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Kärntner des Tages

Wenn der Ton den Tag bestimmt

Der Komponist und Dirigent Gerd Kühr (59) wird kommenden Dienstag in der Wiener Hofburg mit dem "Österreichischen Kunstpreis" (Sparte Musik) ausgezeichnet.

© Kmetitsch
 

Wenn er am Dienstag aus den Händen von Bundespräsident Heinz Fischer den "Österreichischen Kunstpreis" entgegennimmt, wird Gerd Kühr (59) vielleicht auch kurz daran denken, dass sein erstes "Instrument" ein improvisiertes Schlagzeug aus Töpfen war.

Der Sohn eines Gendarmeriebeamten hat sich schon früh für Musik interessiert, aber in den 1950er- und 1960er-Jahren gab es rund um Kötschach-Mauthen noch keine öffentliche Musikschule. Der Vater, begeisterter Chorsänger, hat mit seinen vier Söhnen zu Hause gesungen; irgendwann gab es auch eine Gitarre im Haus. Und während der Volksschulzeit suchten die Eltern einen Privatlehrer, der den beiden älteren Söhnen Akkordeon beibrachte. "Das war wesentlich für mich", erinnert sich Gerd Kühr. "Mein Lehrer Gerd Kopper hat schnell erkannt, dass es mich zur klassischen Musik zog. Also habe ich Verdis Opernarien eben auf dem Akkordeon gespielt."

Mittlerweile unterrichtet er selbst, und zwar Kompositionsstudenten an der Kunstuniversität Graz, wo Kühr seit 1995 eine Professur innehat. Mit Opern wie "Stallerhof" (Uraufführung 1988) und "Tod und Teufel" (Libretto: Peter Turrini, Uraufführung 1999) hat sich der gebürtige Maria Luggauer international einen Namen gemacht. Sein Schaffen umfasst neben Opern auch große Orchester- und Vokalwerke sowie Instrumentalmusik, die unter anderem bei den Salzburger Festspielen, der "styriarte" oder dem Huddersfield Festival uraufgeführt wurden.

"Ordentlicher" Beruf

Dabei hat er sich vergleichsweise spät für ein Kompositionsstudium entschieden: Ursprünglich dachte er daran, Pianist zu werden. Seine Eltern drängten ihn sanft in Richtung Musikerziehung: "Sie wollten natürlich, dass ich einen ,ordentlichen' Beruf erlerne." Also schrieb er sich in Salzburg für Musikerziehung und Geschichte - ein Fach, das ihn ebenso wie Physik und Astronomie brennend interessiert - ein, begann später aber auch ein Dirigier- sowie ein Kompositionsstudium. Zu seinen Lehrern zählte der berühmte deutsche Tonschöpfer Hans Werner Henze, der "mir vorgelebt hat, was es bedeutet, Komponist zu sein: Jeder Tag wird auf den Rhythmus der Musik abgestimmt. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten, viel Nachtarbeit und die Musik, die man schreibt, beeinflusst auch das eigene Gefühlsleben", so Kühr, der mit seiner Frau in der Nähe von Graz lebt.

Seit 1996 hat das Ehepaar aber auch eine kleine Arbeitswohnung im Lesachtal: "Dort können wir wunderbar arbeiten, weil es keine Störungen gibt. Ich zwinge mich, einmal am Tag vor die Tür zu gehen, im Winter etwa mit den Schneeschuhen zu wandern, ansonsten versinken wir voll in der Arbeit." Seine Ehefrau, die Theater- und Literaturwissenschafterin Petra Ernst-Kühr, ist Mitarbeiterin am "Centrum für Jüdische Studien" an der Universität Graz. Die Autorin mehrerer Bücher hat aber auch schon Opern-Libretti geschrieben. Unter anderem hat sie gemeinsam mit ihrem Mann für das Jugendmusikfest Deutschlandsberg die Oper "Agleia Federweiß" (Uraufführung 2001) geschaffen.

Auftragsarbeiten

Gerade fertiggestellt hat Gerd Kühr eine Auftragsarbeit für den Bayerischen Rundfunk, für den er Beethovens Streichquartett op. 132 für Streichorchester gesetzt hat. Eine Arbeit, für die der Hobbysportler (Bergsteigen, Tennis, Schifahren, Langlaufen) nicht nur als Komponist, sondern auch als Musikwissenschafter tätig war - unter anderem durch intensives Studium des Autografs. Für die Wiener "Gesellschaft der Musikfreunde" schreibt er an einem großen Werk für Chor, Sprecher und Orchester. Dafür hat er die Arbeit an einer Messe unterbrochen, die 2013 im München uraufgeführt werden soll.

Kühr kann sich über mangelnde "Auftragslage" nicht beschweren. Möglicherweise liegt das daran, dass für ihn Musik auch eine gesellschaftliche Funktion hat: "Musik ist für mich eine Botschaft gegen die Armut an Fantasie. Ein Mensch, der dadurch geprägt ist, trifft im Alltag andere Entscheidungen, davon bin ich überzeugt."

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