Kärnten25-Jähriger von Missbrauchsvorwurf freigesprochen

Einem Kärntner wurde zur Last gelegt, seine vierjährige Tochter sexuell missbraucht zu haben. Der Mann wurde am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt freigesprochen. Nicht rechtskräftig.

© Klz/Weichselbraun
 

Ein 25-jähriger Kärntner ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden. Dem Mann war vorgeworfen worden, seine Tochter missbraucht zu haben. Die Sachverständige konnte nach der Einvernahme des Kindes diesen Verdacht aber nicht erhärten.

2016 hatten sich der Kärntner und seine damalige Freundin getrennt, die gemeinsame Tochter, heute vier Jahre alt, war bei ihm öfters zu Besuch. Der Mann beteuerte vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Dietmar Wassertheurer immer wieder seine Unschuld: "Ich habe nichts getan, ich liebe meine Tochter über alles." Zu dem Prozess war es gekommen, nachdem das Mädchen Andeutungen gegenüber seiner Mutter gemacht hatte - bei einem Gespräch mit einer Psychologin am Kinderschutzzentrum hatte es die Vorwürfe gegen seinen Vater wiederholt.

Aussagen nicht klar gewesen

Die Gespräche mit der Mutter und der Psychologin waren schließlich der Grund für das Gericht, ein Gutachten einzuholen, das schließlich auch zum Freispruch des Mannes führte. Im Prozess nahm die Sachverständige aber gleich eines vorweg: "Ich habe keine Hinweise auf eine mütterliche Motivation gefunden, dem Vater etwas anzuhängen."

Die Aussagen des Mädchens seien nicht klar gewesen, so die Sachverständige. Sie sprach von einer "Vermischung von Erinnerungsspuren", die Vierjährige hatte in dem Gespräch mit ihr vollkommen neue Details präsentiert, weshalb die "Erinnerungsspur nicht valide" sei: Eine "Erlebnisbasierung" hätte auch in dem jungen Alter des Mädchens mehr Konstanz.

Thema in der Verhandlung waren auch Entzündungen des Mädchens im Genitalbereich, die zeitlich in Verbindung mit den Vorwürfen gebracht wurden. Dazu sagte auch der Kinderarzt des Mädchens aus: Solche Entzündungen seien bei Kindern in dem Alter nichts Seltenes. Bei dem Mädchen sei es auch nicht besonders auffällig gewesen: "Sonst hätte ich sicher nachgehakt."

"Keine Grundlage"

Verteidiger Philipp Tschernitz betonte, dass das Mädchen vom Alter her genau an der Grenze sei, wo es extrem schwierig sei zu erzählen, was tatsächlich passiert ist: "Im Strafprozess ist der Zweifelsgrundsatz die höchste Maxime. Wenn Zweifel bestehen, dann darf man nicht verurteilen", appellierte er an den Schöffensenat.

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", begann Richter Wassertheurer seine ausführliche Urteilsbegründung. Man habe sich ein Bild gemacht von den gesamten Umständen, auch durch die Aussagen des Angeklagten, von Bezugspersonen und von der Mutter des Mädchens: "Gesamt gesehen ist das für uns nicht genügend gewesen, um darauf einen Schuldspruch zu stützen."

Auch er betonte, dass es "keine Grundlage" für die Annahme gebe, dass die Mutter dem Angeklagten über das Kind etwas vorwerfen wolle. "Begonnen hat es mit etwas, das für die Mutter auffällig war", sagte Wassertheurer. Dass man als Erwachsener auf die Erzählungen eines Kindes reagiere, sei logisch: "Wir konnten nicht sagen, ob das, was Kind von sich gibt, eine Vermischung mit den reaktiven Handlungen der Mutter ist." Insgesamt konnte man die Frage nicht klären, was die Wahrnehmungen des Mädchens waren und ob etwas dazugekommen war.

Staatsanwalt Markus Kitz gab zum Urteil keine Erklärung ab. Es ist damit nicht rechtskräftig.

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