Und immer wieder geht die Sonne auf. In diesem Fall scheint sie prächtig orange.

"Orange Sun" nennt sich das Trio mit Sänger Boris Uran und ist gleichzeitig sein Comeback. Mehr als das: Alle zehn Stücke des Debütalbums stammen aus der Feder des 38-Jährigen. Der einst als große Entdeckung Gefeierte hat somit nicht nur sein erstes Album seit 2003 veröffentlicht, sondern auch die Metamorphose zum Songwriter geschafft.

Veränderung. Für Uran, der im Elternhaus oberhalb von Velden musikalisch sozialisiert wurde ("Von den Oberkrainern über Manhattan Transfer bis Konstantin Wecker war alles dabei") ist das ein wichtiges Thema. Stimmlich geschult wurde das Talent im Familienchor. "Wir waren im ganzen Land unterwegs, traten bei Bällen und Hochzeiten auf und sangen Jazzstandards und Gospels."

Nach der Waldorfschule bewarb sich der Autodidakt für die Castingshow Starmania. Er wurde Dritter, unterschrieb einen Major-Plattenvertrag. Doch schon bald danach rutschte er in eine persönliche Krise. "Über Nacht kennt dich auf einmal jeder, das hat mich entwurzelt", erzählt er und ergänzt: "Ich bereue nichts, würde es aus heutiger Sicht aber nicht mehr machen."

Um wieder in die Spur zu kommen, ging er für ein Jahr nach Indonesien (auf Bali wurde sein heute 14-jähriger Sohn geboren). Das neue Album beschreibt seine "schwierige Zeit", es geht oft um Angst und Selbstfindung. Seine samtweiche Stimme wird nur von Gitarre und Tuba begleitet. Die Stücke hat Uran, der Mitte 20 aufgehört hat, richtig Musik zu machen und danach Altenpfleger war, bereits zwischen 2013 bis 2019 geschrieben und als Demos aufgenommen.

Durch einen weiteren Schritt der Veränderung – 2017 absolvierte er in Klagenfurt die Abendmatura – wurden seine Homerecordings zu fertigen Liedern. "Über einen Klassenkollegen lernte ich Primus Sitter kennen und schickte ihm die Demos." Nachdem klar war, wohin die musikalische Reise gehen sollte, wurde das Album mit Sitter und Jon Sass (Tuba) eingespielt.

"Orange Sun": Primus Sitter, Boris Uran, Jon Sass
© KK/Lea Frießner

Uran, der seit Kurzem für die ÖBB arbeitet und täglich zwischen seinem Wohnort in Niederösterreich und Wien pendelt, schreibt bereits neue Songs. Privat hört er derzeit am liebsten Musik von Bon Iver, Bilderbuch, aber auch Chet Baker und John Coltrane. Pläne für seine Musikzukunft? "Ein elektronisches Projekt würde mir großen Spaß machen, und irgendwann möchte ich Konstantin Wecker interpretieren." Was er bisher am meisten bereut hat? "Dass ich mit 12 Jahren aufgehört habe, Klavier zu spielen."