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Peter GauperWarum der Raiffeisen-Chef keine neue Krise am Horizont sieht

Peter Gauper, Vorstand Raiffeisen Landesbank Kärnten, über die Lehren aus Lehman-Pleite und Finanzkrise.

Peter Gauper: „Österreich überzieht als Musterschüler“
Peter Gauper: „Österreich überzieht als Musterschüler“ © Puch Johannes
 

Wie groß war Ihr Schrecken, als vor genau zehn Jahren die Lehman-Pleite gemeldet wurde?
PETER GAUPER: Ich kann mich sehr gut daran erinnern. Ich war bei einem Kunden – es war am Nachmittag. Wir schauten uns dann gemeinsam um 17 Uhr die Nachrichten im Fernsehen an. Das war ein Schockerlebnis, weil sich bis zu diesem Zeitpunkt niemand vorstellen konnte, dass eine internationale Investment Bank von dieser Größenordnung zum Konkursrichter gehen musste.

Waren Sie durch Vorahnungen alarmiert?
Es gab mit der Immobilienkrise in den USA beginnend im Jahr 2007 und mit Verwerfungen in diesem Zusammenhang Vorzeichen. Aber, dass das diese Ausmaße annehmen wird, war am Ende für uns alle überraschend.

Wie war Ihr Krisenmanagement bei Raiffeisen in Kärnten?
Die Kernfrage der Kunden war: Wie sicher sind unsere Einlagen. Es gab eine sehr intensive Beratung dazu. In dieser Phase hat sich der große Vorteil von den Regionalbanken bestätigt, dass wir aufgrund unserer Finanzierungsstruktur eine sehr gute Liquiditätssituation hatten. Das heißt, dass wir Einlagen unserer Kunden aus der Region verwaltet und diese auch im Wesentlichen wieder regional vergeben haben. Wir waren damals definitiv der stabile Faktor in der Finanzwelt und wir konnten auch in dieser Phase unseren Kunden erklären, dass ihre Einlagen sicher sind. Heute gibt es eine höhere Sensibilität der Kunden für die Sicherheit der Einlagen.

Wie hielten die Regionalbanken im Moment des Finanzbebens?
Für unser Haus waren die Überwerfungen natürlich auch spürbar, weil die Krise zuerst verzögert, dann im Jahr 2009 auch in Europa in vollem Umfang angekommen ist hin bis zu Griechenland am Rande des Abgrunds, das falsche Zahlen vorgetäuscht hatte. Das hatte eine Vertrauenskrise innerhalb der gesamten Finanzwelt zur Folge, die auch im Finanzsystem zu Liquiditätsengpässen bei gewissen Banken führte.

Banken bis hin zur krachenden Hypo Alpe Adria benötigten Staatsgeld. Die Raiffeisengruppe benötigte auch Finanzhilfe. Damals hat die RZB Hilfe in Anspruch genommen. Diese wurde planmäßig und teilweise sogar vorzeitig vollkommen rückgeführt und auch sehr ordentlich verzinst. Es hat keine Primärbank und auch keine Raiffeisenlandesbank Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Unternehmer beklagten eine spürbare Kreditklemme.
Für unser Haus und für die Kärntner Raiffeisenbanken hat es nie eine Kreditklemme gegeben. Die Ereignisse haben zu einer Rezession in den Jahren 2009/10/11 geführt. Es war auch eine Krise, die bei den Unternehmen geprägt war von Unsicherheit. Es war eine schwierige psychologische Stimmung.

Mit der Finanzkrise sind auch ungeheure Dinge aufgebrochen, von abenteuerlichen Finanzkonstruktionen bis zu extremen Manager-Boni. War die Krise auch heilsam für Exzesse der Finanzwelt?
Im Nachhinein war es eine exzessive und überschießende Kreditpolitik amerikanischer Banken, die Immobilien finanziert haben. Man hat daraus gelernt und heute gibt es ein anderes Bewusstsein gegenüber expansiver Kreditpolitik.

Welche weitere Lehre zog man daraus?
Es gibt ein Bewusstsein der internationalen Vernetzung der Finanzwelt. Und es wurden die Rahmenbedingungen für Banken dramatisch verändert, vor allem in Europa. Es ist gut, dass Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften verschärft wurden. Österreich war aber wieder Musterschüler. Für Regionalbanken sind die Regularien überbordend und überzogen.

Sehen Sie irgendwo eine neue Krise am Horizont?
Derzeit nicht. Die Banken verfügen über eine solide Eigenmittelausstattung und wir haben eine robuste Konjunktur.

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