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Kärntner des Tages

Hubertl: Ein wahrer Wikipedianer

Hubertl (61) aus Klagenfurt schreibt seit zwölf Jahren für die Wikipedia. Mittlerweile hält er auf der Uni Wien Seminare zur Online-Enzyklopädie.

Hubertl schreibt und fotografiert für die Wikipedia
Hubertl schreibt und fotografiert für die Wikipedia © Jaritz
 

Die Lebensweise von Wüstenspringmäusen, eine Liste aller Päpste, die Geschichte des Kugelschreibers – fast zwei Millionen Artikel finden sich in der deutschsprachigen Wikipedia. Im Lexikon des Internets erfährt der Leser beinah alles; bis auf die echten Namen der Autoren, die all ihre Einträge unbezahlt verfassen. „Wir Wikipedianer lieben es, unsere Anonymität nicht aufzugeben“, sagt Hubertl. Der gebürtige Klagenfurter will deshalb auch nur seinen Autorennamen in der Zeitung lesen. Seit zwölf Jahren schreibt er für die Online-Enzyklopädie. Damit ist der 61-Jährige ein Wikipedia-Veteran: Die Internetseite feierte dieser Tage ihren 15. Geburtstag.

"Konnten uns keinen Brockhaus leisten"

Hubertl erfasste der Wissensdurst aber schon viele Jahre früher. „Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die sich keinen Brockhaus leisten konnte. Zugang zu Büchern und Wissen hat mir deshalb immer schon viel bedeutet“, sagt der Pensionist, der früher in der Werbebranche arbeitete. Mittlerweile gibt er sein Wissen weiter: Hubertl hält Seminare auf der Universität Wien. „Die Studenten müssen am Ende des Semesters ihren eigenen Wikipedia-Artikel schreiben. So können wir auch Autorennachwuchs finden.“

300 Artikel geschrieben

Hubertl selbst hat an fast 300 Wikipedia-Artikel mitgeschrieben. Sein „Hauptwerk“ befasst sich mit dem österreichischen Komponisten Hanns Eisler: 49 Seiten lang ist der Eintrag, wenn man ihn ausdruckt. „Die Stärke der Wikipedia ist, dass sie ständig erweitert und aktualisiert wird. Gedruckte Enzyklopädien können da nicht mehr mithalten“, sagt Hubertl. Für die Wikipedianer bedeutet das aber auch mehr Arbeit: „Wir ersetzen jetzt den Brockhaus. Das ist eine große Verantwortung.“

So groß, dass Hubertl wenig Zeit für andere Dinge bleibt. Das macht ihm aber nichts: „Wenn ich nicht in der Wikipedia schreibe, lese ich in ihr. Ich kann darin so unglaublich viel lernen.“

THOMAS MACHER

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