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Erik Schinegger: "Ich wollte nie mit Puppen spielen"

Erik Schinegger, der "Mann der Weltmeisterin wurde", im Kleine-Sommergespräch über den Schisport, sein Schicksal und die "Schulter-klopfer-Gesellschaft".

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Wie und wann sind Sie eigentlich zum Schisport gekommen?

Erste Schi

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SCHINEGGER: Ich wollte schon immer Schi fahren. Mit acht Jahren habe ich gebrauchte Holzschi geschenkt bekommen. Ich musste sie abhacken, weil sie zu lang waren. Mit zehn Jahren bekam ich um 70 Schilling meine ersten Schi. Aus Schneemangel fuhr ich im Raureif auf der Wiese vorm Haus. Kurz darauf nahm ich an meinem ersten Rennen, dem Bezirks-Jugendschitag mit rund 350 Startern, teil und habe gewonnen. Daraufhin ging es Schlag auf Schlag: Kärntner Meister, Österreichischer Meister, ÖSV-Jugendkader, Nationalkader.

Der Weltmeistertitel im Abfahrtslauf war wahrscheinlich der Höhepunkt Ihrer Karriere. Wie war das Gefühl, bei so einem Ereignis auf dem Stockerl zu stehen?

SCHINEGGER: Im ersten Moment war es für mich nichts besonderes. Ich hatte ja schon einige Rennen zuvor gewonnen. Erst nach und nach wurde mir bewusst, was passiert war. Und ich war stolz auf meine Leistung. Mir wurde bewusst, dass ich quasi ein Unikat war. Zu diesem Zeitpunkt, war ich die Beste der Welt.

Erste Anzeichen

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Sie sind, so auch der Titel Ihres Buches, "der Mann der Weltmeisterin wurde". Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, dass mit Ihrem Körper etwas nicht stimmen könnte.

SCHINEGGER: Eigentlich schon in der Kindheit. Die Mädchen waren mir immer zu langsam und ich wollte auch nie mit Puppen spielen. Ich habe mir immer einen Traktor gewünscht.

Der Fall der Läuferin Caster Semenya, die im Verdacht steht, ein Mann zu sein, erinnert sehr stark an Ihre eigene Geschichte. Was geben Sie ihr mit auf den Weg?

SCHINEGGER: Ich wünsche ihr, sollte sich der Verdacht bestätigen, viel Kraft. Bei so einem Schicksal, so war es bei mir, lernt man die Gesellschaft und die "Schulterklopfer" erst richtig kennen.

Wann hatten sie nach Ihrer Umwandlung zum ersten Mal das Gefühl: "Jetzt bin ich ein Mann!"

Als Weltmeisterin zurück in die Heimat

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SCHINEGGER: Das war zum ersten, als mir meine Frau gesagt hat, dass sie schwanger sei und zum zweiten bei der Geburt unserer Tochter.

Die Filmindustrie in Hollywood war sehr an der Verfilmung Ihrer Biografie interessiert. Wie ist diesbezüglich der aktuelle Stand?

SCHINEGGER: Der Vertrag ist unterschrieben. Die Verantwortlichen haben jetzt drei Jahre Zeit, das 30 Millionen Dollar schwere Projekt umzusetzen.

Die vergangene Woche war eine traurige für den Sport: Die Schilegende Toni Sailer ist verstorben. Als welchen Menschen haben sie ihn kennen gelernt?

SCHINEGGER: Ich habe Toni gut gekannt. Er war seiner Zeit weit voraus. Die Sachen, die er sich vorgenommen hat, hat er durchgezogen.

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