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Kärntner des Tages

Dank Billardkugeln reisen sie um die Erdkugel

Albin (25) und Jasmin (30) Ouschan aus Klagenfurt gehören im Billard zur Weltspitze. Dahin zu kommen und dort auch zu bleiben, ist ziemlich schwer.

Jasmin und Albin Ouschan - Billard-Stars aus Kärnten © Markus Traussnig
 

Die Boxer-Brüder Klitschko, die Tennis-Schwestern Williams – schön und gut. Aber Weltspitze-Geschwister? Das gibt’s nur ein Mal: in Klagenfurt. Jasmin und Albin Ouschan!

Beide gehören zur Weltspitze; er war 2014 Vizeweltmeister und im Vorjahr die Nummer eins, sie war 2010 Weltmeisterin, 2015 Vizeweltmeisterin und mehrfache Europameisterin. Am verdienten Triumph in der Heimat hindert sie nur eine Kleinigkeit: Ihr Metier ist Billardspielen, das kommt hinter Skifahren, Eishockey, Fußball und Eisstocksport. Aber vor Darts, wahrscheinlich.

Jedoch nur in Österreich. „Vor Kurzem in China fing eine junge Frau an zu weinen, weil sie ein Selfie mit uns machen durfte. Die war nah am Nervenzusammenbruch“, berichtet Jasmin. Da wollen Hunderte Fans in den Spielstadien die Ouschans berühren, da sitzen Hunderte Millionen vor den TV-Geräten, wenn Billard-Turniere übertragen werden oder Jasmin bei einer Neujahrs-Talkshow den Moderator zum Walzer verleitet. Das Geschwister-Wunder begann an einem Miniatur-Billardtisch im Trainingsraum des elterlichen Gasthauses in Klagenfurt, wo auch ein Billard-Club residierte. Jasmin spielte unbeschwert drauflos, erst auf Kisten, mit sechs ragte ihr Kopf über die Billardtische der Großen.

Im Schatten

Albin ist fünf Jahre jünger und musste sein Talent im Schatten seiner Schwester entfalten. „Mit zwölf hatte ich mich für die Erwachsenen-Meisterschaft qualifiziert, aber ich durfte nicht starten, weil ich noch ein Kind sei“, erinnert sich der 25-Jährige. Ein Jahr später applaudierten die nicht-kärntnerischen Teams nur seinen Gegnern: „Für einen 13-Jährigen ist das schon ziemlich verletzend.“ Später, als die beiden sportlich unangreifbar waren, hinterbrachten angebliche Freunde, was er über sie und sie über ihn gesagt haben soll. So trieben Neider einen Keil zwischen die Billard-Geschwister.

Heute ist das Vergangenheit. „Jetzt können wir Ratschläge vom anderen annehmen“, sagen beide. „Dass Albin mich zur Tante gemacht hat, ist einer meiner Gänsehaut-Momente“, sagt die 30-Jährige. Auch sie will ihn eines Tages zum Onkel machen, „wenn der richtige Mensch da ist“.
„Es klingt vielleicht komisch, aber im Moment ist mein Leben vollkommen“, sagt Albin. „Mit der Familie passt alles, sportlich passt alles.“ Wie zur Bestätigung kommt Freundin Katharina mit Tochter Lena-Sophie auf einen Sprung in Ouschans „Billiard Sport Academy“ im Sportpark. Die Sechsmonatige schaut mit ihren großen Augen gut gelaunt in die Welt und hat eine große Hypothek zu tragen. Vater Albin: „Wenn sie so alt ist wie ich, hat sie schon Wimbledon gewonnen.“ Alle lachen. Zurück zum Ernst des Spiels: Derzeit trainieren Jasmin und Albin fünf Stunden täglich für die EM im April – nur am Billardtisch. Hinzu kommen Mental- und Stabilitätsübungen.

Wenn die Favoriten wieder auf „Wackelbrettern“ stehen und mit vier Kugeln jonglieren, denken sie vielleicht daran, dass Billard in Österreich kein Sport sein soll.
Bevor es zu ernst wird, kann es sein, dass Jasmin mit gezücktem Queue auf Albin zuläuft und etwas von „Starwars“ ruft. Dann sind sie einfach zwei vertraute Geschwister, die sich Spaß und Kunst nicht nehmen lassen.

JOCHEN BENDELE

  • Billard

    Für Albin Ouschan ist die letzte Saison nur schwer zu toppen

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