte er seinerzeit bei der Vorbereitung auf die erste Amerika-Reise kennengelernt: „Im wunderschönen Mai ist mir die Liebe begegnet“, deklamiert er schmunzelnd in Anlehnung an ein Gedicht Heinrich Heines. Ach ja: Für Lyrik hat er auch ein offenes Ohr, der Helmut Wulz!

KARIN WALDNER-PETUTSCHNIG

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